Wenn das Smartphone nach draussen lockt


Sieben Apps für Wanderer, Sportler, Entdecker und Geniesser.

So ändern sich die Zeiten. Noch vor zehn Jahren hätte ich mich wahrscheinlich eher totprügeln lassen, als Sport-Apps vorzustellen. Aber inzwischen… naja, man wird älter und versucht, das Schlimmste aufzuhalten. Also, was Körperumfang, Fitnesszerfall und Kurzatmigkeit angeht. Und dann tut man halt Dinge, für die man sich früher mehr geschämt hätte als wenn man vom Pfarrer im Pornokino erwischt worden wäre. (Nicht, dass mir das jemals passiert wäre.)

… wobei, so ganz richtig ist das auch nicht. Ich hatte schon immer einen Bewegungsdrang. Und das, obwohl ich zu den Nerds damals in den Achtzigern gehört habe und das Selbstempfinden hatte, dass ich als Nerd von derlei Anwandlungen gänzlich unberührt bleibe. Und weil man in den neun obligatorischen Schuljahren im Sport (oder «Turnen», wie es damals hiess und vielleicht noch immer heisst) nur unnötigen Scheiss gemacht hat, bin ich eben nie auf die Idee gekommen, dass Sport selbst mir als Nerd Spass machen könnte. Es müsste halt einfach die richtige Sorte von Sport sein, und nicht ständig die bescheuerte Leichtathletik, an der diese unsägliche Berufsgattung namens Sportlehrer offensichtlich einen Narren gefressen hat. Auch diese Mannschaftsspiele sind völliger Unfug. Denn da war ich ein wandelndes Stereotyp: Klein, schmächtig und dementsprechend immer ein Restposten, wenn es darum ging, Mannschaften zu bilden. Und da keiner dieser Sport-«Lehrer» sich jemals die Mühe gemacht hat, auch nur eine Sekunde Theorie zu vermitteln, wusste ich auch nicht, was man auf diesem Fussballfeld nun eigentlich hätte tun sollen. Mag sein, dass es manche wussten, weil sie ab und zu ein Fussballspiel im Fernsehen gesehen oder selbst besucht haben. Aber ich hatte keine Ahnung, und dementsprechend hat es weder Spass gemacht noch zu irgend etwas geführt.

Aus heutiger Sicht hätte man den Sportunterricht tatsächlich ersatzlos streichen und sich die Steuergelder für die Turnhallen sparen können. Ein Unterricht, der nur als Vorbereitung für die Rekrutenschule gedacht ist, bringt nichts. Sinnvoll wäre gewesen, Leuten wie mir den Zugang zu den körperlichen Aktivitäten zu öffnen, die ihnen Spass machen und gut tun. Auch wenn das vielleicht ein bisschen banal klingt: Wenn man dieses Ziel erreichen würde, wäre das ein Riesending. Und es würde die Krankenkassenprämien mehr entlasten als irgendwas.

Über diese Zeitverschwendung von damals kann ich mich immer noch herrlich aufregen. Und übrigens, der Musikunterricht war genauso Mist und deplatziert. Das einzige, was der gebracht hat, ist ein unbändiger Hass auf die Blockflöte.

Egal. Dank des Smartphones, Apps und Fitness-Gadgets kann man das heute handhaben, wie man möchte und wie es einem gut tut. Leute wie ich, die auf den Turnverein bestens verzichten können, haben die Möglichkeit, individuell, nach Gutdünken und zeitlichen Möglichkeiten auf die Piste zu gehen, sich zwischendurch mal eine Dreiviertelstunde zu verausgaben und dann wieder geistigen Tätigkeiten zuzuwenden. Das finde ich sehr toll, und das ist ein echter Fortschritt.

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Keine Angst, im Video werden auch Apps für Leute vorgestellt, deren sportlicher Ehrgeiz sich im Rahmen hält (links Wikiloc, rechts Komoot).

Die vorgestellten Apps:

Autor: Matthias

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