Der Fensterputzer hat sich angemeldet

Die wichtigsten Neue­rungen des für September geplan­ten Updates von Windows 11 (Version 22H2) in einem ersten Augen­schein.

Die neue Version von Windows 11 rollt an: Sie trägt den Versions-Code 22H2 (Build 22621.317). Sie ist über das Windows Insider Programm mit der Option Release Preview erhältlich. «The Verge» vermutet, dass das Update anlässlich des zehnjährigen Geburtstags der Surface-Gerätereihe im September freigegeben wird.

Ich habe die besagte Release-Preview-Version von Windows 11 22H2 angesehen und einige sinnvolle (und nichtfunktionerende) Neuerungen entdeckt:

Snap Layouts

Die Funktion der Snap-Layouts ist nicht neu. Es gibt sie schon in Windows 10 und mit Windows 11 hat sie markante Verbesserungen erfahren. Sie dient dazu, mehrere Fenster anzuordnen, sei es nebeneinander, übereinander oder rasterförmig.

So praktisch die Funktion auch sein mag: Bisher musste man wissen, wie man sie verwendet, um von ihr zu profitieren. Wie in meiner ausführlichen Anleitung beschrieben, musste man wissen, dass die Auswahl der diversen Lyouts erscheint, wenn man den Mauszeiger für kurze Zeit über dem Maximieren-Knopf einer Anwendung verharren lässt.

Mit dem neuen Update wird das intuitiver: Wenn man ein Fenster per Maus verschiebt, erscheint am oberen Bildschirmrand eine Art Ausstülpung. Bewegt man nun das Fenster dorthin, rutscht diese Ausstülpung nach unten, und entpuppt sich als Auswahlmenü für die Snap-Layouts. Aus dem braucht man nur noch das gewünschte Layout auszuwählen, um die App in die entsprechende Grösse und Position zu versetzen.

Diese Leiste vereinfacht es, ein Fenster in eine Snap-Gruppe zu verschieben.

Das ist besser als vorher. Auch Nutzerinnen und Nutzer, die noch nie von den Snap-Layouts gehört haben, können sie auf diese Weise entdecken und Nutzen daraus ziehen.

Snap-Gruppen im App-Switcher

Auch die Snap-Gruppen gewinnen mit dem nächsten Update von Windows 11 merklich an Alltagstauglichkeit.

Eine Snap-Gruppe entsteht, wenn zwei oder mehr Apps nebeneinander platziert werden. Wie hier beschrieben, ist das praktisch, aber nicht zu Ende gedacht: Bislang erscheinen diese Gruppen zwar in der Vorschau der Taskleiste, nicht aber beim Programmwechsel per Tastatur: Im App-Switcher waren bislang nur die einzelnen Apps, nicht jedoch die Gruppe zu sehen.

Das ändert sich jetzt. Der klassische App-Switcher (Alt Tabulator) zeigt zwar nach wie vor nur einzelne Apps. Doch über die erweiterte Ansicht, die mittels Windows-Taste und Tabulator ( Tab) aufgerufen wird und mit der man auch zwischen den virtuellen Desktops wechselt, sind die Gruppen jetzt ersichtlich und auswählbar.

Über die Windows-Taste und Tabulator lässt sich eine App-Gruppe (oben links) als Ganzes aktivieren.

Ordner im Startmenü

Dejà-vu für iPhone-Nutzer: Auch im Windows-Startmenü sind nun Unterordner für Apps möglich.

Im Startmenü gibt es eine Neuerung, die Anwendern des iPhone und iPad bekannt vorkommen dürfte: Es ist neu möglich, Icons in Unterordner zu verschieben.

Es funktioniert genauso, wie man es von Apple her kennt: Zieht man ein App-Symbol per Maus auf ein anderes, gruppieren sich die automatisch zu einem Unterordner. Klickt man ihn an, erscheint der Inhalt und man hat die Möglichkeit, durch einen Klick auf den Titel eine Beschreibung festzulegen.

Informationen zum Microsoft-Konto

Dem Vorbild von Apple folgend, gibt es jetzt auch bei Windows in den Einstellungen eine prominente Verknüpfung zum Online-Account und den Cloud-Dienstleistungen des Unternehmens.

Man sieht auf einen Blick, welches Microsoft-365-Abo man gebucht hat und wann es abläuft. Auch die Auslastung des Onedrive-Speicherkontingents ist ersichtlich. Und natürlich gibt es auch die Möglichkeit, ein Konto-Upgrade auszuführen.

In den Einstellungen ist jetzt der Status des Microsoft-Kontos ersichtlich und man kann die laufenden Abos einsehen.

Weiter unten in der Liste findet man die Möglichkeit, sein Benutzerbildchen zu ändern, die Familien-Optionen einzurichten, den Bestellverlauf einzusehen und Abonnements zu verwalten. Und ja, auch wenn manche Leute es nicht schätzen, dass die Hersteller ihre Betriebssysteme derart eng mit der Cloud verbandeln, so ist es dennoch praktisch, diese Informationen zentral und schnell zugänglich zu haben.

Wie bei Apple gelangt man zu diesen Informationen, indem man in den Einstellungen auf sein Benutzerbild klickt (oder alternativ auf den Menüpunkt Konten).

Neue Optik für den Taskmanager

Der Taskmanager hat einen neuen Look bekommen.

Eine Reihe von Änderungen gibt es an der Optik der Windows-Oberfläche: Microsoft stellt die schrittweise von der Kachel-Optik von Windows 8 auf eine neue Bildsprache um, die Fluent Design genannt wird (Microsoft dreht das Rad zurück).

Das passiert aber nicht auf einen Rutsch, sondern schrittweise. Die auffälligste findet sich beim Taskmanager. Mit dem Update hat er nun die fürs Fluent Design typische Leiste am linken Rand, die eher an ein Menü denn an Tabs (Reiter) erinnert.

Dateifavoriten im Windows-Explorer

Im Windows-Explorer gibt es unterhalb des Schnellzugriffs neu einen Abschnitt Favoriten. Dort zieht man Dateien hin, die man ständig im Zugriff haben möchte: Das ist eine bessere Methode, als sie auf dem Desktop zu deponieren.

Im Datei-Explorer gibt es im Abschnitt «Favoriten» neu die Möglichkeit, Dokumente anzuheften.

Reiter für den Windows-Explorer

Eine der Funktionen, die Microsoft schon vor längerer Zeit in Aussicht gestellt hat, die aber bislang auf sich hat warten lassen, sind die Reiter für den Windows Explorer. Das Bedürfnis ist alt; ich habe schon 2018 eine entsprechende Shareware vorgestellt. Trotzdem ging in dieser Frage nichts vorwärts. Wenn ich eine Vermutung anstellen darf, was die Ursache für die Verzögerung ist, dann tippe ich darauf, dass diese Reiter nicht mehr zum optischen Konzept mit dem Fluent Design passen (siehe oben): Dort ist das Ziel, die eher altmodisch anmutenden Reiter zu ersetzen.

Nichstdestotrotz haben die Explorer-Reiter bei Windows 11 22H2 Einzug gehalten – theoretisch zumindest und auf halbherzige Weise. Halbherzig deswegen, weil man sie erst aktivieren muss. Und theoretisch aus dem Grund, weil in meinem Fall die Reiter nicht aufgetaucht sind, obwohl ich alles so gemacht habe, wie es an diversen Orten im Netz beschrieben wird.

Aber vielleicht habt ihr mehr Glück. Und darum hier die Anleitung:

Als erstes lädt man das Programm ViVeTool von Github herunter. Dann öffnet man die geladene ZIP-Datei und deponiert den Inhalt an passender Stelle, zum Beispiel im Windows-Programmordner.

Ist das passiert, startet man die Eingabeaufforderung mit Administratorrechten und gibt folgenden Befehl ein:

vivetool /enable /id:37634385

Hinweis: Wenn sich Vivetool nicht in einem Ordner innerhalb des Windows-Pfads befindet, muss man beim Aufruf den Pfad übergeben. Wenn man das Programm im Ordner Vivetool im Programmordner abgelegt hat, lautet er wie folgt:

"C:\Program Files\Vive\ViVeTool.exe" /enable /id:37634385

Nun führt man einen Neustart durch oder startet den Windows-Explorer via Taskmanager neu. Und wenn euch das Glück holder ist als mir, dann könnt ihr mit Ctrl t neue Tabs einrichten und Ordner via Kontextmenü in separaten Reitern öffnen.

Beitragsbild: Wenn er bloss nicht abstürzt (Johan Mouchet, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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