Ein Laptop auf einem Tisch zeigt ein Bildbearbeitungsprogramm mit einer Landschaft und einer Person mit Fackel. Daneben steht eine Zimmerpflanze.
Was die KI in Paint zu bieten hat, ist im Vergleich zur Konkurrenz beschämend schlecht.

Microsofts KI-Strategie in Windows ist chaotisch und ziellos

Eine Be­stands­auf­nah­me zur KI in Win­dows: Haben die Kritiker recht, die die Stra­te­gie als wenig durch­dacht und über­grif­fig em­pfin­den? Spoiler: Ja. Und weit­ge­hend nutz­los sind die Fea­tu­res auch.

An Microsofts Ignite-Konferenz im November 2025 standen alle Zeichen auf KI. Windows solle zu einem agentischen Betriebssystem werden, verkündete der Chef der Windows-Sparte, Pavan Davuluri. Die Reaktionen waren geharnischt: Es drohe eine Situation wie bei Windows 8. Damals peitschte der Konzern eine Strategie durch, die an den Bedürfnissen und Wünschen des Publikums vorbeizielte. Doch statt sich daran zu erinnern, fragte sich ein anderer Microsoft-Manager, was denn in die Leute gefahren sei, dass sie so wenig KI-Begeisterung zeigen würden.

Diese vielsagende Reaktion rief Microsoft-Urgestein Dave Plummer auf den Plan. Er empfahl einen «XPSP2-Moment»: «Keine KI mehr, keine neuen Funktionen mehr. Nur Fehlerbehebungen.»

Meine Prognose: Das wird nicht passieren. Microsoft wird blind an der Strategie festhalten, bis so viele Leute Linux installieren, dass es wehtut. Was mich angeht, nehme ich die Gelegenheit für eine Bestandsaufnahme wahr. Anfang 2026 überlege ich mir: Wo überzeugt die KI in Windows und wo nicht?

0) Die Updateverweigerung

Windows Update-Bildschirm mit einer Meldung, dass Windows 11, Version 25H2, verfügbar ist. Das Update konnte nicht installiert werden. Option, das Update erneut zu versuchen.
Kein 25H2: Ein alter Fehler am brandneuen Laptop stoppt das Update.

Für meine Übersicht verwende ich einen Copilot+-PC, das ausführlich vorgestellte Omni­book X Flip von HP. Das kommt bei mir nicht mit der neuesten Betriebssystemversion an: Es verwendete 24H2. Das Herbst-Update 2025 (25H2) war ausstehend. Und es liess sich auch nicht installieren; stattdessen bekam ich es mit dem Fehler 0x80246019 zu tun.

Eine Bestätigung für Dave Plummer: Statt mehr KI wären weniger Fehler angesagt. Es kann nicht angehen, dass bei einem brandneuen Computer bereits Updatefehler auftreten. Was mich angeht: Ich hatte keinen Nerv, dem Testgerät diese Marotte auszutreiben.

1) Aktionen (Click to do)

Die Aktionen werden in den Einstellungen in der Rubrik Apps unter Aktionen ein- und ausgeschaltet. Standardmässig finden sich hier die Einträge Bild beschreiben, Microsoft 365 Copilot, Paint und Windows Fotoanzeige. Die gibt es auch bei meinem «normalen» Laptop, obwohl Microsoft gemäss dieser Beschreibung einen Copilot+-PC voraussetzt. Und an beiden Computern sehe ich keines der beschriebenen Features wie die Zusammenfassung, das Umschreiben oder den Lesecoach. Das dürfte daran liegen, dass beide Computer Deutsch als Systemsprache verwenden.

Die einzige Aktion, die ich nach etlicher Sucherei aufstöbere, ist Ask Copilot: Dieser Befehl taucht am Omnibook auf, wenn ich im Windows-Explorer auf eine Bilddatei rechtsklicke. Er führt dazu, dass die fragliche Datei in der Copilot-App als Anhang hinzugefügt wird und ich eine Frage dazu stellen könnte. Genauso gut können wir die Datei per Drag & Drop bereitstellen.

Mit anderen Worten: Der Vorteil dieses Features ist minimal.

2) Paint

Vor anderthalb Jahren wagte ich einige Experimente mit den generativen KI-Funktionen in Microsoft Paint und kam zum Schluss, dass mit Cocreator keine hohe Kunst entsteht. Diese Funktion ist dazu da, eine grobe Skizze in eine ausgearbeitete Illustration zu verwandeln. Neulich konnte ich den Versuch dank eines Testgeräts von HP wiederholen. Und ich darf vermelden, dass kleine Fortschritte zu konstatieren sind. Am Gesamtbild ändern die nichts. Das Urteil bleibt vernichtend; bis zur Praxistauglichkeit ist es ein sehr weiter Weg.

Das sind die Probleme:

  • Die KI ist wahnsinnig begriffsstutzig. Viele der Instruktionen werden ignoriert oder sehr locker interpretiert. Wie das Beispiel zeigt, ist das sogar bei simplen Vorgaben wie «verwende einen dunklen Hintergrund» der Fall. Wenn ich selbst die Skizze schwarz färbe, wird es etwas besser.
  • Es gibt den Regler Kreativität, der festlegt, wie streng sich der Cocreator an die Vorgabe hält. Doch der verändert das Resultat nicht linear, wie es den Eindruck hat, sondern sprunghaft. Das heisst: Wir positionieren den Regler links und das erzeugte Bild sieht fast genauso aus wie die Skizze. Dann schieben wir ihn ein paar Pixel weiter nach rechts und das Resultat hat nur noch eine entfernte Ähnlichkeit mit der Vorgabe.
  • Selbst wenn wir mit unveränderten Parametern auf Erneut versuchen klicken, variieren die Ergebnisse extrem stark. Und es ist nicht möglich, zu einer vorherigen Version zurückzukehren. Das macht die Arbeit mit Paint besonders frustrierend, weil weitere Versuche oft zu einer Verschlechterung führen.
  • Die Funktion Image Creator benötigt keine Vorlage, sondern nur einen Prompt. Die Resultate sind optisch ansprechender, aber dieses Feature ist ebenfalls frustrierend: Es produzierte beim Test quadratische Motive, obwohl die Bildfläche das Seitenverhältnis 16:9 hatte.
Eine grob gezeichnete Vulkanlandschaft mit roten Lavaströmen, grauen und blauen Wolken auf weissem Hintergrund. Im rechten Bildbereich Text zu einer Vulkanschilderung.
Die KI lässt sich von meiner Skizze nicht beeindrucken.
Eine Person mit Brille macht ein Selfie im Bildbearbeitungsprogramm. Rechts im Bildschirm ein Bild von einer verwandten Fantasyfigur. Bearbeitungswerkzeuge sind sichtbar.
Egal, was ich tue – ein Hobbit wird aus mir keiner.

Das Beitragsbild oben zeigt das Resultat einer dreiviertelstündigen Bemühung, mit zwei Ebenen eine lustige Fantasy-Szene zu kreieren: Anhand meines Fotos wird die Hauptfigur erzeugt, und meine Skizze eines Vulkans dient der KI als Vorlage für den Hintergrund. Beim Vulkan habe ich kapituliert und ihn nicht mittels Cocreator erzeugt, sondern vom Image Creator beisteuern lassen.

Dieses Resultat ist umso verheerender, wenn wir uns vor Augen führen, wie gewaltig die Fortschritte bei der Konkurrenz waren. Nano Banana von Google macht tolle Dinge möglich und Dall-e von OpenAI ist heute um Welten besser als noch zu der Zeit, als Microsoft die KI-Features in Paint lancierte.

3) Studioeffekte

Falls eine App auf die Kamera zugreift, erscheint im Infobereich ein Symbol für die Studioeffekte. Mit denen lässt sich das Live-Bild bearbeiten:

  • Automatischer Rahmen stellt aufs Gesicht scharf.
  • Blickkontakt verändert die Pupillen so, dass es aussieht, als würden wir jederzeit direkt in die Kamera schauen.
  • Hintergrundeffekte: Sie zeichnen die Umgebung unscharf, sodass die anderen Teilnehmer in einem Videoanruf aus dem Homeoffice nicht unsere Einrichtung bewundern können.

Und siehe da: Die Studioeffekte erfüllen den Zweck weitestgehend. Der Weichzeichner erkennt die Umrisse gut und folgt auch abrupten Bewegungen mit wenig Verzögerung. Das wirkt um Welten besser als die entsprechenden Funktionen in den gängigen Videoconferencing-Programmen. Die neigen dazu, Ohren und Brillen zu beschneiden oder zu viel Abstand zur Silhouette zu lassen. Blickkontakt finde ich seltsam – aber wer es mag.

Bildschirmaufnahme der Windows-Einstellungen: Abschnitt «Bluetooth und Geräte» mit geöffneter Kameraansicht. Eine Person ist im Kameravorschau-Fenster zu sehen. Optionen für Studioeffekte sind aktiv.
Die Studioeffeke erfüllen die Erwartungen und zeichnen den Hintergrund auf ansehnliche Weise weich.

In den Einstellungen bei Bluetooth und Geräte > Kameras > [Name der Kamera] gibt es weitere Optionen. Hier steuern wir Helligkeit, Kontrast, Schärfe und Sättigung.

Und siehe da: Das ist nützlich. Aber weltbewegend ist es nicht.

4) Recall

Dieses Feature macht in kurzen Abständen Screenshots und speichert sie, damit Nutzerinnen und Nutzer ihren gesamten Nutzungsverlauf durchsuchen können. Das wirft allerhand Fragen zum Datenschutz auf. Der Test hat seine Tücken: Das Testgerät kommt mit einem lokalen Account ohne Passwort. Damit funktioniert Recall nicht. Ich vergebe ein Passwort, hinterlege (ungern) meinen Microsoft-Account – ohne den allerdings fast keine der KI-Funktionen überhaupt getestet werden können – und richte (seehr ungern) die Gesichtserkennung ein.

Das reicht noch immer nicht: Für den Test will auch die Geräteverschlüsselung aktiviert werden. Dafür ist es wiederum notwendig, die Anmeldung von lokal auf den Microsoft-Account umzuschalten. Das klappt nicht: Die Option Stattdessen mit einem Microsoft-Konto anmelden fehlt. Vermutlich wurde sie in den Gruppenrichtlinien fürs Testgerät deaktiviert.

Screenshot eines Softwarefensters mit der Meldung: «Geräteverschlüsselung aktivieren, um Recall zu verwenden». Ein Button zum Aktivieren der Verschlüsselung ist sichtbar.
Auf dem Testgerät ist hier bei Recall Endstation.

An dieser Stelle frage ich mich, wie ich unter diesen Umständen meinen Job erledigen soll. Recall bleibt jedenfalls ungetestet. Und es bleibt dabei, dass ich dieses Feature ohnehin niemandem empfehlen würde.

Fazit: Weit und breit kein klares Konzept

Angesichts des Boheis, das das Softwareunternehmen aus Redmond rund um die künstliche Intelligenz veranstaltet, ist deren effektiver Nutzen in Windows minimal bis inexistent. Die Implementierung ist intransparent: Obwohl ich mich intensiv mit der Materie beschäftige, ist kaum erkennbar, wo welche Funktion verfügbar ist oder nicht. Das ist keine vernünftige Strategie, sondern ein Flickenteppich. Der zitierte David Plummer hat recht: Ein Marschhalt tut Not. Microsoft muss damit beginnen, die künstliche Intelligenz von den Nutzerinnen und Nutzern aus zu denken.

Was mich angeht: Ich wünsche mir ein Feature wie Apple Intelligence in der Kurzbefehle-App: Diese Kombination erlaubt es mir, meine Arbeitsabläufe effektiv zu vereinfachen. Hier löse ich meine Aufgaben – statt mir wie bei Windows zu überlegen, wie ich mich anpassen müsste, damit diese Neuerungen irgendeinen Vorteil für mich haben.

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