Der Fluch der Datensilos

Ich benutze seit bald sechs Jahren Fitness-Tracker. Angefangen hat es mit dem Jawbone Up, dann hatte ich zwei Withings-Modelle (hier und hier), zwischendurch ein Fitbit Flex 2. Und schliesslich bin ich bei der Fēnix 5S von Garmin gelandet.

Das hat natürlich mit dem Fortschritt zu tun: Die GPS-Uhr von heute ist um Welten besser als der simple Schrittzähler von damals. Darum tut man gut daran, das Quantified Self mit modernen Mitteln zu betreiben.

Es gibt aber, natürlich, eine Kehrseite. Wenn man seinen Fitness-Tracker wechselt, dann ändert sich auch der Ort, wo die Daten hinwandern. Denn natürlich verwenden alle diese Gadgets die Cloud. Die Informationen werden im Netz aufbereitet, visualisiert und bereitgehalten.

Das ist praktisch, hat aber zur Folge, dass man keine durchgehende Datenbasis hat. Ich kann meine Aktivitäten mit dem Vorjahr vergleichen, weil ich damals die Garmin schon benutzt habe. Ein Vergleich mit meinen Leistungen von 2014 ist nicht möglich. Damals war die Withings in Benutzung. Und deren Daten stecken in einem anderen Silo als jene von Garmin.

Das ist für manche Leute komplett egal. Ich finde es hingegen schade. „Der Fluch der Datensilos“ weiterlesen

Erst schwitzen, dann daten-minen

Im Artikel Das sind die besten Karten-Apps sind Erkenntnisse aus vielen hier im Blog veröffentlichen Beiträgen zusammengeflossen. Bei meinen Recherchen bin ich auch auf die Übersicht der Apps gestossen, die an Strava andocken.

Strava ist, für die Nicht-Sportler unter euch, eine App, bzw. ein soziales Netzwerk fürs Sport-Tracking: Velofahren, Rennen, Wandern, aber auch Skifahren oder Rudern kann man erfassen. Ich habe die App seinerzeit, nebst anderen, im Beitrag Wenn das Smartphone nach draussen lockt vorgestellt.

Nun ist Strava inzwischen mehr als nur ein Dienst fürs Tracking von sportlichen Aktivitäten. Es ist ein Tummelfeld für Datenanylisten, -Visualisierer und Selbstinszenierer. Ich bin beeindruckt, wie viele nachgelagerte Apps, Websites und Dienste es gibt. Und bevor ihr nun sagt: «Nett, aber interessiert mich nicht, weil ich Strava nicht nutze» noch folgender Hinweis: Man kann den Dienst mit vielen Trackern koppeln, zum Beispiel mit Garmin. „Erst schwitzen, dann daten-minen“ weiterlesen

Wie man sich den SUV an den Oberarm schnallt

Dinge werden mit der Zeit grösser. Das sieht man sehr gut auf unseren Strassen. Der Kleinwagen ist fast ausgestorben. Stattdessen sieht immer mehr dieser Stadtpanzer. Diese Fahrzeuggattung wird von den Herstellern SUV genannt. Wenn man sich ansieht, wofür das Kürzel steht, müsste einem der Hirnwahn schwanen: Für Sport Utility Vehicle. Geländewagen, Sportfahrzeug und Limusine in einem.

Das ist ein bedenklicher Trend. Erstens sind diese Fahrzeuge hässlich wie die Nacht. Zweitens viel gefährlicher. Drittens haben sie einen grösseren Verbrauch und verursachen mehr Emissionen. Und das in Zeiten, wo wir uns über den Klimawandel echte Sorgen machen müssten. Viertens brauchen sie mehr Platz, weswegen jetzt sogar die Strasse breiter werden sollen. Als Velofahrer würde ich das begrüssen. Denn da fällt einem tatsächlich auf, dass am Strassenrand immer weniger Platz bleibt. Allerdings würde mit breiteren Strassen diese Ungetüme nur noch weiter wachsen und alle Bemühungen zunichte machen.

Fünftens: „Wie man sich den SUV an den Oberarm schnallt“ weiterlesen

Die Schweissmasche

Seit etwa anderthalb Jahren nutze ich die App meiner Krankenkasse, die Schritte durch Gutscheine vergütet. Wie gross wird die Reue sein? habe ich mich seinerzeit gefragt. Die vorläufige Antwort: Nicht gross. Ich habe keine gravierenden Nachteile festgestellt, meine Krankenkasse an den täglichen Schrittdaten teilhaben zu lassen. Ich habe bislang keinen tadelnden Anruf bekommen, wenn mein Bewegungsdrang zwischendurch einmal nachgelassen hat. Ich wurde auch nicht zum Orthopäden beordert, wenn ich es an einzelnen Tagen mit der Schrittzahl übertrieben habe.

Alles in allem verhält sich die App dezent. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Krankenkasse über die App hinaus viel mit meinen Daten anfangen würde. Zumindest nicht so, dass es für mich sichtbar wäre – und was hinter den Kulissen damit passiert, das weiss ich natürlich nicht. Die Alarmstimmung, die manche Datenschützer verbreitet haben, scheint mir jedenfalls masslos übertrieben.  „Die Schweissmasche“ weiterlesen

Was Sportler sich so streamen könnten

Wie findet man die passende Musik für sportliche Aktivitäten? Eine scheinbar banale Frage, die keine so richtig befriedigende Antwort hat. Man kann es mit einer App wie Rock my Run probieren, doch die ist nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Man könnte auch eine der Apps verwenden, die ich im Beitrag Die Schnellen ins Töpfchen und die Langsamen ins Kröpfchen vorgestellt habe. Die analysieren das Tempo der Titel in der Mediathek und erstellen Wiedergabelisten anhand des BPM-Werts. Das ist aber umständlich und nicht sehr charmant.

Zeitgemäss wäre natürlich die Spotify Running-Funktion, die Musik vom Streamingdienst anhand des Lauftempos auswählt. Nur leider hat Spotify dieses schöne Feature aus dem Verkehr gezogen, noch bevor ich es testen konnte. Spotify selbst schlägt als Alternative Runkeeper vor, doch das scheint den Zweck, Musik mit dem passenden Tempo aufzustöbern, auch nicht zu erfüllen. Hier wird Weav Run vorgestellt, doch diese App gibt es hierzulande offensichtlich noch nicht. Also alles einigermassen unbefriedigend.

Eine Lückenbüsser-Methode eröffnet immerhin eine Website mit einem schönen und etwas umständlichen Namen. „Was Sportler sich so streamen könnten“ weiterlesen

Die Vergadgetisierung der Stirnlampe

Ich habe festgestellt, dass jeder noch so popelige Alltagsgegenstand in den Händen von Nerds zu einem Instrument – und einem Monument – des Nerdtums wird. Okay, das ist eine schwer verständliche Prämisse für einen Blogbeitrag, der nicht von einem Philosophieprofessor geschrieben wurde. Aber vielleicht wird sie mit einem Beispiel klarer:

Ich habe mir neulich eine Stirnlampe angeschafft. Ja, ich gebe zu, das klingt sehr nach Midlife-crisis. Manche Männer kaufen sich in meinem Alter einen Sportwagen, andere suchen sich eine junge Freundin. Und die völlig Verkorsten entwickeln einen Bewegungs-Spleen. Die gehen dann bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit rennen oder velofahren, als ob sie ihrer verlorenen Jugend hinterherhecheln würden.

Ich bilde mir ein, in Würde zu altern. Daraus ergibt sich, dass bei mir diese Sportsache nicht pathologisch ist, sondern mit den Sachzwängen zu tun hat. „Die Vergadgetisierung der Stirnlampe“ weiterlesen

Dieser DJ bleibt auf der (Renn-)Strecke

Im Beitrag Mein Laufcoach ist ein Zombie habe ich eine Besprechung von Rock My Run (oder «RockMyRun», wie der Hersteller schreibt, weil wahrscheinlich seine Leerschlagstaste kaputt ist) in Aussicht gestellt. Und heute, ladies and gentleman1, ist es so weit.

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Links: Musik, nach «Stationen» sortiert.
Rechts: Es ist nicht kostenlos, ein Rockstar zu sein. Dafür hat man mehr Features.

Also, Rock my Run ist eine für für Android und fürs iPhone erhältliche App, die von sich selbst behauptet, «the best running music in the world» zu liefern. Entsprechend hart soll der Massstab sein, der in diesem Test hier angewandt wird.

Und entsprechend hart wird das Urteil hier ausfallen. Denn bei der «besten Musik-App für Läufer» fallen zwei Dinge negativ auf. Erstens die schlechte Soundqualität. „Dieser DJ bleibt auf der (Renn-)Strecke“ weiterlesen

Bünzlig, aber brauchbar

Ich muss noch einmal auf die hier besprochenen Outdoor-Apps zurückkommen. Ein Leser hatte kritisiert, man hätte auch Apps wie SchweizMobil besprechen müssen.

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Landeskarten 1:1 aufs iPhone übertragen? Kann man machen, ist aber nicht gerade das technische Nonplusultra.

Nun, es ist natürlich so, dass meine Auswahl selten allen passt. Schliesslich gibt es fast in jedem Bereich mehr Apps, als in einen Artikel passen. Und ich finde es zwar sinnvoll, Alternativen zu liefern – aber ellenlange Aufzählungen aller möglichen Kandidaten sind nicht zweckdienlich. Sie überfordern eher, als dass sie echte Auswahlmöglichkeiten liefern. Als Tester setze ich Schwerpunkte. Komplexreduktion ist schliesslich die hehre Aufgabe des Journalismus.

Das heisst aber nicht, dass ich nicht hier im Blog Ergänzungen anbringen könnte. Zum Beispiel im Fall von SchweizMobil. Die App existiert für Android und fürs iPhone. Sie bietet Zugriff auf die Landeskarten von Swisstopo im Massstab 1:25′000 – was denn auch der Grund war, weswegen ich die App nicht vorgestellt habe. Versteht mich nicht falsch – ich mag die Schweizer Landeskarten. Die gehören zu diesem Land wie die SBB, das Bundeshaus und die Bunker im Gotthard. „Bünzlig, aber brauchbar“ weiterlesen

Mein Laufcoach ist ein Zombie

Hier habe ich neulich die schönsten Outdoor-Apps besprochen. Eine, die liegen geblieben ist, heisst Zombies, Run! (für Android und fürs iPhone). Die ist nun nicht gerade frisch. Im Gegenteil, es gibt sie seit mindestens fünf Jahren. Aber das ist völlig egal, bei einer App, die Untote zum Leben erweckt – die Zombies sind auch alles andere als frisch.

Die Idee ist eine Art interaktives Hör-Rennspiel – wobei die Interaktion sehr bescheiden ist. Und auch das Rennen ist nicht zwingend – man könnte das Hörspiel auch auf dem Sofa geniessen, wobei man sich dann als fauler Drückeberger fühlen müsste. Das Hörspiel jedenfalls beschwört die Zombie Apocalypse herauf. Als Hauptperson ist man mittendrin: Man wird per Funk angesprochen und erhält eine bildliche Schilderungen davon, was die Untoten um einen herum so treiben. Typischerweise rotten sie sich zusammen und heften sich an die Fersen des Zuhörers. Das soll, natürlich, zur Bewegung anspornen. „Mein Laufcoach ist ein Zombie“ weiterlesen

Wenn das Smartphone nach draussen lockt


Sieben Apps für Wanderer, Sportler, Entdecker und Geniesser.

So ändern sich die Zeiten. Noch vor zehn Jahren hätte ich mich wahrscheinlich eher totprügeln lassen, als Sport-Apps vorzustellen. Aber inzwischen… naja, man wird älter und versucht, das Schlimmste aufzuhalten. Also, was Körperumfang, Fitnesszerfall und Kurzatmigkeit angeht. Und dann tut man halt Dinge, für die man sich früher mehr geschämt hätte als wenn man vom Pfarrer im Pornokino erwischt worden wäre. (Nicht, dass mir das jemals passiert wäre.)

… wobei, so ganz richtig ist das auch nicht. Ich hatte schon immer einen Bewegungsdrang. Und das, obwohl ich zu den Nerds damals in den Achtzigern gehört habe und das Selbstempfinden hatte, dass ich als Nerd von derlei Anwandlungen gänzlich unberührt bleibe. Und weil man in den neun obligatorischen Schuljahren im Sport (oder «Turnen», wie es damals hiess und vielleicht noch immer heisst) nur unnötigen Scheiss gemacht hat, bin ich eben nie auf die Idee gekommen, dass Sport selbst mir als Nerd Spass machen könnte. „Wenn das Smartphone nach draussen lockt“ weiterlesen