Gmail auf die Finger schauen

Google ist ein seltsames Unternehmen. Da wurde vor einiger Zeit mit viel Getöse der 15 Geburtstag von Gmail gefeiert. Zum Getöse gehörten, als Geburtstagsgeschenk verpackt, neue Funktionen für den Maildienst: Spannende, nützliche Dinge wie zum Beispiel die Möglichkeit, Mails nicht sofort, sondern zu einem bestimmten Datum zu senden.

Ich nutze seit Jahren ein Plugin, welches genau das ermöglicht. Meine Erfahrung ist ausgezeichnet: Bei der Kommunikation mit stark frequentierten Mailboxen ist es sinnvoll, eine Nachricht genau in dem Moment abzusenden, in dem sie relevant für den Empfänger ist. Schickt man sie zu früh ab, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sie untergeht.

Boomerang hat die Arbeit zuverlässig erledigt. Aber es ist viel praktischer, wenn die Funktion für das zeitgesteuerte Versenden direkt in Gmail eingebaut ist. Darum habe ich mich auf die Neuerung gefreut: Die ist ein echt gutes Geburtstagsgeschenk.

Doch weil Google ein seltsames Unternehmen ist, war dieses Geschenk – die neuen Funktionen – über Tage und Wochen nach dem grossen Datum nicht zu entdecken. Da ich unlängst Gelegenheit hatte, mit zwei Googlern zu plaudern, habe ich danach gefragt: Wie kann es sein, dass ein solches Geburtstagsgeschenk nicht wie angekündigt zum Geburtstag, sondern erst viel später eintrudelt? Die Antwort war wie erwartet: „Gmail auf die Finger schauen“ weiterlesen

Für Leute mit und ohne Sockenhalter

Ob das Mail nun tot ist, noch ein bisschen zuckt oder weiterhin die bevorzugte Kommunikationsform ist, hängt vor allem von zwei Dingen ab: Vom Alter und der Beschäftigung. Wer eher älter ist und beruflich kommuniziert, wird das Mail nach wie vor schätzen. Aus Gewohnheit, und weil die elektronische Post einige Vorteile gegenüber den neuen Kommunikationsformen hat. Einer der Vorteile ist, wie im Beitrag Allzu vergängliche Spuren der Kommunikation beschrieben, dass Vorgänge dokumentiert werden und sich auch Jahre später noch nachvollziehen lassen.

Für die jüngeren Nutzer sind die Messenger, die sozialen Medien und Kuriositäten wie Snapchat wichtiger. Könnte man zumindest meinen. Und «Techcrunch» hat vor drei Jahren auch genau das behauptet: Email is dying among mobile’s youngest users. Doch wie so oft gibt es auch die Gegenbehauptung: New Study Finds Millennials Are Actually Obsessed With Email, hat «Forbes» dagegengehalten. Die Studie stammt von Adobe, und da heisst es Folgends: „Für Leute mit und ohne Sockenhalter“ weiterlesen

Allzu vergängliche Spuren der Kommunikation

Vor gut einem Jahr habe ich mich im Beitrag Das E-Mail stirbt einen langsamen Tod mit den Zukunftsaussichten des Mails auseinandergesetzt. Die sehen ähnlich aus wie die des SMS: Beide sind unverzichtbar. Aber beide sind dazu da, zu einem Administrationsinstrument zu verkommen. Das SMS wird, in Zeiten von Messengern, hauptsächlich noch für den Versand von Einmal-Codes für die Zwei-Faktor-Authentifizierung benutzt. Und die Mailadresse ist für Logins unverzichtbar – doch abgesehen davon scheint die Welt inzwischen lieber per WhatsApp, Slack, Facebook Messenger, iMessage zu kommunizieren.

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Briefe wirft man (meistens) auch nicht einfach so weg. (Bild: Andrys/Pixabay, CC0)

Und das gilt nicht nur für die private Kommunikation. Auch Geschäftliches läuft immer häufiger via Messenger ab und nicht mehr per Mail. Das ist nicht gänzlich verkehrt: Das Mail ist einfach kein sehr sicheres Kommunikationsmedium. Es gibt standardmässig keine Verschlüsselung. Und die Verschlüsselung, die man dem Mail überstülpen kann, ist unsicher.

Trotzdem habe ich ein Problem mit dieser Entwicklung. „Allzu vergängliche Spuren der Kommunikation“ weiterlesen

Vier Tricks fürs altehrwürdige E-Mail


So können Sie E-Mails verschwinden lassen.

Der Artikel hat ursprünglich die Überschrift «Das E-Mail ist längst nicht reif fürs Altenteil» gehabt. Dann hat ihn die Tagesleitung entsprechend umgetitelt, was offenbar eine positive Wirkung bei den Einschaltquoten hatte – aber auch ein Feature ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt hat, dass ich ursprünglich en passant erwähnt hatte. Gmail wird es demnächst ermöglichen, Mails mit Verfallsdatum auszustatten. Danach werden sie automatisch aus der Inbox des Empfängers verschwinden. Das klingt interessant, hat aber ein paar Probleme: Man kann die Funktion bislang nämlich noch nicht testen. Und: Sie wird mutmasslich tatsächlich nur dann funktionieren, wenn der Empfänger ein Gmail-Nutzer ist. Denn da der Rückruf von Nachrichten und das automatische Löschen sind keine Standard-Funktionen beim Mail und daher auch nicht generell verfügbar.

Trotzdem hat die Tagesleitung natürlich recht gehabt: „Vier Tricks fürs altehrwürdige E-Mail“ weiterlesen

Briefpost versus Threema

Der geschriebene Brief schneidet nur mässig sicher ab. (Es sei denn, man schreibt extra sehr unleserlich.)

Die digitale Gesellschaft hat eine Übersicht veröffentlicht, in der die «Sicherheit und Nachhaltigkeit» von diversen Kommunikationsmitteln verglichen wird. Es stehen einander klassische Kommunikationsformen wie die Briefpost und das Festnetztelefon und moderne Kanäle wie Messenger, Mobiltelefon, SMS und Mail (verschlüsselt und unverschlüsselt) gegenüber.

Verglichen werden die Dienste in Kategorien wie: „Briefpost versus Threema“ weiterlesen

Mission: Inbox zero!


Falls das Video nicht erscheint, bitte hier klicken.

Ich bin ein bekennender Fan des aufgeräumten Posteingangs. Wenn dort Zehntausende Mails liegen (wie bei anderen Leuten), dann macht mich das nervös. Darum braucht es Techniken, dem Chaos Herr zu werden. Die bestbewährten erkläre ich im aktuellen Patentrezepte-Video. „Mission: Inbox zero!“ weiterlesen

Sichere E-Mails!


Falls das Video nicht erscheint, bitte hier klicken.

Das Video erklärt, wie man verschlüsselte Nachrichten sendet und empfängt – und gibt einige Tipps, wie man seinen öffentlichen Schlüssel unter die Leute bringt. Mit der impliziten Empfehlung, diese Möglichkeit bei sensiblen Nachrichten zu nutzen. Und sei es nur, um ein Zeichen zu setzen.
„Sichere E-Mails!“ weiterlesen

Mails im richtigen Moment versenden

Ich komme ab und zu in die Situation, wo es praktisch wäre, ein Mail automatisch zu einer bestimmten Zeit zu versenden. Typisches Beispiel sind meine digitalen Patentrezepte, die vorproduziert und dann am Sonntagmorgen vom Blattmacher auf den Newsnet-Seiten publiziert werden. Das Mail informiert den Blattmacher über das Thema und den Titel des Beitrags.

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Mails später senden. (Bild: boomeranggmail.com)

Outlook erlaubt das Verzögern oder Planen des Sendens von E-Mail-Nachrichten, was meiner Erfahrung nach aber nicht sehr zuverlässig funktioniert. Ausserdem verwendet der Tagi seit kurzem die Google-Apps. Darum braucht es eine Lösung, die mit GMail harmoniert.

Google selbst bietet keine Möglichkeit, den Mailversand zu terminieren. Es gibt ein Script namens gmail-delay-send, das sich in meinem Test aber nicht hat installieren lassen. Darum bin ich auf Boomerang for Gmail eingeschwenkt. Das ist eine Erweiterung für den Browser, die den Knopf Send Later hinzufügt. „Mails im richtigen Moment versenden“ weiterlesen

Mailsünder entlarven?

Sag mal, wie kann man anonyme Mails zurückverfolgen? Hab leider eine erhalten und würd gern wissen, wie ich rausfinden kann, wer das ist.

Das war eine Anfrage neulich via Facebook. Die kurze Antwort auf diese Frage lautet: Geht nicht.

Diese kurze Antwort lässt sich durch zwei Empfehlungen ergänzen. Erstens: Wenn das Mail einen beleidigenden oder rechtlich relevanten Inhalt hat, dann wäre eine Anzeige bei der Polizei das richtige. Die wird dann auch wissen, was zu tun ist.

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Anonyme Mails zu verschicken, ist einfach…

Zweitens: Falls das Mail nicht so drastisch ist, dass sich eine Anzeige rechtfertigen würde, dann lösch es bzw. markiere es als Spam oder trage die Adresse des Absenders in der Blacklist ein.
„Mailsünder entlarven?“ weiterlesen

Warum Wegwerf-Mailadressen okay sind

Es gibt nützliche Webdienste, die in einer perfekten Welt überflüssig wären. Zum Beispiel die Dienste für Einweg-E-Mail-Adressen. Sie haben ein bisschen etwas Anrüchiges. So, als ob man sich einen gefälschten Schülerausweis besorgen würde, um sich ein bisschen älter zu machen und die Vorteile des Erwachsenenseins schon in Jugendjahren zu geniessen… Und um allfällige Spekulationen im Keim zu ersticken: Nein, ich habe nie einen gefälschten Schülerausweis besessen.

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Öffentliche Mailboxen bei Mailinator.

Dienste wie mailinator.com oder maildrop.cc nutze ich aber gelegentlich. Mein Haupteinsatzgebiet sind die Softwaretests, die ich für Publisher.ch, den Tagi und dieses Blog hier durchführe. Um eine Testversion herunterzuladen, muss man sich immer öfters mit E-Mail-Adresse identifizieren, wobei man selbstverständlich sogleich für den Newsletter angemeldet wird. Dieses Verfahren ist Unsinn. „Warum Wegwerf-Mailadressen okay sind“ weiterlesen