Wie ein Politiker seinen gefeierten Blogging-Bettel hingeworfen hat

Moritz Leuenberger war einmal Blogger, und er eines schönen Tages hat er sich unter seines­glei­chen gemischt. Heute komme ich nicht umhin zu bemerken, dass diese Kar­riere weniger lang gedauerte als seine Amts­zeit im Bundes­rat.

In meiner kleinen Sommerserie habe ich bisher die grossen Themen ausgelotet: Wie sich unsere Wahrnehmung und das Verständnis des Internets gewandelt hat und unsere Wokeness erwachte – solche Dinge.

Heute schlägt die Amplitude der Erkenntnis nicht ganz so weit aus. Ich greife auf ein Fundstück aus meinem Archiv zurück, das Seltenheitswert hat. Es dreht sich nämlich um einen Bundesrat. Nicht nur das: sogar um einen Magistraten, der ein Blog betrieben hat.

Dazu gleich mehr. An dieser Stelle aber erst der Hinweis auf einen Exkurs: „Wie ein Politiker seinen gefeierten Blogging-Bettel hingeworfen hat“ weiterlesen

Damals, als wir uns noch Liebes-E-Mails geschrieben haben

Das Inter­net hat die Part­ner­suche nicht einmal, son­dern mehr­fach verän­dert. In der Anfangs­phase, bevor es Messenger und Video­chat gab, hat es sogar für eine Renais­sance des Liebes­briefs geführt.

In meiner kleinen Sommerserie denke ich daran zurück, wie es war, als wir das Internet kennengelernt haben (und das Internet uns) – und wie wir nur langsam erahnt haben, dass es in sämtliche Lebensbereiche vordringen und viele Gewissheiten umstossen würde.

Apropos Kennenlernen: Auch das hat sich mit dem Internet verändert. Früher hat man sich bei der Arbeit oder im Restaurant getroffen. Oder man wurde von Bekannten oder Verwandten verkuppelt. Heute selektiert man die passenden Kandidaten mittels Tinder oder man vertraut sich den Algorithmen einer Dating-Plattform an.

Denn bekanntlich basiert deren Geschäftsmodell auf einer fragwürdigen Versprechung: „Damals, als wir uns noch Liebes-E-Mails geschrieben haben“ weiterlesen

Ich war in meinen jungen Jahren ein alter Sexist

In meinem Archiv habe ich einen Text entdeckt, der heute ein Garant für einen Shit­storm wäre. Was beweist, dass die gesell­schaft­liche Entwicklung manchmal noch schneller verläuft als die techno­logische.

Bis jetzt habe ich mich in der Sommerserie als Journalist mit prophetischen Fähigkeiten dargestellt: Ich habe vorausgesagt, wie das Problem mit Napster und der MP3-Piraterie zu bekämpfen wäre und sogar die Influencer habe ich am Horizont auftauchen sehen, als es längst noch kein Insta gab.

Doch heute geht es um eine Leistung, bei der sich mein Stolz in Grenzen hält. Oder, um es etwas weniger verblümt zu sagen: für die ich mich in Grund und Boden schämen sollte. Am 13. September 1999 ist der fragliche Artikel erschienen: „Ich war in meinen jungen Jahren ein alter Sexist“ weiterlesen

Wer hat den Influencer erfunden? Ich wars!

Sommerserie, Teil 2: Beim Blät­tern im Archiv bin ich auf einen Text gestos­sen, über man nur schmun­zeln kann – weil er von einer aus heuti­ger Sicht rühren­den Naivi­tät zeugt.

Manches von den Dingen, die ich vor zwanzig Jahren geschrieben habe, erschliesst sich mir heute nicht mehr so ganz. Zum Glück ist es selten so, dass ich meiner Argumentation nicht folgen könnte oder zum Schluss komme, dass ich etwas Wesentliches übersehen oder nicht verstanden hatte. Aber es kommt vor, dass ich die Relevanz infrage stelle. Wieso habe ich des Themas angenommen? Gab es nichts Wichtigeres?

Diese Frage erinnert mich daran, was es damals alles nicht gegeben hat:  „Wer hat den Influencer erfunden? Ich wars!“ weiterlesen

«Diese Schmarotzer, die Musik aus dem Internet stehlen»

In meiner Sommer­serie grabe ich im Archiv und stelle mir Noten aus. Hatte ich recht mit den Dingen, die ich vor zehn oder zwanzig Jahren behaup­tet habe? Heute: Musik­tausch­börsen und Napster.

Beitragsbild: Viel zu früh (?) von uns gegangen (Yep, Napster technically died in 2011 von James Allenspach/Flickr.com, CC BY-NC-SA 2.0).

Hier im Blog habe ich darüber berichtet, wie aus der Access-Datenbank mit meinen Artikeln eine schöne Archiv-Website geworden ist. Das gibt mir Gelegenheit, meinem zwanzig Jahre jüngeren Ich auf die Finger zu schauen: Was habe ich damals so geschrieben und für Behauptungen in die Welt gesetzt? Und wie bewertet sich das aus heutiger Sicht?

Nun, ich will nicht zu streng mit mir ins Gericht gehen. Oder vielleicht doch? „«Diese Schmarotzer, die Musik aus dem Internet stehlen»“ weiterlesen