Noch vor Jahren war die maschinelle Übersetzung eine Lachnummer. Doch die Zeiten von blamablen Computerübertragungen sind vorbei: Trotz einer geradezu fiesen Aufgabenstellung liefern ChatGPT und Mistral Le Chat sich nur kleine Blössen.
Schlagwort: Sommerserie
In der Sommerserie kultiviere ich keine sauren Gurken, sondern die gepflegte Selbstkritik: Ich prüfe, wie gut oder schlecht meine Behauptungen, Prognosen und Analysen den Test der Zeit bestanden haben – und ich bin mir nicht zu schade, Fehleinschätzungen einzugestehen.
Verschenkte der Facebook-Chef vor 15 Jahren eine einmalige Chance, als er nicht wie erwartet eine Abogebühr einführte? Wären die sozialen Netze heute besser dran, wenn wir User nicht den Werbetreibenden zum Frass vorgeworfen worden wären? Die Antwort ist erstaunlicherweise ein Nein.
«Das Smartphone hat noch fünf Jahre» habe ich behauptet. Diese Prognose ist sechs Jahre alt. Und es stellt sich die Frage: Wie konnte es zu dieser grotesken Fehleinschätzung kommen?
Die Filmindustrie würde bald nur noch mit staatlichen Subventionen überleben, weil die interaktive Unterhaltung so viel attraktiver sei: Warum diese Behauptung schon immer Unfug war.
2002 hat Microsofts Chefentwickler bei uns seinen Masterplan vorgelegt, mit dem er seine Dominanz aufs Internet und die mobile Welt auszudehnen gedachte. Es ist nicht übertrieben, von einer epochalen Fehleinschätzung zu sprechen.
Eine steile These, die ich vor gut zwanzig Jahren aufgestellt habe: Die Welt braucht keine fotografierenden Mobiltelefone. Aus heutiger Sicht klingt sie absurd – auch wenn ich nicht komplett Unrecht hatte.
Hinterher ist man immer klüger: Das gilt auch für mich, nachdem ich vor zwanzig Jahren eine waghalsige These zur MP3-Revolution vom Stapel gelassen habe.
Wie lange dauert es, bis die Schweizer Medien von einem digitalen Phänomen Wind bekommen? Und gelingt es ihnen, dessen Bedeutung richtig einzuordnen? Zwei gegensätzliche Beispiele.
Vor 14 Jahren hat Apple den App Store fürs iPhone eröffnet. Meine Reaktion damals war unterkühlt – trotzdem ist bemerkenswert, was daraus geworden ist und welche Apps aus den Anfängen bis heute überlebt haben.
Auch wenn man es sich als Smartphone-Besitzerin kaum mehr vorstellen kann: Die ersten Digitalkameras boten keine Mega-, sondern bloss Kilopixel-Auflösung, hatten Kapazität für wenige Dutzend Fotos und kosteten ein kleines Vermögen.
Ich stelle mich ungeniert in die Reihe der «New York Times»-Kolumnisten, die neulich öffentlich einen eigenen Fehler eingestanden haben. Und ich erkläre: Ich lag falsch, als ich 2010 behauptet habe: «Apps sammeln Daten – na und?».
Moritz Leuenberger war einmal Blogger, und er eines schönen Tages hat er sich unter seinesgleichen gemischt. Heute komme ich nicht umhin zu bemerken, dass diese Karriere weniger lang gedauerte als seine Amtszeit im Bundesrat.