«Diese Schmarotzer, die Musik aus dem Internet stehlen»

In meiner Sommer­serie grabe ich im Archiv und stelle mir Noten aus. Hatte ich recht mit den Dingen, die ich vor zehn oder zwanzig Jahren behaup­tet habe? Heute: Musik­tausch­börsen und Napster.

Beitragsbild: Viel zu früh (?) von uns gegangen (Yep, Napster technically died in 2011 von James Allenspach/Flickr.com, CC BY-NC-SA 2.0).

Hier im Blog habe ich darüber berichtet, wie aus der Access-Datenbank mit meinen Artikeln eine schöne Archiv-Website geworden ist. Das gibt mir Gelegenheit, meinem zwanzig Jahre jüngeren Ich auf die Finger zu schauen: Was habe ich damals so geschrieben und für Behauptungen in die Welt gesetzt? Und wie bewertet sich das aus heutiger Sicht?

Nun, ich will nicht zu streng mit mir ins Gericht gehen. Oder vielleicht doch? Jedenfalls ist der Sommer eine gute Gelegenheit, einige dieser Perlen auszugraben und hier zu verlinken – mit viel, wenig oder gar keinem Kommentar. Das ist, nebenbei bemerkt, auch eine gute Gelegenheit für eine hübsche Sommerserie, mit der ich den Umstand vertuschen kann, dass ich in der nächsten Zeit nicht ganz so viel zu schreiben gedenke.

Die Premiere als Digital-Kommentator

Lasst uns diese Sommerserie mit einem Beitrag beginnen, der am 15. Mai 2000 erschienen ist und, falls ich mich nicht täusche, meine Premiere offizieller Kommentator im «Computer»-Bund des Tagesanzeigers war.

Zu verführerisch

Ob der ersten Worte bin ich erschrocken: «Ohne sich um Urheberrechte zu kümmern, laden Hunderttausende von Schmarotzern Musik aus dem Internet herunter, brennen diese auf CD und lachen sich ob der gesparten Franken ins Fäustchen.»

Das klingt fast so, als ob mich vorher ein Lobbyist der sog. Contentmafia™ ins Gebet genommen hätte. Natürlich habe und hatte ich immer Verständnis dafür, dass Künstler für ihre Arbeit auch bezahlt werden möchten. Aber die Napster-Nutzer gleich als gesetzlose Schmarotzer zu bezeichnen, ist etwas hart – und vor allem scheinheilig, da ich selbst diesen Programmen nicht komplett abgeneigt war.

Zum Glück stellt sich heraus, dass das bloss ein polemischer Einstieg war. Ich erläutere, dass es wichtig wäre, dass es nebst den illegalen auch ein legales Angebot geben sollte, das genauso komfortabel ist – oder idealerweise noch besser, schöner und benutzerfreundlicher.

Ich habe (fast) den iTunes Store vorweggenommen

Wie uns die Geschichte lehrt, hatte ich damit recht: Der iTunes Music Store und das Musikstreaming haben Napster und den anderen Tauschbörsen den Garaus gemacht. Aber damit der Auftakt dieser Sommerserie nicht gleich in Selbstbeweihräucherung ausartet, noch etwas Kritik. Ich fand damals auch die Leerdatenträgervergütung eine gute Sache. Das sehe ich heute dezidiert anders: Einfach auf Verdacht hin von den Leuten Geld zu nehmen, weil sie auf ihren Datenträgern auch Musik speichern könnten, ist fast genauso ungerecht, wie Musik ohne Rücksicht auf die Interessen der Musiker zu kopieren.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „«Diese Schmarotzer, die Musik aus dem Internet stehlen»“

  1. Als Nicht-Apple-Mensch hat mich das Angebot von 7digital zum Geld ausgeben gebracht, da man MP3 oder FLAC Dateien zum Download bekommt. Leider hält der ewige Spielverderber Geo-Blocking mich davon ab, noch mehr auszugeben.

Kommentar verfassen