Garmin gegen Apple: Wer hat die bessere Sportuhr?

Neulich habe ich ein Fazit nach bald fünf Jahren Apple Watch gezogen. Und versprochen, mir die Sportfunktionen noch genauer anzusehen.

Die beiden Kontrahenten.

Denn diese Sportfunktionen sind es, die meines Erachtens einer Smartwatch heute eine echte Daseinsberechtigung geben. Viele der anderen Features sind nett und manche auch nützlich, aber nichts ist unverzichtbar. Doch wenn man mit einer gewissen Ernsthaftigkeit Sport betreibt, dann will man aufs Tracking nicht verzichten. Selbst die kleinste Leistungsverbesserung ist ein echter Ansporn. Und man will nicht auf die bragging rights verzichten.

Darum ist Garmin trotz der harten Konkurrenz erfolgreich: Sportuhren, die inzwischen sogar nach Sportarten ausdifferenziert werden. Laufen, Triathlon, Schwimmen, Tauchen, Golf, Wandern, Segeln, Fliegen, Golf – für jede dieser Disziplinen gibt es eine passende Uhr. Wahrscheinlich wäre eine solche Anpassung auch über einen Schalter in der Konfiguration möglich. Aber ich verstehe, dass sich die Marktstrategen für diesen Weg hier entschieden haben.

Also, es ist darum nichts als fair, meine Garmin Fenix 5s mit der Apple Watch Series 5 zu vergleichen – und zwar aus meiner Sicht des mittelmässig ambitionierten Hobbysportlers.

Bei der Bedienung ist die Apple Watch im Alltag praktischer. Beim Sport ist Garmin haushoch überlegen. Das aus drei Gründen:

Bedienung. Der Touchscreen lässt sich mit schweissfeuchten Fingern schlecht bedienen und die Gefahr ist gross, dass während des Rennens unabsichtlich Befehle ausgeführt werden. Man kann und sollte das Touchscreen-Display der Apple Watch daher deaktivieren. Man tut das über das Kontrollzentrum und die Wassersperre. (Zur Frage der Wasserbeständigkeit der Apple Watch: Siehe hier).

Die Batterielaufzeit. Die Apple Watch muss täglich an den Strom. Die Garmin hält locker eine Woche durch. Mit Aufzeichnung einer Aktivität verkürzt sich diese Zeit. Wie der Vergleich beim Sporttracking ist, kann ich jedoch nicht sagen. Ich vermute, der Unterschied ist viel weniger gross – und so oder so sollte man eine grössere Sportaktivität in jedem Fall mit einem vollen Akku angehen. Darum ist das nur ein kleiner Vorteil für Garmin, der sich auf Spontan-Aktivitäten bezieht.

Die Daten. Die Apple Watch liefert Informationen für die tägliche Nutzung und für Anwender mit bescheidenen Ambitionen. Das ist absolut sinnvoll. Aber die Informationen von Garmin sind aussagekräftiger. Die Connect-App (Android/iPhone). Die Fenix ermittelt auch Dinge wie maximale Sauerstoffaufnahme, den Trainingseffekt und bei neueren Uhren auch die «Body Battery». Man kann auch seine Ausrüstung tracken, wenn man den Verschleiss im Auge behalten will. Und es ist möglich, Garmin Connect mit Strava zu verbinden. Bei der Apple Watch bzw. der Health-App ist ein Import erst seit Mitte Februar möglich.

Bleibt die Frage, welche der beiden Uhren genauer misst. Ich kann darauf keine abschliessende Antwort geben – denn wenn ich die wahren Daten wüsste, bräuchte ich keine Uhr zum Tracking. Die Unterschiede sind augenfällig. Hier zum Vergleich die Daten der gleichen Joggingrunde, getrackt mit der Apple Watch am rechten und der Garmin Fenix am linken Handgelenk.

Die Daten der Joggingrunde in der Garmin-App.
Die Daten der Joggingrunde in der Apple-Activity-App.

Die Zeitdifferenz erklärt sich so, dass ich bei der Fenix das Tracking stoppe, wenn ich an einem Rotlicht warten muss. Bei der Apple Watch war mir das zu aufwändig. Gestartet und gestoppt habe ich es gleichzeitig. Den Unterschied darf man getrost ignorieren.

Der Unterschied von dreihundert Metern bei der Distanzmessung finde ich bemerkenswert. 10,01 Kilometer versus 10,31 Kilometer sind immerhin drei Prozent Unterschied. Das lässt sich vielleicht durch die Messung mit reinem GPS bei der Fenix bzw. mit Assisted GPS bei der Apple Watch und dem iPhone erklären. Ich nehme an, dass es sich um einen Ausreisser bei der Apple Watch handelt – bei anderen Läufen war der Wert nahezu identisch.

Der Höhenunterschied mit 220 und 218 Meter ist hingegen sehr nah beieinander – dabei wäre genau das ein Wert, den ich für relativ unsicher halten würde.

Am grössten ist der Unterschied bei den Kalorien: 643 versus 683 (6,2 Prozent Unterschied). Aber erstens lässt sich dieser Wert nur indirekt feststellen. Und zweitens benötigt man auch keine absolute Präzision. Ein paar Kalorien mehr oder weniger, ist egal – die Grössenordnung zählt.

Die Tages-Auswertung bei Garmin.
Die Tages-Auswertung in Apple Activity.

Zum Vergleich hier die Gesamtdaten des gleichen Tags nach dem Lauf:

Es fällt auf, dass die ermittelte Schrittzahl sehr weit auseinanderklafft – fast zwanzig Prozent Unterschied. Es bleibt dabei, dass sich Schritte am Handgelenk nur sehr schlecht feststellen lassen. Das habe ich seinerzeit schon beim Vergleich von Garmin, Withings-Uhr und Fitbit festgestellt; siehe Damit auch jedes Schrittchen zählt.

Auch damals war es so, dass Garmin immer die wenigsten Schritte gezählt hat und die anderen Tracker deutlich darüber lagen. Da könnte es sein, dass Garmin etwas zu konservativ misst.

Das kann nicht stimmen.

Nutzlos ist die Angabe der Aktiv-Kalorien bei Garmin in der Tageszusammenfassung. Die gibt die App für den fraglichen Tag mit 373 an. Bei Apple: 936.

Das ist erstens ein Unterschied von 151 Prozent. Und zweitens liegt die Zahl der Aktiv-Kalorien bei Garmin für den ganzen Tag unter dem Wert der Kalorienangabe für den Lauf am gleichen Tag. Das ist nicht plausibel und dürfte auf einen Fehler bei der Messung oder der Auswertung zurückzuführen sein. Das dürfte dem Sportprimus auf gar keinen Fall passieren!

Update vom 16.3.2020

Ein Supporter von Garmin hat auf meine Anfrage per Mail Folgendes geschrieben:

Ddie Angaben für die Aktiv-Kalorien in Ihrem Connect-Konto sind deutlich zu niedrig. Ich habe bei den zuständigen Kollegen nachgefragt und wurde auf ein bereits existierendes Ticket zu diesem Thema verwiesen. Darin wird das Problem speziell für die Geräte der Fenix-5-Serie und die Firmwareversion 15.10 beschrieben. Die Entwickler arbeiten bereits an einer Lösung, aber ich kann nicht abschätzen wie lang die Suche nach der Ursache dauern wird.

Beitragsbild: Wenn schon, dann wenigstens mit anständigen Daten (Bruno Nascimento, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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