Den Browser entlasten

Immer mehr Reiter, eine stets wachsende Sammlung an angehefteten Websites und immer weniger Überblick: da musste etwas passieren. Darum habe ich einige Aufgaben von Firefox an Windows-Apps ausgelagert.

Der Browser ist in den letzten Jahren immer mehr ins Zentrum meiner Arbeit gerückt. Der grösste Teil meiner Berufs besteht auf Recherche und Schreibarbeit; und beides verrichte ich in Firefox. Informationen sammle ich, wenn nicht in der direkten Kommunikation, dann im Web; die Textarbeit leiste ich in mehreren Content-Management-Systemen.

Das hatte zur Folge, dass es bei mir in Firefox immer mehr angeheftete Reiter gab. Irgendwann waren am linken Rand meiner Reiterleiste fast ein Dutzend Websites angepinnt. Bei meinem alten Computer – der acht, und nicht wie der neue PC 32 GB RAM hatte – war das allein aus Ressourcen-Gründen keine gute Idee.

Doch auch wenn der Computer die Reiterflut verkraftet, ist es fraglich, ob man sich selbst nicht zu viel zumutet: Es ist schwieriger, die offenen Reiter per Tastatur (mittels Ctrl Tabulator) durchzublättern. Es scheint mir auch eine Quelle für Stress zu sein.

Und ja, ich weiss, dass das nur eine Vermutung ist, die ich nicht belegen kann. Aber bei einer Sache bin ich mir ziemlich sicher: Ich funktioniere besser, wenn ich nur diejenigen Informationen vor Augen habe, die ich unmittelbar brauche – und nicht alles, was irgendwie relevant sein könnte. Darum komme ich nach wie vor mit einem nach heutigen Standards winzigen Bildschirm zurecht.

Klar, man könnte auch einen riesigen Monitor kaufen

Ich brauche somit keinen Monitor, auf dem alles zu sehen ist, was irgendwie relevant sein könnte. Stattdessen ist es wichtig für mich, dass ich Informationen sofort hervorzaubern kann, wenn ich sie benötige. Anwendungen, die ich nicht unmittelbar beanspruche, habe ich meistens minimiert. Denn wenn ich sie brauche, hole ich sie schnell und unkompliziert mit Alt Tabulator zum Vorschein.

Dieser Logik folgend, habe ich angefangen, angeheftete Reiter abzulösen. Die folgenden Webanwendungen haben ihren Stammplatz verloren:

Facebook

Warum ich Mark Zuckerbergs famoses soziales Netzwerk jemals angepinnt habe, ist mir heute nicht mehr klar. Es ist offensichtlich, dass es bloss ablenkt. Es gibt keinen Grund, es im direkten Zugriff zu haben. Es reicht, morgens und abends kurz reinzuschauen.

Der Google-Kalender

Meine digitale Agenda ist nicht überflüssig geworden – sosehr ich mich darüber auch freuen würde. Aber Google Calendar brauche ich nicht mehr im Browser. Die Kalender-App, die bei Windows 10 und 11 mit dabei ist, erfüllt ihren Zweck. Sie ist zwar nicht das Gelbe vom Ei und hat diverse Mankos – das grösste besteht aus meiner Sicht darin, dass es nicht möglich ist, für einen Termin mehr als eine Erinnerung einzurichten. Aber da ich die Termine meistens am iPhone erfasse, ist das verkraftbar.

Slack

Wenn auf Slack Hochbetrieb herrscht, das Fenster in schmaler Form im Auge behalten.

Zu den Gewinnern der Pandemie gehört ohne Zweifel dieser Messanger-Dienst, der für meine Arbeit nicht mehr wegzudenken ist. Er fungiert für die offizielle Kommunikation und genauso als Flurfunk.

Ich habe ihn lange Zeit über den Browser benutzt, was den Zweck erfüllt. Aber die Web-Anwendung schluckt enorm viele Ressourcen. Und in Phasen intensiver Kommunikation wird man ständig in seiner Arbeit unterbrochen, selbst wenn man nur kurz nachsehen muss, ob eine Mitteilung unmittelbare Aufmerksamkeit erfordert oder so lange aufgeschoben werden kann, bis die unmittelbare Aufgabe erledigt ist. Für diesen Zweck lohnt es sich, die App in einer Ecke offenzuhalten – was am Mac am einfachsten via Magnet und unter Windows über ein Snap-Layout möglich ist.

Aus diesem Grund lohnt sich die Installation der Slack-App, die im Microsoft Store und im Mac-App-Store zu finden ist.

Twitter

Der Kurznachrichtendienst ist nicht ganz so aufdringlich wie Facebook – und er hat im Gegensatz zur «blauen App» auch für die produktive Arbeit einen Nutzen. Im Browser ist er dennoch eine Quelle der Ablenkung. Auch fürs Twittern lohnt sich die Installation einer dedizierten App.

Eine naheliegende Wahl ist natürlich die offizielle App, die im Microsoft-Store und im Mac-App-Store verfügbar ist.

Ein heisser Tipp: Tweeten ist Tweetdeck für Windows

Es gibt auch eine Reihe von Apps von Drittherstellern. Eine, die mir für Windows ausgezeichnet gefällt, heisst Tweeten: Wie man es von Tweetdeck her kennt, hat man mit dieser App mehrere Spalten. Standardmässig erscheinen die Zeitleiste, die Erwähnungen und die Direktnachrichten.

Tweeten: Eine native Windows-App, die an Tweetdeck erinnert.

Es stehen aber viele weitere Spalten zur Verfügung: ein bestimmter Nutzer, die Suche, eine Liste, Sammlungen, die trendenden Tweets, Likes, Follower, Erwähnungen und Aktivitäten. Das hilft, sich als Social-Media-Manager zu fühlen oder so zu gebärden.

Beitragsbild: Lieber eine glatte Meeresoberfläche als eine Informationsflut (Jacob Sapp, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „Den Browser entlasten“

  1. Mit Erscheinen des chrombasierten Edge von MS habe ich die Funktion entdeckt, dass man aus jeder beliebigen Webseite eine „App“ machen kann. Seither habe ich alles, das ich immer wieder im Browser länger offen hatte, in eine App verwandelt. Vorteil? Ich kann das auf die schnelle über den Ueli Launcher in einem separatem Fenster öffnen. Ich brauch keine App, die regelmässig einen Update braucht und ich kann das auch für Sites verwenden, die keine eigenen Apps haben.

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