Ein Weltraumspaziergang vom Sofa aus

Mit Solar System Scope lassen wir die Erde hinter uns und erkunden das Sonnensystem und unsere Galaxie. Das ist fast so toll – aber nicht ganz – wie ein Besuch im Planetarium.

Neulich habe ich Sky Guide vorgestellt. Das ist eine tolle App für Sterngucker, die uns verrät, welche Sternbilder, Planeten und menschengemachte Objekte wir am Sternenhimmel vorfinden. Und so praktisch das ist – natürlich geht bei der Astronomie noch viel mehr.

Es gibt Apps, die nicht nur den Blick auf den Himmel aus unserer menschlichen Perspektive simulieren, sondern uns durchs All fliegen lassen – wie Captain Kirk und seine Crew. Nur, ohne dass ein Raumschiff nötig wäre. Wir sehen unser Sonnensystem und die Position der Planeten. Wir können uns in der Zeit vor- und rückwärts bewegen, falls wir möchten.

Und obwohl das Universum nicht in seiner ganzen Schönheit und in Originalgrösse auf unser Display passt, bekommen wir ein Gefühl für dessen ungeheure Ausmasse: Das passiert, natürlich, indem wir elegant über x Potenzen zoomen, um erst einen Planeten unseres Sonnensystems auf dem Bildschirm zu haben und sehen, wie er unendlich klein wird, bis wir die Milchstrasse in den Blick bekommen.

Das innere Sonnensystem: Man beachte, wie schön Merkur, Venus, Erde und Mars aufgereiht sind.

Für derlei Simulationen ist das Smartphone und das Tablet perfekt. Denn so toll Bücher und Filme auch sind, die sich mit dem Thema beschäftigen: Wenn wir selbst am Steuerknüppel des virtuellen Raumschiffs sitzen, ergibt das einen ganz anderen, lebendigeren und anschaulicheren Eindruck.

Solar System Scope mit toller Grafik

Es gibt diverse Apps, die wie eine virtuelle Planetarium funktionieren. Eine, die mir hervorragend gefällt, heisst Solar System Scope. Es gibt sie fürs iPhone und iPad und für Android.

Besuch beim Mars – landen können wir leider nicht.

Sie verwendet die Grafik-Engine Unity und erlaubt uns daher, die Darstellung mit Kneif- und Spreizgeste zu zoomen. Mit einem Finger drehen und kippen wir die Ansicht. In der Startansicht sehen wir das innere Sonnensystem mit dem Stand der Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars auf ihren Planetenbahnen, plus den Asteroidengürtel. Wenn wir einen Planeten antippen, erhalten wir ein Menü, mit drei Punkten:

  • Besuchen bzw. Umlaufbahn bzw. Planetensystem: Über diesen Knopf sehen wir das ausgewählte Objekt entweder von Nahem oder in seiner Position im Sonnensystem.
  • Enzyklopädie. Hier erhalten wir detaillierte Informationen zum Objekt. Daten zum Durchmesser, zur Masse, dem Abstand zur Sonne, zur Umlaufzeit und zur Oberfläche, plus weitere wissenswerte Dinge.
  • Struktur. Tippen wir diesen Punkt an, wird das Objekt aufgeschnitten und wir sehen seinen Aufbau. Bei der Erde ist das Kruste, Mantel, der äussere und der innere Kern.

Wir können weiter auszoomen, uns durch den interstellaren Raum kämpfen, bis wir zu den benachbarten Planeten und unserer Galaxie gelangen. Weiter hinaus geht es mit dieser App nicht – sodass wir nicht, wie eingangs angedeutet, an die Grenzen des Universums gelangen. Aber wir bekommen auch so jede Menge zu sehen.

Den Nachthimmel erforschen

Und das ist längst nicht alles. Die App zeigt uns auch den Nachthimmel, so wie das auch Sky Guide und andere Sterngucker-Apps tun. Es gibt im Menü die Möglichkeit, die nächstgelegenen Sterne zu erforschen, nach Sterne in der «Umgebung» zu suchen oder über den hierarchischen Katalog nach Objekten zu suchen.

Der Blick von der Erde aus mit den Beobachtungsmöglichkeiten.

Der Katalog ist nach Sonnensystem, Sterne, Objekte aus dem Messier-Katalog und Galaktisches Zentrum gegliedert. Im Sonnensystem sehen wir uns nebst den Planeten auch Zwergplaneten, Kometen, Raumschiffe, Sternbilder und Sterne an. In der Kategorie der Raumschiffe finden wir die ISS, das Hubble-Weltraumteleskop und diverse Satelliten. Mit der Option Deep Sky verfolgen wir die Reise von Voyager 1, Voyager 2 und Rosetta.

Am unteren Rand des Displays gibt es eine Zeitanzeige. Die zeigt normalerweise die Echtzeit, aber wir dürfen auch ein Datum und eine Uhrzeit in der Vergangenheit wählen. Über eine Art Play-Knopf lassen wir die Zeit schneller vorwärts- oder rückwärtslaufen und sehen so die Bewegungen von Planeten oder Konstellationen im Zeitraffer.

Dem Lauf der Zeit folgen

Es gibt für diese Darstellung die Opiton Tageszeit beibehalten: Ohne sie wird die Drehung um die eigene Achse der Planeten dargestellt, was bei stärkeren Beschleunigungen ein wildes Flackern ergibt. Wenn wir den Planeten immer zur gleichen Zeit sehen, fällt das weg und wir können auf die Veränderung der Sonneneinstrahlung im Verlauf der Jahreszeiten konzentrieren.

Fazit: Eine tolle App, die auch mit Kindern eine Menge Spass macht. Sie ist in der Basisvariante kostenlos, aber für einen In-App-Kauf von drei Franken – den ich vorbehaltlos empfehle – wird die Werbung ausgeschaltet und der ganze Beobachtungen geöffnet. Und wir sehen die Objekte mit schärferen Texturen.

Celestia, den Klassiker, gibt es auch noch

Noch zwei abschliessende Tipps: Eine tolle Zoom-App, die ein Gespür für die Grössenpotenzen von atomarer bis interstellarer Ebene gibt, ist Universal Zoom (Die App für den Aha-Effekt).

Der Klassiker bei den virtuellen Planetariums-Apps ist natürlich Celestia. Diese Anwendung ist ursprünglich für Windows, Mac OS X und Linux entwickelt worden. Ich habe sie am 12. Dezember 2005 im Tagi vorgestellt (Ein Spaziergang durchs Weltall) und freue mich, dass es sie nach wie vor gibt, inzwischen unter celestia.space. Und es gibt auch mobile Varianten fürs iPhone und iPad und für Android.

Beitragsbild: Die Milchstrasse und ein einsamer Betrachter (Greg Rakozy, Unsplash-Lizenz).

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