Uhr, lass mich in Ruhe!

Seit einigen Tagen trage ich die Fēnix 5S von Gramin (Amazon Affiliate), eine GPS-Uhr, die demnächst noch im Detail zu besprechen sein wird (nämlich hier). Ein Kurzfazit ist aber auch an dieser Stelle nicht verkehrt: Mir gefällt sie gut, auch wenn ich nicht die richtige Zielgruppe bin. Diese Uhr richtet sich an ernsthafte Sportler, nicht an Spaziergänger und Gelegenheitsvelofahrer wie mich. Aber es ist bemerkenswert, dass Garmin – nachdem die Navigationsgeräte fürs Automobil nicht mehr der ultimative Wachstumsmarkt sind – hier eine neue Nische gefunden hat. Während ich bei den Alltags-Smartwatches ein grosses Fragezeichen setze (hier und hier), attestiere ich diesen Sport-Uhren eine Daseinsberechtigung: Körperliche Aktivitäten tracken, Routen aufzeichnen, Musik steuern, Navigieren – das ist alles sinnvoll.

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Schönes Zifferblatt, angenehme Typografie, finde ich.

Und dank den soliden Preisen, die ernsthafte Sportler für eine solche Uhr auf den Tisch legen, ist es eben auch ein lukrativer Markt. Die Fēnix – der Strich über dem E, das Makron, mag eine Ehrerbietung an Emmanuel sein, ich halte ihn aber trotzdem für etwas affig – schlägt mit knapp 700 Franken zu Buch und ist teurer als eine durchschnittliche Apple Watch. Und es gibt auch Garmin-Uhren mit Preisen im vierstelligen Bereich.

Die Uhr trägt sich solide, hat ein angenehmes Armband und gefällt mir gut. Ich habe das Zifferblatt mit digitalen Ziffern ausgewählt, weil mich die Typo anspricht. Das kann man so anpassen, dass man die Schrittanzahl und das Datum sieht – was die Informationen sind, die ich dort sehen will. Die Bedienung der Uhr ist nicht intuitiv: Ich musste mir die Anordnung der Knöpfe einprägen: Rechts oben ist die Okay-Taste, rechts unten Abbrechen. Links gibt es drei Tasten: Die oberste schaltet das Licht ein und aus. Mit der mittleren blättert man in den Menüs nach oben, mit der unteren nach unten.

Ist kein Menü offen, dann aktiviert die Taste rechts oben das Aktivitäten-Menü, wo man die Nachverfolgung einer Sport-Session einschaltet. Es ist beachtlich, was es alles an Sportarten gibt, die man betreiben kann: Spazierengehen gibt es allerdings nicht, weswegen ich meistens Wandern wähle.

Drückt man links oben lange, dann kommt man ins Menü mit Funktionen wie Ausschalten, Musiksteuerung, Telefon suchen, Position speichern, Tasten sperren, DND (Do not disturb) und Sync mit der App. Drückt man links in der Mitte kurz, blättert man die Widgets durch: Wetter, Benachrichtigungen, Termine Höhenmesser und Kompass, Anzahl Schritte. Drückt man den gleichen Knopf lange, gelangt man ins Menü, in dem man Display und Uhr konfiguriert und auch die weiteren Einstellungen findet. Dort kann man auch die Uhr vom 12-Stunden- ins 24-Stunden-Format umschalten.

An dieser Stelle fällt auf, das Garmin ein eigenes Betriebssystem verwenden, nicht Android Wear, was durchaus naheliegend wäre. Garmin sagt, das eigene Betriebssystem liesse sich bezüglich Stromverbrauch besser optimieren – was bei einer GPS-Uhr eine ziemliche Herausforderung sein dürfte. Aus diesem Grund gibt es auch keinen Touchscreen. Das macht die Bedienung schwieriger, aber auch robuster, gerade auch für Sportler. Die Knöpfe lassen sich auch mit Handschuhen oder mit dreckigen Fingern betätigen.

Der grosse Funktionsumfang bringt so oder so verschachtelte Menüs mit sich. Die muss man, wenn man die Uhr ernsthaft benutzen will, erst einmal alle durchstreifen. Es ist auch nicht verkehrt sich einzuprägen, wo was zu finden ist – damit man nicht lange suchen muss, wenn man auf die Piste will. Fazit hierzu: Die Fēnix ist kein Lifestyle-Accessoire, sondern ein Sportinstrument, dessen Benutzung man erst trainieren muss.

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Hilfe, mein Handgelenk belästigt mich!

Und nun noch zum Thema, das ich im Titel angesprochen habe. Er bezieht sich auf die Benachrichtigungen. Sie sind bei vielen smarten Uhren die Kernfunktion, aber sie sind und bleiben überaus lästig. Jede Pressemeldung, jede sinnlose Bemerkung auf Facebook und jedes Smiley bei WhatsApp lässt das Display aufleuchten. Das grenzt an Stalking. Es ist nicht sinnvoll, sondern nur eine Belästigung, die sinnvolles Arbeiten verunmöglicht. Wenn diese Benachrichtigungen auf einer smarten Uhr irgendwann mal einen Anflug von Nützlichkeit haben sollten, dann müssen die Betriebssysteme lernen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Kann sein, dass das mit Deep Learning irgendwann klappt. Im Moment gibt es aber nur eines: Benachrichtigungen abschalten!

Autor: Matthias

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