Der Trend zu immer mehr App-Abos hält an

Der Rückblick der Woche 6 mit neuen Zahlen zu App-Abos, Einsichten zur Zukunft des VLC-Medienplayers und zu einer Neuerung in Chrome für iOS, die allerdings nicht so viel hält, wie sie verspricht.

Der auf den App-Markt spezialisierte Analyst Sensortower hat Erkenntnisse darüber veröffentlicht, welches die Apps sind, die mittels Abos die grössten Umsätze bei iPhone- und iPad-Nutzern erzielen. Das sind gemäss 9to5mac.com Youtube, Tinder und Disney+.

Das ist nicht sonderlich überraschend – aber es hat auch damit zu tun, dass nicht alle Anbieter ihre Abos über die App abwickeln. Darob hat sich im letzten Jahr eine Kontroverse entspannt, auf die ich im Beitrag Wenn Kampf-Game-Hersteller Angriffslust entwickeln: Epic gegen Apple eingegangen bin.

Gemäss dem Beitrag hält der Trend zu Abos an: Die Ausgabe in der Top 100 der abonnierten Apps, die Spiele ausgeklammert, ging im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent nach oben. Er beläuft sich inzwischen auf beachtliche 13 Milliarden US-Dollar. Sensortower fand heraus, «dass Mobile Game-Publisher im Jahr 2020 verstärkt Abo-Modelle einführen, wobei acht der 15 umsatzstärksten Titel wiederkehrende In-App-Zahlungen anbieten».

Der Trend hält seit dem ersten Quartal 2019 an. Das hat den Analysten zur folgenden, nicht allzu gewagten Aussage bewegt:

Ein solches sequenzielles Wachstum sowie erhebliche Zuwächse bei einzelnen Apps sind starke Signale dafür, dass sich 2021 und darüber hinaus mehr Verlage für das Abo-Modell entscheiden werden.

Das Abo-Modell scheint sich zu etablieren. Ich bleibe aber dabei, dass es auch Gefahren birgt: Ich habe mich schon in einige Fällen nach Alternativen umgeschaut, weil ich zwar gerne bereit bin, einmalig für eine App zu zahlen, aber mir keine wiederkehrenden Ausgaben ans Bein binden will. Beispiele, wo das Abo-Modell mich zu einer Abkehr bewogen haben, sind die Kalender-App Fantastical (hier die Begründung) und der Text-Editor Ulysses, den ich für ausgezeichnet halte, der eine Ausgabe von 7 Franken pro Monat aber für mich nicht rechtfertigt.


VLC wird 20 – und will sich optisch verjüngen

VLC gehört zu den Programmen, die sich aus klassischen PC-Ära in die moderne Smartphone-Welt hinüberretten konnten. Die Variante für Windows und Mac ist nach wie vor unverzichtbar.

Es gibt eine mobile Variante fürs iPhone und Android, die zwar nicht an die Möglichkeiten der Desktop-Variante heranreicht, aber trotzdem viele nützliche Funktionen aufweist. Und schliesslich kann man VLC auch auf dem AppleTV verwenden – auch wenn ich für die Fernsehbox eine Alternative propagiere.

Dieses Jahr wird VLC zwanzig Jahre alt, und zu diesem Anlass gibt es auf protocol.com ein Interview mit Chefentwickler und Gründer der VideoLAN-Stiftung Jean-Baptiste Kempf.

Daraus erfährt man einiges über die Pläne der Stiftung: Dieses Jahr soll die Version 4.0 erscheinen, die mit einer «etwas moderneren» Oberfläche aufwarten soll. Aufgrund der zurückhaltenden Formulierung und der diesbezüglich ziemlich konservativen Strategie erwarte ich allerdings keine radikale Abkehr von der Benutzerschnittstelle, die nach funktionalen und nicht nach optischen Kriterien entwickelt wird.

VLC wird auch Online-Inhalte in die App integrieren und eventuell sogar werbeunterstützte Angebote zulassen; weil die Stiftung offenbar auch einem finanziellen Zustupf nicht abgeneigt wäre. Aber ich nehme an, dass auch diese Neuerung auf wenig aufdringliche Weise geschehen wird – denn man darf davon ausgehen, dass die Nutzerschaft sie nicht akzeptieren würde.

Schliesslich wird im Interview eine VLC-Variante erwähnt, die als Browser-Plug-In funktionieren soll. Und ein Projekt namens Moviepedia soll der Film- und Seriendatenbank IMDb Paroli bieten und wie Wikipedia Informationen nach dem Crowdsourcing-Prinzip zusammentragen.


Pseudo-Schutz fürs Inkogonito-Surfen bei Chrome

«The Verge» berichtet, dass Google an einem zusätzlichen Schutz fürs Inkognito-Surfen arbeitet. Die Reiter, die im privaten Modus geöffnet werden, sollen am iPhone mit Face-ID geschützt werden.

Tom Warren von «The Verge» hat diese Informationen in den Versionshinweisen zur Beta 89 von Chrome für iOS gefunden. Dort heisst es, dass nach bei der «Rückkehr zur Chrome-App die Inkognito-Tabs unscharf sein werden, bis die Gesichtserkennung bestätigt, dass der rechtmässige Besitzer des Telefons sich diese Reiter ansehen will».

Das zielt natürlich auf die Nutzer von Erwachsenen-Inhalten, die sich so sicherer fühlen sollten, dass ihre privaten Vorlieben ihr Geheimnis bleiben werden. Und ja, ein zusätzlicher Schutz werden sicherlich viele Leute begrüssen – auch ich habe neulich eine App vorgestellt, mit der keiner deine Schmuddelbilder (oder die Geheimdokumente) sieht.

Es bleibt aber daran zu erinnern, dass der Inkognito-Modus lediglich dafür sorgt, dass auf dem Endgerät keine Spuren der Internetaktivitäten zurückbleiben. Alle anderen – Internetprovider, Vorratsdatensammler, Webseitenbetreiber, Tracker und andere Datensammler – erfahren weiterhin von diesem Tun. Für mehr Privatsphäre braucht es entweder ein VPN oder den Tor-Browser.

Die finale Version von Chrome 89 für iOS soll anfangs März erscheinen.

Beitragsbild: Immer mehr Apps wollen abonniert werden (Amarnath Radhakrishnan, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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