Ich hadere heftig mit der Strava-App

Braucht man diese Sportler-App für erfülltes Hobbysportlertum? Und lohnt sich das Premium-Abo?

Ich hadere noch immer mit mir. Soll ich nun den Probemonat bei Strava starten oder nicht?

Die App habe ich seit längerem installiert – nämlich, seit ich mir für das Video Wenn das Smartphone nach draussen lockt einige Sport-Apps angesehen habe. Ich habe die App durchaus schätzen gelernt. Vor allem wegen der schönen Dinge, die man mit seinen Daten anstellen kann (Erst schwitzen, dann daten-minen). Denn Strava ist nicht bloss eine App und eine Website, sondern auch ein soziales Netzwerk – und die massgebliche Plattform für Sportler, die ihre Ambitionen gegenüber der Welt offenbaren wollen.

Dieses Bedürfnis hatte ich bislang nicht. Nachdem aber Dani Hofstetter bei uns im Nerdfunk war, habe ich mich entschlossen, Strava mit der Garmin-Connect-App zu verbinden und meine aufgezeichneten Aktivitäten automatisch dort zu teilen. Bislang war ich ganz zufrieden mit dem, was die Connect-App an Analysen ausgespuckt hat. Und neuerdings nutze ich auch die Aktivitäten-App von Apple.

Auch die Strava-App konnte meinen Ehrgeiz nicht massgeblich steigern. Ich schätze es zwar durchaus, von meinen (wenigen) Freunden Kudos zu erhalten, nachdem ich mich in einer einsamen Physical-Distancing-Jogging-Runde verausgabt habe. Aber ich plage mich für mich selbst und nicht für andere oder für das Lob: Weil ich mich hinterher gut fühle und es das beste Mittel zum Stressabbau überhaupt ist.

Eines dieser Segmente, bei denen man gegen alle vorherigen Absolventen des gleichen Streckenabschnitts antritt.

Auch diese Segmente sind eine zweischneidige Angelegenheit. Ein Segment ist eine Wegstrecke, die von vielen Sportlern absolviert wird, selbst wenn sie sich auf einer anderen Tour befinden. Es handelt sich typischerweise um einen Abschnitt, der aus Trainingssicht interessant ist, weil man sich besonders verausgaben muss, weil er zu einem besonderen Exploit einlädt oder einfach von vielen Leuten absolviert wird.

Die App erstellt nun ungefragt Ranglisten für diese Abschnitte. Ich sehe zum Beispiel, dass ich auf dem Kronenwiesenweg Rang 59 belege (mit 4:01 für 0,8 Kilometer, während der Sieger 2:38 brauchte). Auf der oberen Vogelsangstrasse bin ich sogar nur 195.

Beim Anstieg auf der Breitestrasse belege ich immerhin Platz 57 – und in meiner Alterskategorie Platz drei, wobei man für Details dann eben das Strava-Abo benötigen würde, das 5.33 Franken pro Monat oder usm die 63 Franken im Jahr kosten würde.

Wer sich mit den Gleichalterigen vergleichen will, braucht ein Abo.

Das ist eine späte Genugtuung für jemanden, der beim klassischen Sporttag in der Primarschule beim Hindernislauf regelmässig Letzter geworden ist. Aber ist es nicht auch ein Auswuchs unserer Leistungsgesellschaft, dass wir uns selbst bei solchen privaten Vergnügen mit anderen vergleichen und messen lassen müssen?

Und geht es eigentlich an, den Kontext zu ignorieren? Vielleicht hat mein virtueller Kontrahent das Segment bei besten Bedingungen absolviert, während ich gegen Regen und Gegenwind ankämpfen musste? Womöglich ist er dreihundert Meter vorher taufrisch aus dem Auto ausgestiegen, während ich mich schon seit einer Dreiviertelstunde verausgabt habe?

Mit einer nach oben strebenden Trainingskurve will man mich zum Abschluss des Premium-Abos verleiten.

Doch im Premium-Plan, dem so genannten Strava Summit, sind noch mehr Dinge enthalten. Zum Beispiel Analysen, die einen im Idealfall tatsächlich weiterbringen, weil sie so etwas wie ein virtueller Trainingscoach beinhalten. So will einen die App vor Übertraining warnen und Auswertungen anzeigen, mit denen man sieht, unter welchen Umständen man Fortschritte macht und wann man stagniert. Aber taugt das etwas? Falls jemand von euch dazu Erfahrungswerte und eine klare Meinung hat, gerne ab damit in die Kommentare!

Wahrscheinlich liegt meine Abneigung darin begründet, dass ich in meinen Jugendjahren die Attitüde des Nichtsportlers hingebungsvoll und mit Leidenschaft gepflegt habe. Da passt es mir nicht so ganz in den Kram, diesem neuen und mir selbst fremden Engagement nun auch noch mit einem teuren Premium-Abo Ausdruck zu verleihen. Aber mit guten Gründen (in den Kommentaren) würde ich auch von dieser Verweigerungshaltung Abstand nehmen.

Und falls jemand mir folgen möchte: Hier bin ich.

Beitragsbild: Da ist mir einer virtuell auf den Fersen! (Fitsum Admasu, Unsplash-Lizenz)

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „Ich hadere heftig mit der Strava-App“

  1. Hallo Matthias, ich habe auch eine fenix von Garmin und nutze die Daten für eigene Auswertungen. Mit Strava hatte ich mich auch mal beschäftigt, aber auch abgewogen, was es mir bringt und was es für Arbeit macht / Zeit kostet. Letztlich ist es so wie du schreibst, wir sollten Sport mit Lust betreiben für die Gesundheit.

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