Damit auch jedes Schrittchen zählt

Ich bin seit knapp fünf Jahren Schrittzähler. Eingestiegen in die Selbstquantifizierung bin ich mit dem Jawbone Up. Anschliessend habe ich zwei Uhren von Withings (hier und hier) benutzt, dann ein Fitbit. Die jüngste Errungenschaft ist die Fēnix 5S von Gramin, die mich diesbezüglich vollkommen zufriedenstellt.

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Ein Unterschied von knapp 5 Prozent zwischen Garmin (links) und Fitbit (rechts). Uneins sind sie sich auch bezüglich Distanz, grosse Einigkeit herrscht aber bei den Kalorien (etwa ein Prozent Unterschied).

Wenn ich dieser Tage unterwegs bin, werden meine Schritte dreifach gezählt: Das Fitbit befindet sich am rechten Arm. Am linken die Fēnix. Und in der Tasche das iPhone, das bekanntlich auch Schritte zählt. Nun stellt man fest, dass die Resultate am Ende des Tages1 oft deutlich abweichen. Klar, die Fitnesstracker trägt man immer auf sich, während das iPhone auch mal auf dem Tisch liegenbleibt, wenn man sich durch die Wohnung begiebt oder am Arbeitsplatz drei Büros weiter ein paar Worte mit einem Arbeitskollegen wechselt.

Einen wesentlichen Unterschied ergibt sich auch aus den Schrittzähl-Algorithmen: Die müssen aus der Bewegung des Handgelenks erschliessen, was der Träger genau tut: Geht er? Fuchtelt er mit den Armen? Tippt er auf der Tastatur? Dirigiert er ein Orchester oder spielt er Drums in einer Speed-Metal-Band? Fährt er mit dem Auto über eine holperige Strasse? Oder, wie ein Kollege mal in der Kantine erläuterte, wie viele Kilometer habe er gerade masturbiert?

Die Erfahrung zeigt, dass die Garmin-Uhr und das Fitbit sehr gut übereinstimmen, wenn ich gleich morgens früh zu einen Spaziergang aufbreche: Dann kann es vorkommen, dass sie innerhalb von ein paar Sekunden signalisieren, dass ich meine Schrittziel erreicht habe. Wenn ich tagsüber viele andere Beschäftigungen verrichte, kann es zu Abweichungen von zehn oder zwanzig Prozent kommen – wobei das Fitbit meist eine deutlich höhere Schrittzahl hat als die Garmin-Uhr.

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Das iPhone hat sehr viel weniger Schritte gezählt. Darum habe ich (rechts) die Priorität geändert: Connect steht jetzt als Datenquelle zuoberst.

Im Beispiel der 21. Februar, den ich deswegen ausgewählt habe, weil ich gemäss Fitbit und Garmin-Uhr die 10’000-Schritte-Marke geknackt habe, gemäss iPhone aber nicht: Denn das ist natürlich ein besonders ärgerlicher Fall. Wenn man schon so aktiv war, sollte sich das auch in den Daten widerspiegeln. Also; Garmin sagt 10’545, Fitbit sogar 11’008 und das iPhone lächerliche 9492 Schritte. Das ist eine Abweichung von fast 14 Prozent. Es kann sein, dass ich das iPhone nicht ständig mit mir herumgetragen habe. Doch die Zeitleiste über den Tag deckt sich bei Garmin und der Health-App weitestgehend – siehe Screenshots. Garmin und Fitbit liegen 4,2 Prozent auseinander. Das ist akzeptabel.

Bleibt die Frage: Wie kann man die Health-App dazu bringen, nicht die Daten des iPhones zu berücksichtigen, sondern die des präzisesten Schrittzählers? Apple hält dazu das Support-Dokument Gesundheitsdaten von mehreren Quellen auf dem iPhone, iPod touch oder der Apple Watch verwalten bereit. Die Priorität ist demnach wie folgt:

  • Gesundheitsdaten, die Sie manuell eingeben.
  • Daten von iPhone, iPod touch und Apple Watch.
  • Daten anderer Apps und Bluetooth-Geräte von Drittanbietern.

Das ist natürlich unsinnig, aber man kann die Priorität auch anpassen:

Sie können Ihre Datenquellen bearbeiten und neu anordnen, um zu beeinflussen, wie Health Daten priorisiert.
Öffnen Sie die Health-App, und tippen Sie auf Daten.
Tippen Sie auf eine Kategorie, z. B. Aktivität.
Tippen Sie auf einen Datentyp, z. B. Schritte.
Tippen Sie auf Datenquellen & -zugriff und dann auf Bearbeiten.
Legen Sie Ihren Finger auf [das Sortiersymbol mit den drei Strichen am rechten Rand] neben einer Datenquelle, und ziehen Sie sie in der Liste nach unten oder oben.

Die Datenquelle, die Sie ganz oben platzieren, hat Priorität vor den anderen Quellen, die diesen Datentyp beisteuern.

Das scheint aber nicht rückwirkend zu gelten, sondern erst ab dem Zeitpunkt der Änderung. Trotzdem sollte man es tun, damit in den schönen Wochen-, Monats- und Jahresübersichten der Health-App auch einigermassen die richtigen Daten stehen.

Footnotes

  1. Hier ergibt diese Formulierung übrigens wirklich Sinn. ^top

Autor: Matthias

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