Gut geeignet für Newshäppchen, nicht ganz perfekt fürs Nachrichten-Gelage

Niemand von uns sollte sich mit der erst­besten News-App zufrieden­geben. Darum gibt es hier einen weiteren Kandidaten zur Auswahl, wie man RSS am besten nutzt, nämlich die flinke iPhone-App Newsify.

Neulich habe ich den RSS-Reader Feedlab vorgestellt. Als Reaktion auf den Tipp hat mir Hugo Strassmann geschrieben, er verwende Newsify und sei damit zufrieden.

Klar, dass ich diese Antwort als Auftrag verstanden habe, mir Newsify anzusehen und hier zu besprechen. Denn RSS-Reader gehören zu jener Sorte Apps, bei denen man sich nicht mit dem erstbesten Treffer im Store zufriedengeben sollte: Nein, man sollte so viele Programme durchprobieren, bis man dasjenige gefunden hat, das einem wirklich zusagt. Dabei muss die App nicht nur die richtigen Funktionen bieten – sie muss vor allem auch blindlings zu benutzen sein.

Nur wenn man die eigenen Ansprüche mit den Bedienkonzepten konform gehen, macht die Nutzung Spass. Und Spass machen muss es, weil man eine RSS-App andauernd benutzt; wahrscheinlich sogar mehrmals am Tag. In die gleiche Kategorie gehören für mich übrigens die Notiz-App, das E-Mail, das CMS für die Website und die Textverarbeitung.

Mit dem Pro-Abo lassen sich Artikel zu unerwünschten Themen ausblenden

Es gibt Newsify kostenlos fürs iPhone und iPad, mit einigen In-App-Käufen, zum Beispiel zur Beseitigung der Werbung (drei Franken) und einem Pro-Abo für drei Franken pro Monat, mit dem die Artikel fürs Offline-Lesen synchronisiert werden, sich im Volltext durchsuchen lassen und Themen mittels Mute-Filter stummgeschaltet werden können. Das scheint mir absolut fair; aber ich habe vorerst die Gratisvariante getestet.

Die Inbetriebnahme der App ist unkompliziert: Nach der Verbindung mit meinem Google-Account, in dem meine Feedly-RSS-Abos stecken, erscheinen alle meine Inhalte auch schon. Nebst Feedly lassen sich auch Newsify-Konten verbinden.

Die Organisation der Benutzeroberfläche ist nicht überraschend: Durch Wischen von links nach rechts oder via Menü erscheinen die Kategorien, in die man seine Feeds eingeteilt hat. Man kann sie einzeln auswählen oder antippen, wenn man eine einzelne, im Ordner enthaltene Quelle einsehen will – dafür muss aber in den Einstellungen, zu denen ich weiter unten noch mehr schreibe, die Option Open Folder as > Subscription List eingeschaltet sein. Via All items in ihrer Gänze durchblättern. Es gibt auch die Auswahlmöglichkeiten Unread Items für die ungelesenen Beiträge und Starred Items für die mit Sternchen markierten.

Gut für eine überschaubare Anzahl an News-Beiträgen

Mit dieser Listenansicht sieht man nicht einmal zwei Artikel aufs Mal.

In der Liste mit den Beiträgen erscheint gross das Beitragsbild, darunter der Titel und der Textanriss. Diese Darstellung eignet sich gut, um die Texte anzulesen oder lückenlos abzuarbeiten.

Ich tue das nicht: Ich habe normalerweise Hunderte, wenn nicht Tausende ungelesener Beiträge in meiner Liste. Das allermeiste davon bleibt ungelesen und wird höchstens kurz überflogen. Wenn es hochkommt, öffne ich jeden zehnten Text – erstens, weil es gar nicht anders geht, zweitens, weil ich auch viele Nachrichtenquellen abonniert habe, von deren Output mich nur ein kleiner Teil interessiert. Nebenbei bemerkt, dürfte das auch bei 99 Prozent der Leserinnen dieses Blogs der Fall sein: Ich habe so eine breite Palette an Themen, dass ich es niemandem übel nehme, der sich bei mir als Rosinenpicker betätigt.

Für diese Nutzungsweise ist die Darstellung – sie heisst Large View – nicht optimal: Selbst auf dem iPhone Pro Max sieht man nur anderthalb Beiträge. Ich muss somit viel scrollen, um meine Liste abzuarbeiten.

Schnell durch grosse Nachrichtenmengen pflügen

Die Newspaper-Ansicht zeigt ungefähr sieben Beiträge aufs Mal.

Es gibt zum Glück eine kompaktere Darstellung namens Newspaper View, die auf einer Bildschirmseite ungefähr sieben Artikel zeigt, und zwar als hübsche, Magazin-hafte Darstellung mit Titelbild und Titel. Um zu dieser zu wechseln, tippt man rechts oben auf den Menüknopf und betätigt Switch View. In diesem Menü befinden sich auch die Befehle Mark all as read und Mark previous as read.

Es gibt eine dritte Ansicht, die Table View, in der knapp sechs Beiträge in Listenform, mit Bild, Titel und einem kurzen Anriss zu sehen sind. Auch die ist absolut brauchbar. Die gewählte Darstellungsform wird für alle Kategorien verwendet. Ich schätze es, wenn man bei einem RSS-Reader die Darstellung pro Kategorie einstellen darf: Dann wähle ich für jene Quellen, die ich gründlicher ansehen will, eine grössere Darstellung und für die Inhalte, die ich bloss überfliegen will, eine, die viele Artikel aufs Mal zeigt.

Die Leseansicht lässt sich vielseitig anpassen.

Tippt man einen Beitrag an, wird er in der Vorschau geöffnet; normalerweise umfasst die Titel, Beitragsbild und Vorspann. Wenn man den Link Read More (Weiterlesen) betätigt oder oben rechts auf das Globus-Symbol tippt, erscheint der Artikel in voller Länge als Webview. Es gibt neben dem Globus-Symbol auch ein Seiten-Symbol, über das man den ganzen Artikel im Lesemodus öffnet, also ohne die Original-Formatierungen, die Navigation, Werbung und das Drumherum. Eine weiterer Knopf bringt Formatierungsbefehle für die Leseansicht, in der man Schriftgrösse, Zeilenabstand, Farbgebung, Nachtmodus und Schriftart festlegt. So weit, so sinnvoll.

Direkt zur Originalansicht geht nicht

Praktisch wäre, wenn man direkt aus der Übersichtsliste zur Originalansicht wechseln könnte. Das geht, soweit ich herausgefunden habe, nicht. In der Liste hat man die Möglichkeit, durch etwas längeres Antippen den Beitrag als gelesen zu markieren und durch Wischen von rechts nach links das Favoriten-Sternchen zuzuweisen.

In den Optionen gibt es die Option Go Back/Open in Web Browser; aber die bezieht sich auf die Vorschau eines einzelnen Beitrags. Mit ihr erscheint durch Wischen von rechts nach links das Original.

Noch kurz zu den Einstellungen: Über das Menü und das Zahnrad-Symbol gibt es eine Reihe weiterer Optionen: Der Auto Night Mode regelt, wann der dunkle Modus verwendet wird. Das kann man entweder über die Bildschirmhelligkeit oder aber über die Voreinstellung bei im Betriebssystem tun. Man stellt ein, wie die Artikel sortiert werden (chronologisch auf- oder absteigend oder nach Quelle), gibt an, wie Links geöffnet werden und ob die App den Modus im Querformat unterstützt oder nicht – plus eine Reihe von weiteren Möglichkeiten, wie zum Beispiel, ob das App-Icon die Zahl der ungelesenen Beiträge anzeigt oder nicht.

Synchronisation per WLAN oder Mobilfunknetz

Eine Reihe von Optionen gibt es auch zur Synchronisation, insbesondere zur Zahl der abgeglichenen Elemente und zur Zeit, wie lange die Beiträge aufbewahrt werden. Und natürlich legt man fest, ob nur via WLAN oder auch übers Mobilfunknetz ein Abgleich stattfinden soll.

Fazit: Newsify tut, was es sollte. Die App wirkt flink und etwas weniger überladen als eine andere RSS-App für iOS, nämlich Lire RSS, die ich seinerzeit hier besprochen habe – aber auch das liegt natürlich im Auge des Betrachters. Auf alle Fälle befriedigt man sein Informationsbedürfnis schneller als mit einer reinen Webapp wie Feedly.

Beitragsbild: Von zuviel News gibt es kein Sodbrennen – aber womöglich Kopfschmerzen (Rumman Amin, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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