Ja, ich sollte bei den Laptops von meiner HP-Fixierung wegkommen und wieder einmal einen Computer von Lenovo oder Dell in Augenschein nehmen. Oder – Hölle, warum nicht? – von Asus. (Was Acer angeht, bin ich noch immer ein gebranntes Kind.)
Diesem schönen Vorsatz zum Trotz steht hier der Test des Omnibook X Flip (14-fm0779nz) an. Das ist ein Modell mit Intel-CPU¹, das in die Kategorie der Copilot+-PCs fällt. Das ist eine neue Geräteklasse, die Microsoft für das Zeitalter der KI ins Leben gerufen hat. Natürlich ist viel Marketing mit im Spiel. Doch die grundsätzliche Idee ist nicht nur dumm. Die Computer besitzen eine NPU, d.h. spezielle Hardware zur Beschleunigung lokaler LLMs. Leider kam Microsoft bisher nicht auf die Idee, in Windows von dieser Möglichkeit systematisch Gebrauch zu machen. Aber dann kümmern wir uns User halt darum.
Also, zu den Rahmenbedingungen: Im Vergleich zu meinem bald vierjährigen HP Spectre macht dieser Computer einen flotten Eindruck – der passende Anglizismus dafür ist snappy. In Kombination mit Wifi 6 erscheinen (nicht zu dicke) Websites meist in einem Rutsch. Mir gefällt ausgezeichnet, dass er von Haus aus mit 32 GB Arbeitsspeicher und einer SSD mit zwei Terabyte Kapazität ausgestattet ist. Das lässt nicht nur genügend Raum für viele Daten, sondern auch für gängige lokale LLMs.
Das Design
Was die Äusserlichkeiten angeht, ist das Design so «middle of the road», wie es überhaupt nur sein kann. Das Omnibook sieht aus, als hätte eine KI den Durchschnitt aller bürotauglichen Mobilcomputer genommen. Im Gegensatz dazu ist mein Spectre mit den abgeflachten Kanten geradezu avantgardistisch. Mit der Tastatur sagt mir hingegen besser zu: Bei meinem Computer stehen sie über. Beim Omnibook sind sie plan zur Oberfläche und verschwinden beim Drücken einen halben Millimeter nach unten. Vor allem aber haben sie einen etwas satteren Druckpunkt und machen ein etwas weniger klapperiges Geräusch – wobei selbstverständlich zu berücksichtigen wäre, dass meine Tastatur Hunderttausende Anschläge mehr auf dem Buckel hat.

Zu den routinemässigen Aufgaben eines Testgeräts zählt die Musikwiedergabe. Mein Spectre brüstet sich mit Lautsprechern von Bang und Olufsen, die oberhalb der Tastatur sitzen und nicht so satt wie die des Macbook Pro, aber ganz okay klingen. Diese Ausmarchung verliert das Omnibook deutlich. Seine Wiedergabe scherbelt mehr, hat weniger Bass. Selbst für gesprochene Sprache empfinde ich sie als schwammig. Ausserdem variiert die Qualität je nach Unterlage, weil die Lautsprecher auf der Hinterseite angebracht sind und der Ton vom Tisch reflektiert bzw. den Hosenbeinen geschluckt wird.
Damit zu der eigentlichen Frage: Wie toll performt das Omnibook bei lokalen KI-Anwendungen. Um mir einen Eindruck zu verschaffen, statte ich den Testkandidaten mit LM Studio und OpenAIs Open-Source-Modell Gpt-oss 20b aus. Die gleiche Kombination läuft auch auf meinem eigenen Laptop. Ich stelle bei beiden KIs die gleiche simple Frage («Who is Matthias Schüssler?») und stelle fest, dass die Antwort trotz des identischen Modells total anders ausfällt – aber in beiden Fällen von A bis Z halluziniert ist. Beim Omnibook bin ich ein deutscher Pianist, Komponist und Dirigent, beim Spectre ein deutscher Historiker und Professor für Kirchengeschichte an der Uni Heidelberg – und ja, beides finde ich wirklich lustig.

Die KI ist etwas schneller – aber nicht rasend schnell
Da diese Antworten auch in der Länge derart unterschiedlich ausfallen, lassen sich die Zeiten für die Berechnung nicht direkt vergleichen. Zum Glück zeigt LM Studio (im Modus Power User) zwei interessante Messwerte an, nämlich Sekunden bis zum ersten Token und Token pro Sekunde. Ein Token ist eine kleine Informationseinheit, die das Sprachmodell verarbeitet. Die beiden Angaben verraten uns somit, wie lange es dauert, bis das Modell die erste Ausgabe macht, und mit welcher Geschwindigkeit die Informationen danach ausgegeben werden.
Für das Omnibook gibt LM Studio folgende Werte aus (insgesamt 821 Token):
- Dauer bis zum ersten Token: 2,24 Sekunden
- Token pro Sekunde: 19,22
Mein Spectre performt wie folgt (insgesamt 284 Token):
- Dauer bis zum ersten Token: 7,45 Sekunden
- Token pro Sekunde: 7,67
Mit anderen Worten: Das Omnibook kommt schneller in die Gänge und spuckt die Antwort mit fast dreifacher Geschwindigkeit aus. Das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil, aber nicht um Welten besser. Darum stellt sich die Frage: Nutzt LM Studio die NPU überhaupt?

Die Antwort lautet: Nein. Im Artikel The great NPU failure: Two years later, local AI is still all about GPUs schreibt «PC World»:
Wie viele andere KI-Tools unterstützt LM Studio hauptsächlich GPUs, verfügt aber auch über einen langsameren Fallback-Modus für CPUs. Mit NPUs kann es nichts anfangen.
Die NPU ist hauptsächlich eine Investition in die Zukunft. Sie scheint bisher in Windows vor allem für Dinge wie die Studioeffekte der Kamera benutzt, sonst aber nicht sehr viel. Der Bildgenerator Image Creator in Paint benötigt auf beiden Computern ähnlich lange, weil das Motiv vollständig in der Cloud hergestellt wird. Das Omnibook bietet immerhin an, für die Cocreator-Funktion ein Modell lokal zu installieren – diese Option gibt es beim Spectre nicht. Wie gut oder schlecht das funktioniert, werde ich separat testen.
Adobe, McAfee und Booking.com – ihr nervt!
Fazit: Das Omnibook X Flip wäre wegen des uninspirierten Designs nicht mein Kronfavorit für eine Neuanschaffung. Der Oled-Bildschirm ist schön, aber er hat weniger Pixel als mein vierjähriger Laptop (2880 × 1800 Pixel statt 3000 × 2000). Empören würde ich mich darüber nicht, aber aufgefallen ist es mir schon – und wenn wir das Foto oben mit beiden Laptops genau anschauen, fällt uns auch der Grund auf: Das Panel wirkt nach oben ein My grösser.

Der wesentliche Punkt ist ein anderer: Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich noch für ein Intel-Modell begeistern kann. Der zukunftsträchtigere Weg scheint mir, den Nachteilen zum Trotz, AMD zu eröffnen. Abgesehen davon kann ich ihn empfehlen: Am Preis-Leistungsverhältnis – der Computer kostet offiziell 1699 Franken – habe ich nichts auszusetzen.
Abschliessend eine Sache, die wirklich nervt: Wir haben das Jahr 2025, und Hewlett-Packard hat die Drückermethoden der Nullerjahre noch immer nicht hinter sich gelassen. Auch bei diesem Computer ist eine Ladung Crapware vorinstalliert, namentlich eine Testversion von McAfee, die es sich nicht verkneifen kann, durch Pop-up-Werbefenster negativ aufzufallen. Weiterhin mit dabei: Adobe offers, Booking.com, der Omen Gaming Hub
Fussnoten
1) Intel Core™ Ultra 7 – 258V ↩
Ich habe dieses Modell für ein Familienmitglid gekauft und bisher kamen keine Beschwerden. Zum Preis: Auf der HP-Website betrug dieser im letzten Monat ca. CHF 1100.- und war auch davor oft in dieser Grössenordnung. Für CHF 1699.- würde ich den Laptop nicht empfehlen. Zur NPU: Windows scheint den Suchindex komplett über die NPU zu erstellen. Besser hat das die Suche in meiner Erfahrung nicht gemacht. Auch effizienter scheint die Erstellung den Lüftergeräuschen nach nicht zu sein.