Offline-Medien auf dem AppleTV

Offiziell ist es nicht mög­lich – aber inof­fiziell gibt es eine Methode, um Filme auf Apples Fern­seh­box zu speichern und ohne Cloud oder lokales Netzwerk abzu­spielen.

Wie bringt man Filme auf den Apple TV?

Auf diese Frage gibt es einige naheliegende Antworten: Man verwendet die App eines Streamingdienstes, kauft Inhalte im iTunes Store, verwendet die Privatfreigabe oder installiert sich Infuse. Mit dieser App oder ähnlichen Programmen ist es keine Hexerei, Inhalte ab Mac oder Windows-PCs abzuspielen. Dazu gibt man ein Laufwerk im lokalen Netzwerk frei und greift am Apple TV darauf zu. Das ist schnell eingerichtet und funktioniert gemäss meiner Erfahrung ausgezeichnet.

Das ist gut und schön, doch in dieser Aufzählung fehlt eine Möglichkeit – und zwar eine extrem naheliegende: Denn wer nicht mit mehreren Geräten hantieren mag und nicht alle seine Inhalte im Netz hat, könnte auf die Idee kommen, ein paar Mediendateien auf den Apple TV zu kopieren und sie vom internen Speicher abzuspielen.

Auch wenn es unverfroren sein mag, will ich den AppleTV offline nutzen können

Ich bin auf diese Idee verfallen, weil ich – wie seinerzeit hier beschrieben – den Film «Die Eiskönigin – Völlig unverfroren» für meine Tochter aufgenommen habe. Aber aufnehmen allein reicht nicht: Sie will ihn sich auch irgendwie ansehen können. Man könnte zu diesem Zweck ein Tablet verwenden. Doch der Fernseher im Wohnzimmer ist die offensichtlichste Wahl. Und der wird vom Apple TV bedient.

Nun hätte ich gern, dass meine Tochter in der Lage ist, sich den Film ohne meine Mithilfe anzusehen. Die pädagogische Diskussion rund um den selbstbestimmten Medienkonsum klammere ich an dieser Stelle grosszügig aus. Es geht mir um eine gewisse Unabhängigkeit, die nicht unbedingt darin münden muss, dass das Kind stundenlang vor der Glotze hängt.

Jedenfalls will ich meiner Tochter nicht erklären, wie sie den Computer aufstartet, damit die Infuse-App am Apple TV in der Lage ist, auf ihren Film zuzugreifen. Nein, diese Methode funktioniert nur, wenn der Film lokal auf der Fernsehbox vorhanden ist.

Alles, nur das nicht

Leider ist es so, dass genau das nicht vorgesehen ist. Dieses Multimedia-Gerät ist alles, nur kein lokaler Datenspeicher. Apple hat es nicht als eigenständiges Wiedergabeinstrument konzipiert, sondern als Puzzleteilchen seines Hardware- und Cloud-Ökosystems. Darum heisst es in den einschlägigen Foren: Sorry, tut uns leid, aber geht leider nicht.

Es geht aber doch – wenngleich die folgende Methode weder sonderlich elegant noch fehlertolerant ist. Aber sie sei trotzdem erklärt:

Also, man benötigt VLC für den Apple TV – eine App, die zwar nicht so gut ist wie das erwähnte Infuse, aber dennoch den für diesen Fall entscheidenden Trick auf Lager hat.

Über die entfernte Wiedergabe kopiert man via Browser Mediendateien in die VLC-App auf dem Apple TV, die hier zwischengespeichert werden.

Er besteht in der Funktion Entfernte Wiedergabe. Die findet sich im Hauptmenü nebst den anderen Punkten Lokales Netzwerk und Netzwerk-Stream. Wählt man sie aus, erscheint ein simples Menü mit den Zugriffsinformationen für den Apple TV. In meinem Fall ist das die Adresse http://Wohnzimmer.local, wobei «Wohnzimmer» der Name des im Einsatz befindlichen Apple TVs ist. Es handelt sich um ein Modell aus der hier getesteten sechsten Generation. Das hat 32 GB internen Speicher, was nicht für viele Filme reicht, sondern bloss für eine Handvoll. «Die Eiskönigin» jedenfalls hat mit 1,89 GB problemlos Platz.

VLC macht den Zwischenspeicher

Wenn bei VLC auf dem Apple TV die entfernte Wiedergabe aktiviert ist, gibt man die erwähnte Adresse am Windows-PC oder Mac im Browser ein. Es erscheint eine Webansicht, in der man die gewünschte Mediendatei per Drag-and-drop deponiert. Die Mediendatei wird jetzt auf den Apple TV übertragen und dort zwischengespeichert. Sie erscheint im Menü Entfernte Wiedergabe und wie ein Test zeigt, wird sie auch dann abgespielt, wenn das Original auf dem PC nicht verfügbar ist.

Die Gegenstelle ist der Browser auf dem Mac oder Windows-PC: Hier deponiert man die Mediendatei, die übertragen werden soll.

Fazit: Das funktioniert tipptopp, allerdings mit drei Einschränkungen bzw. potenziellen Problemen:

Erstens wird der VLC-Cache vom Betriebssystem verwaltet. Das bedeutet, dass die gespeicherten Filme ohne Vorwarnung gelöscht werden, wenn der Speicher knapp wird.

Es dürfte noch einfacher sein

Zweitens: Obwohl der Film lokal vorgehalten wird, braucht es einige Aktionen, um ihn aufzurufen: Man muss VLC starten, dort im Menü zu Entfernte Wiedergabe wechseln, die Mediendatei auswählen und die Wiedergabe starten. Das lässt sich dem Kind beibringen, aber es ist nicht so einfach, wie ich es mir wünschen würde.

Drittens funktioniert diese Methode nur für ein paar wenige Mediendateien. Mit der 64-GB-Variante der TV-Box sind es einige mehr – aber ich kann nicht beurteilen, wie aggressiv das Speichermanagement zu Werke geht und ob es nicht aus Prinzip ab und zu die gecachten Filme beseitigt. Ich werde jedenfalls darauf achten, wie lange «Die Eiskönigin» auf meinem Apple TV überlebt und hier ggf. einen entsprechenden Nachtrag machen.

Nebenbei bemerkt beherrscht VLC auch den «normalen» Weg, bei dem auf die Freigaben im lokalen Netzwerk zugegriffen wird.

Beitragsbild: Offline beim Apple TV ist (fast) wie Sendeschluss beim linearen Fernsehen (Amateur Hub, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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