Ein Karton mit stapelweise Zeitungen steht neben einem alten Heizkörper. Links hängt eine blaue Kunststofftasche. Im Bild sind verschiedene Cover und Texte sichtbar.
Wie Gmail – bloss viel weniger chaotisch (Vuk Burgic, Unsplash-Lizenz).

Gegen die Wohlstandsverwarlosung in Gmail

Eine neue Funktion in Goog­les Web­mail-App hilft beim Auf­räu­men der News­let­ter: In der Über­sicht «Ma­na­ge Sub­scrip­tion» lassen sich Abos mit einem Klick kün­di­gen.

Gmail ist auch weiterhin nicht meine Lieblings-Mailanwendung. Ich habe ein privates Postfach, nutze das vor allem für Unpersönliches: Newsletter, Benachrichtigungen und ähnliche Dinge. Nun ist vor ein paar Tagen eine Funktion aufgetaucht, die Gmail genau für diesen Zweck deutlich aufwertet. Das ist die Möglichkeit, die Abos für Newsletter zu verwalten. Wir finden diese Ansicht in der Menüleiste links, in der auch die Mailboxen, die Labels und die diversen automatischen Ansichten zu finden sind. Wir müssen dort via More die vollständige Liste anzeigen und finden dann den Punkt Manage Subscription.

Gmail-Abonnementübersicht mit sechs Einträgen. Jedes zeigt den Absender, die E-Mail-Adresse, die Anzahl kürzlich erhaltener E-Mails («20+ emails recently») und die Option zum Abbestellen («Unsubscribe»).
Erstaunlich, was sich hier über die Jahre an Abos angesammelt hat.

Das heisst: Wenn wir Glück haben, finden wir ihn dort. Google ist notorisch darin, neue Funktionen gestaffelt einzuführen. Das macht es für mich als Blogger ausnehmend schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu finden, wann ich darüber schreibe. Was diese neue Funktion angeht: Ich sehe sie in meinem geschäftlichen, auf Englisch eingestellten Workspace-Account, aber bei meinem privaten, auf Deutsch betriebenen Konto fehlt sie. Ich bin zuversichtlich, dass sie innert nützlicher Frist auch dort verfügbar sein wird.

In dieser Ansicht sehen wir den Namen des automatischen Versands, die Absenderadresse und die Zahl der kürzlich zugeschickten Nachrichten. Am rechten Rand einer jeden Zeile gibt es den Knopf Unsubscribe. Er macht das, was man erwarten würde: Er beendet das E-Mail-Abo.

Lohnt sich der Aufwand überhaupt?

Natürlich stellt sich die Frage, ob wir uns diese Mühe machen sollen. Viele Leute aus meinem Bekanntenkreis verwenden Gmail als grosses, schwarzes Loch, in dem alles verschwindet, was zugeschickt wird. Das Prinzip, Unwesentliches zu ignorieren, ist eine valable Strategie. Sie hat zur Folge, dass es schwierig bis unmöglich wird, nach ein paar Tagen noch irgendetwas aufzufinden. Aber das ist ein Preis, den viele Leute bereit sind zu zahlen.

Mir behagt diese Methode nicht: Das mag daran liegen, dass ich mich noch an Computerfestplatten mit vierzig MB Kapazität erinnere und so geprägt wurde, dass man die Mega- und Gigabytes nicht sinnlos verschwenden müsste. Aber selbst wenn einem derlei Bedenken fremd sind, könnte man zum Schluss kommen, dass sich eine kleine Aufräumaktion lohnt: Weil der Nutzen der Zusendungen steigt, wenn wir zwischen all dem Ballast nicht die nützlichen Informationshäppchen suchen müssen.

KI-Einsatz gegen das Chaos

Nur der Vollständigkeit halber: Eine zweite Strategie wäre, die KI dazu einzusetzen, Ordnung ins Chaos zu bringen. Eine solche Methode eröffnet sich mit den Flows, den Agenten in Google Workspace (Was Googles Büroagenten können – und was nicht).

Als strenger Richter über den sinnvollen und weniger sinnvollen Einsatz von Hochtechnologie stelle ich die Frage in den Raum, ob das nicht eine Form von digitaler Wohlstandsverwahrlosung ist. Aber gut, die Meinungen mögen auseinandergehen.

Abschliessende Frage: Gibt es die gleiche Methode auch für «vernünftige» Formen der Mailverwaltung? Kann ich meine Mail-Abos in Thunderbird auf ähnliche Weise verwalten? Die Antwort ist ein Jein: Nicht auf die gleiche komfortable Art, aber wir können unser Glück mit zwei Erweiterungen probieren: List Unsubscribe und Better Unsubscribe.

2 Kommentare zu «Gegen die Wohlstandsverwarlosung in Gmail»

  1. Kurze Antwort. Ja, das gibts z. B. auch bei Protonmail seit ein paar Monaten. Zumindest als zahlender User. Aber irgendwie sind wir das bei GMail ja alle. 😉

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