Was Sportler sich so streamen könnten

Wie findet man die passende Musik für sportliche Aktivitäten? Eine scheinbar banale Frage, die keine so richtig befriedigende Antwort hat. Man kann es mit einer App wie Rock my Run probieren, doch die ist nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Man könnte auch eine der Apps verwenden, die ich im Beitrag Die Schnellen ins Töpfchen und die Langsamen ins Kröpfchen vorgestellt habe. Die analysieren das Tempo der Titel in der Mediathek und erstellen Wiedergabelisten anhand des BPM-Werts. Das ist aber umständlich und nicht sehr charmant.

Zeitgemäss wäre natürlich die Spotify Running-Funktion, die Musik vom Streamingdienst anhand des Lauftempos auswählt. Nur leider hat Spotify dieses schöne Feature aus dem Verkehr gezogen, noch bevor ich es testen konnte. Spotify selbst schlägt als Alternative Runkeeper vor, doch das scheint den Zweck, Musik mit dem passenden Tempo aufzustöbern, auch nicht zu erfüllen. Hier wird Weav Run vorgestellt, doch diese App gibt es hierzulande offensichtlich noch nicht. Also alles einigermassen unbefriedigend.

Eine Lückenbüsser-Methode eröffnet immerhin eine Website mit einem schönen und etwas umständlichen Namen. „Was Sportler sich so streamen könnten“ weiterlesen

Die Vergadgetisierung der Stirnlampe

Ich habe festgestellt, dass jeder noch so popelige Alltagsgegenstand in den Händen von Nerds zu einem Instrument – und einem Monument – des Nerdtums wird. Okay, das ist eine schwer verständliche Prämisse für einen Blogbeitrag, der nicht von einem Philosophieprofessor geschrieben wurde. Aber vielleicht wird sie mit einem Beispiel klarer:

Ich habe mir neulich eine Stirnlampe angeschafft. Ja, ich gebe zu, das klingt sehr nach Midlife-crisis. Manche Männer kaufen sich in meinem Alter einen Sportwagen, andere suchen sich eine junge Freundin. Und die völlig Verkorsten entwickeln einen Bewegungs-Spleen. Die gehen dann bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit rennen oder velofahren, als ob sie ihrer verlorenen Jugend hinterherhecheln würden.

Ich bilde mir ein, in Würde zu altern. Daraus ergibt sich, dass bei mir diese Sportsache nicht pathologisch ist, sondern mit den Sachzwängen zu tun hat. „Die Vergadgetisierung der Stirnlampe“ weiterlesen

Dieser DJ bleibt auf der (Renn-)Strecke

Im Beitrag Mein Laufcoach ist ein Zombie habe ich eine Besprechung von Rock My Run (oder «RockMyRun», wie der Hersteller schreibt, weil wahrscheinlich seine Leerschlagstaste kaputt ist) in Aussicht gestellt. Und heute, ladies and gentleman1, ist es so weit.

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Links: Musik, nach «Stationen» sortiert.
Rechts: Es ist nicht kostenlos, ein Rockstar zu sein. Dafür hat man mehr Features.

Also, Rock my Run ist eine für für Android und fürs iPhone erhältliche App, die von sich selbst behauptet, «the best running music in the world» zu liefern. Entsprechend hart soll der Massstab sein, der in diesem Test hier angewandt wird.

Und entsprechend hart wird das Urteil hier ausfallen. Denn bei der «besten Musik-App für Läufer» fallen zwei Dinge negativ auf. Erstens die schlechte Soundqualität. „Dieser DJ bleibt auf der (Renn-)Strecke“ weiterlesen

Mein Laufcoach ist ein Zombie

Hier habe ich neulich die schönsten Outdoor-Apps besprochen. Eine, die liegen geblieben ist, heisst Zombies, Run! (für Android und fürs iPhone). Die ist nun nicht gerade frisch. Im Gegenteil, es gibt sie seit mindestens fünf Jahren. Aber das ist völlig egal, bei einer App, die Untote zum Leben erweckt – die Zombies sind auch alles andere als frisch.

Die Idee ist eine Art interaktives Hör-Rennspiel – wobei die Interaktion sehr bescheiden ist. Und auch das Rennen ist nicht zwingend – man könnte das Hörspiel auch auf dem Sofa geniessen, wobei man sich dann als fauler Drückeberger fühlen müsste. Das Hörspiel jedenfalls beschwört die Zombie Apocalypse herauf. Als Hauptperson ist man mittendrin: Man wird per Funk angesprochen und erhält eine bildliche Schilderungen davon, was die Untoten um einen herum so treiben. Typischerweise rotten sie sich zusammen und heften sich an die Fersen des Zuhörers. Das soll, natürlich, zur Bewegung anspornen. „Mein Laufcoach ist ein Zombie“ weiterlesen

Wenn das Smartphone nach draussen lockt


Sieben Apps für Wanderer, Sportler, Entdecker und Geniesser.

So ändern sich die Zeiten. Noch vor zehn Jahren hätte ich mich wahrscheinlich eher totprügeln lassen, als Sport-Apps vorzustellen. Aber inzwischen… naja, man wird älter und versucht, das Schlimmste aufzuhalten. Also, was Körperumfang, Fitnesszerfall und Kurzatmigkeit angeht. Und dann tut man halt Dinge, für die man sich früher mehr geschämt hätte als wenn man vom Pfarrer im Pornokino erwischt worden wäre. (Nicht, dass mir das jemals passiert wäre.)

… wobei, so ganz richtig ist das auch nicht. Ich hatte schon immer einen Bewegungsdrang. Und das, obwohl ich zu den Nerds damals in den Achtzigern gehört habe und das Selbstempfinden hatte, dass ich als Nerd von derlei Anwandlungen gänzlich unberührt bleibe. Und weil man in den neun obligatorischen Schuljahren im Sport (oder «Turnen», wie es damals hiess und vielleicht noch immer heisst) nur unnötigen Scheiss gemacht hat, bin ich eben nie auf die Idee gekommen, dass Sport selbst mir als Nerd Spass machen könnte. „Wenn das Smartphone nach draussen lockt“ weiterlesen

Die Welt entdecken, ohne sie erobern zu wollen

Neulich habe ich von der NZZ erfahren, dass zwei meiner Facebook-Freunde (nämlich er und er) intensive Nutzer einer App namens Strut sind, die es kostenlos fürs iPhone gibt.

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Bei Strut gibt es zwar keine Mayorships, aber ganz ohne kompetitives Element geht es auch nicht ab.

Bei dieser App ist die Welt in Kacheln eingeteilt. 0,3 Quadratkilometer ist jede Kachel gross und 13,676 Billionen Kacheln gibt es weltweit. Wenn man eine Kachel besucht, deckt man sie für sich auf. Das Ziel liegt natürlich auf der Hand: Man will möglichst viele Kacheln offenlegen. Es ist ein typischer Fall von Gamification: „Die Welt entdecken, ohne sie erobern zu wollen“ weiterlesen

In anderer Leute Fussstapfen treten

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Eigene Touren bereitstellen (links), schöne Routen finden (rechts).

Ich komme selten zum Velofahren. Aber wenn ich dazu komme, verwende ich gerne die Cyclemeter-App, hier ausführlich vorgestellt. Doch eine App für einen Zweck wäre zu wenig. Deswegen nutze ich neuerdings auch Wikiloc (kostenlos fürs iPhone/iPad und für Android).

Die App kommt von einem begeisterten Mountainbiker. Sie taugt auch fürs Wandern und für andere Sportbeschäftigungen – unter zwei Bedingungen. Die Aktivität muss draussen stattfinden, und zwar ohne dass man am gleichen Ort verharren müsste. Es geht nämlich darum, dass man selbst schöne Routen für entdeckt und selbst seine Lieblingstouren für andere Leute aufzeichnet.

In der Rubrik Erkunden findet man so genannte Trails, was Neudeutsch wohl so viel wie Touren heisst. Es gibt über achteinhalb Millionen davon. Damit man die nicht alle durchsehen muss, grenzt man ein: „In anderer Leute Fussstapfen treten“ weiterlesen

Damit auch jedes Schrittchen zählt

Ich bin seit knapp fünf Jahren Schrittzähler. Eingestiegen in die Selbstquantifizierung bin ich mit dem Jawbone Up. Anschliessend habe ich zwei Uhren von Withings (hier und hier) benutzt, dann ein Fitbit. Die jüngste Errungenschaft ist die Fēnix 5S von Gramin, die mich diesbezüglich vollkommen zufriedenstellt.

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Ein Unterschied von knapp 5 Prozent zwischen Garmin (links) und Fitbit (rechts). Uneins sind sie sich auch bezüglich Distanz, grosse Einigkeit herrscht aber bei den Kalorien (etwa ein Prozent Unterschied).

Wenn ich dieser Tage unterwegs bin, werden meine Schritte dreifach gezählt: Das Fitbit befindet sich am rechten Arm. Am linken die Fēnix. Und in der Tasche das iPhone, das bekanntlich auch Schritte zählt. Nun stellt man fest, dass die Resultate am Ende des Tages1 oft deutlich abweichen. Klar, die Fitnesstracker trägt man immer auf sich, während das iPhone auch mal auf dem Tisch liegenbleibt, wenn man sich durch die Wohnung begiebt oder am Arbeitsplatz drei Büros weiter ein paar Worte mit einem Arbeitskollegen wechselt.

Einen wesentlichen Unterschied ergibt sich auch aus den Schrittzähl-Algorithmen: Die müssen aus der Bewegung des Handgelenks erschliessen, was der Träger genau tut: Geht er? Fuchtelt er mit den Armen? Tippt er auf der Tastatur? Dirigiert er ein Orchester oder spielt er Drums in einer Speed-Metal-Band? Fährt er mit dem Auto über eine holperige Strasse? Oder, wie ein Kollege mal in der Kantine erläuterte, wie viele Kilometer habe er gerade masturbiert?
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Wie gross wird die Reue sein?

Meine Krankenversicherung hat eine App namens Sanitas Active herausgebracht, die es für Android und fürs iPhone gibt. Das ist eine Art Umerziehungs-App für Bewegungsfaule, die dem Anreiz der Gamification einen monetären Stimulus beiseite stellt. Mit anderen Worten: Wenn man sein tägliches Bewegungsziel erreicht – bei mir, da ich einer sitzenden Arbeit nachgehe, sind das 7000 Schritte –, erhält man eine Münze. Für die gesammelten Münzen erhält man beim Shopping Vergünstigungen. Man findet beispielsweise Digitec vor, wo es für dreissig Münzen beim nächsten Einkauf einen Rabatt von 10 Franken gibt. Die Auswahl an Bonusprogrammen ist noch nicht so gross. Im Moment finden sich auch Farmy.ch und Athleticum im Angebot. Bei letzterem ist die Umwandlungsrate noch etwas besser: Da erhält man für 50 Münzen einen Rabatt von 20 Franken.

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Links: Ziel erreicht, Münzen gesammelt und dem Digitec-Gutschein 10’559 Schritte näher.
Rechts: Die Auswahl an Gutscheinen ist noch nicht üppig.

Das entspricht, über den Daumen gepeilt, einer Belohnung von 30 Rappen pro Tag. Verglichen mit der Krankenkassenprämie ist das nicht üppig. Wenn man seine Schrittzahl täglich reinholt, kommt man auf einen Rabatt von um die zwei, drei Prozent. Ob das ein wirklicher Anreiz ist? Es dürfte eher so sein, dass Leute, die sich eh schon viel bewegen, ermutigt werden, ihre Daten an die Krankenkasse abzuliefern. Ein kleiner Rabatt bei Digitec? Nimmt man natürlich gerne mit!
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Uhr, lass mich in Ruhe!

Seit einigen Tagen trage ich die Fēnix 5S von Gramin (Amazon Affiliate), eine GPS-Uhr, die demnächst noch im Detail zu besprechen sein wird (nämlich hier). Ein Kurzfazit ist aber auch an dieser Stelle nicht verkehrt: Mir gefällt sie gut, auch wenn ich nicht die richtige Zielgruppe bin. Diese Uhr richtet sich an ernsthafte Sportler, nicht an Spaziergänger und Gelegenheitsvelofahrer wie mich. Aber es ist bemerkenswert, dass Garmin – nachdem die Navigationsgeräte fürs Automobil nicht mehr der ultimative Wachstumsmarkt sind – hier eine neue Nische gefunden hat. Während ich bei den Alltags-Smartwatches ein grosses Fragezeichen setze (hier und hier), attestiere ich diesen Sport-Uhren eine Daseinsberechtigung: Körperliche Aktivitäten tracken, Routen aufzeichnen, Musik steuern, Navigieren – das ist alles sinnvoll.

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Schönes Zifferblatt, angenehme Typografie, finde ich.

Und dank den soliden Preisen, die ernsthafte Sportler für eine solche Uhr auf den Tisch legen, ist es eben auch ein lukrativer Markt. Die Fēnix – der Strich über dem E, das Makron, mag eine Ehrerbietung an Emmanuel sein, ich halte ihn aber trotzdem für etwas affig – schlägt mit knapp 700 Franken zu Buch und ist teurer als eine durchschnittliche Apple Watch. Und es gibt auch Garmin-Uhren mit Preisen im vierstelligen Bereich.

Die Uhr trägt sich solide, hat ein angenehmes Armband und gefällt mir gut. „Uhr, lass mich in Ruhe!“ weiterlesen