Wie das Internet deine Arbeit macht

Es gibt viele tolle Webdienste. Doch die verrichten ihr Werk meist isoliert, ohne mit anderen tollen Services im Web zu kooperieren. Schuld an diesem Zustand ist wahrscheinlich der alte Charles Darwin. Er, bzw. Herbert Spencer, hat beschlossen, dass der Tüchtige und nicht der Kooperative überlebt. Und seitdem scheint das eine gemachte Sache zu sein. So gibt es denn viele Datensilos im Web, aber nur wenige Schnittstellen, mit denen man die Anwendungen zu harmonischer Zusammenarbeit bewegen könnte.

Nun, es gibt Versuche, diese Dienste zum Zusammenwirken zu zwingen. Respektive einen Austausch von aussen herbeizuführen. Mit der Hilfe von Dritten werden Web-Anwendungen zusammengestrickt, selbst wenn sie von Haus aus keine Verbindungsaufnahme ermöglichen. Ein Beispiel, das ich in diesem Blog öfters angeführt habe, ist If this then that. Nach dem Prinzip Wenn (am einen Ort) das passiert, mache (am anderen Ort) jenes richtet man Automatisierungen ein: Wenn Iftt, dann Zeitersparnis, habe ich die Sache seinerzeit auf den Punkt gebracht. Ich nutze beispielsweise einen persönlichen Twitter-Bot. Und logge auch Arbeitszeiten mittels Ifttt.

Eine interessante Anwendung ist auch Ellp, die, wie hier beschrieben, das Ifttt-Prinzip auf Windows überträgt. Wobei man das im Präteritum formulieren müsste: Im Oktober 2018 hat das Unternehmen aufgegeben. Man kann die Software noch weiter benutzen, doch sie wird nicht mehr fortgeführt.

Im Netz feiert das Ifttt-Prinzip allerdings fröhliche Urständ.  Ich bin neuerdings einem Dienst namens Integromat begegnet, der etwas ganz ähnliches tut. Und bei der Suche nach den Gemeinsamkeiten und den Unterschieden zu Ifttt habe ich entdeckt, dass auch Zapier und Microsoft Flow ähnliche Mechanismen bereitstellen.

Welchen sollte man also ausprobieren bzw. nutzen? Einen Vergleich von dreien (ohne Integromat) habe ich bei Medium gefunden: Demnach ist Ifttt der einfachste. Hübsch, aufgeräumt und schnell zu erlernen. Man kann nur einzelne Aktionen ausführen und keine Berechnungen anstellen.

Zapier ist umfangreicher und für komplexere Abläufe gerüstet. Und Microsoft Flow ist, wen wundert es?, noch mehr auf Leistung getrimmt. Man kann For-Each- und Do-While-Schleifen ausführen und Office 365 und OneDrive steuern. Doch man muss einen grösseren Lernaufwand betreiben und sich einarbeiten.

Einen Vergleich hält auch Integromat bereit. Der soll natürlich die Überlegenheit herausstreichen; doch die Fakten sollten trotzdem stimmen.

Nach dieser Übersicht unterstützt Zapier die meisten Dienste (mehr als 1000), Ifttt 600 und Microsoft Flow und Integromat jeweils um die 250. Ifttt ist der einzige der vier Diensten, der nicht direkt mit Dateien arbeiten kann. Integromat streicht auch die Fähigkeit heraus, Texte parsen zu können, skalierbare Grafiken zu erzeugen und ähnliche Dinge.

Mein erster Eindruck von Integromat bestätigt jedenfalls das Bild: Das ist Ifttt, aber mit mehr Möglichkeiten und zusätzlicher Komplexität. Meldet man sich an, wird man mit einem der nahe liegendsten Anwendungsfälle konfrontiert: Man wertet einen RSS-Feed aus, um neue Beiträge auf einer Website als Mail zu versenden. Ein selbstgebastelter Newsletter für Sites, die keinen Newsletter anbieten.

Integromat leitet neue Blogbeiträge an mehrere Ziele weiter.

Integromat hat, wie Ifttt, eine ansprechende Optik. Auf den ersten Blick sieht alles auch ähnlich simpel aus. Doch wenn man ein bisschen herumklickt, entdeckt man an allen Ecken und Enden Möglichkeiten, die weit über Ifttt herausgehen. Ein paar Beispiele – denn komplett durchdrungen habe ich Integromat noch längstens nicht:

Man kann an eine Aktion weitere Aktionen anhängen. Dann würde das Mail noch weiterverarbeitet, wobei mir dazu gerade kein gutes Beispiel einfällt.

Naheliegender ist daher, mit einem Trigger (Auslöser) mehrere Aktionen zu starten. Bei dem erwähnten Szenario könnte man ein neues Feed-Item nicht nur als  Mail verschicken, sondern auch als Tweet absetzen. Dazu setzt man einen Router in den Ablauf: Das ist eine Verzweigung, über das das Feed-Item nicht nur eine Mail-, sondern auch eine Twitter-Aktion zur Folge hat.

Der Trigger, im Beispiel der RSS-Feed, stellt allerlei Variablen zur Verfügung, die man für die Aktionen auswerten kann. Man hat automatisch Variablen für Titel, Beschreibung, Zusammenfassung, Autor und viele weitere Dinge zur Verfügung. Man kann einen Tweet zum Beispiel wie folgt über Versatzstücke zusammenschustern:

[Autor] hat am [Date updated] auf [Source] den Artikel [Title] geschrieben: [Summary]. Den ganzen Beitrag gibt es unter [URL]. Wenn man möchte, arbeitet man mit Funktionen oder hängt ein eigenes Bild an den Tweet.

Das fühlt sich schon fast ein bisschen nach programmieren an.

Nun gibt es noch viele weitere Möglichkeiten: Man kann zwischen Trigger und Aktionen Filter einbauen, die Aktionen nur unter bestimmten Umständen auslösen. Und dann gibt es auch Aggregators, Iterators, Cycles, Fehlerbehandlung (Error Handling) und ein paar Dinge mehr, die ich an dieser Stelle nicht beschreibe, weil ich kein Fachbuch, sondern nur einen Blogbeitrag verfassen möchte.

Fazit: Für meine Bedürfnisse reicht Ifttt meistens aus. Aber natürlich fallen einem ausgeklügelte Szenarien ein, wenn man um die Vielfalt der Möglichkeiten bei Integromat weiss. Aktionen, die nur bei Mails von einem bestimmten Absender ausgelöst werden. Komplexere Workflows, bei denen ein Screenshot in einer reduzierten Auflösung bei WordPress platziert und in der vollen Auflösung via Dropbox archiviert wird. Automatisches Konvertieren und Archivieren von Dateiformaten. Das scheint, wenn man diesem Blogpost hier glauben darf, alles möglich zu sein.

Integromat ist in der Basisnutzung kostenlos. Man hat dann 1000 Operations pro Monat und 100 MB Datentransfer frei. Die Aktionen werden in einem Intervall von 15 Minuten ausgeführt. Benötigt man mehr, bezahlt man zwischen 9 und 299 US-Dollar pro Monat. Für den teuersten Platinum-Preisplan gibt es 800’000 Operatons, 220 GB Datenvolumen und ein Intervall von 1 Minute.

Beitragsbild: Hier greift ein Rädchen ins andere (Digital Buggu/Pexels, CC0)

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „Wie das Internet deine Arbeit macht“

  1. Danke für den Tipp, Integromat kannte ich noch nicht! Sieht sehr vielversprechend aus.

    Für ebenfalls erwähnenswert halte ich Azure Functions, AWS Lambda und Google Cloud Functions. Alle machen im Prinzip das Gleiche: man kann mit ihnen ein Stück Software in der Cloud ausführen lassen. Entweder zeitgesteuert oder per HTTP-Request. Die unterstützten Sprachen sind unterschiedlich und reichen von C# über JavaScript bis zu Python. Bei allen sind mindestens eine Million Aufrufe im Monat kostenlos.

    Das ist natürlich einiges komplexer als IFTTT & Co., da man die Anbindungen an externe Dienste selbst schreiben (bzw. Beispielcode verwenden) muss. Dafür ist man total flexibel. Azure Functions läuft naheliegenderweise auf Windows. Man kann deshalb auch eine (Kommandozeilen-)EXE hochladen und ausführen.

    Die Funktionen sind ein Zwischenschritt zwischen Standarddiensten und einem eigenen virtuellen Server. Sie brauchen im Gegensatz zum Server keine regelmässigen Updates und sind hoch skalierbar.

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