Mein Netflix-Abo hängt seit zwei Jahren am seidenen Faden. Das Angebot wird dünner, der Preis dafür ständig höher. Doch Reed Hastings schaffte es, meinen Klick auf den Cancel-Knopf noch einmal abzuwenden.
Das ist das Verdienst einer Serie, die der Streamingbetreiber nicht selbst produzierte, sondern von Hulu lizenzierte. Sie zeichnet sich durch eine gut gelungene Balance zwischen Klamauk, Gewalt, Humor und Popkultur-Referenzen aus, die mir mehr Spass macht, als ich es für opportun halte.
Denn schon in der ersten Folge gibt es eine Szene zu begutachten, die niveaumässig zwischen American Pie und Superbad (Eine Latte von schlechten Filmen) angesiedelt ist: Der Held, Josh Futturman (Josh Hutcherson) belohnt sich mit etwas körperlicher Selbstliebe, nachdem er ein scheinbar unschlagbares Videospiel zu Ende brachte. In dem Moment tauchen die beiden Hauptfiguren aus besagtem Videospiel auf, weil dieses Game eigentlich ein Rekrutierungsinstrument für Kämpfer gegen das Böse ist. In der Folge bekommt Wolf (Derek Wilson) die Ladung ab, die eigentlich seinem weiblichen Vorgesetzten, Tiger (Eliza Coupe) gegolten hatte.

Das Gegenteil von Adam Sandler
Ja, das ist so pennälerhaft, wie es sich anhört. Doch im Gegensatz zu den Brachial-Provokationen von Adam Sandler und Konsorten erweckt diese Schauspieltruppe keine maximale Fremdscham, sondern eher den Eindruck, dass uns selbst derlei Dinge passieren könnten – und wir uns dennoch verzeihen würden, weil sie eben menschlich sind. Josh steht mit einer Mischung aus Trotz und Stolz zu seinen Schwächen und zur Tatsache, dass er kein Superheld ist, sondern in diesem Weltkonzern bloss die WCs putzt.
Auch den anderen Figuren gestehen die Macher eine Persönlichkeit mit mehreren Facetten zu. Besagter Wolf ist erst das Klischee eines Soldaten, der nur Gewalt als Problemlösungsstrategie kennt. Doch mit ungelenkem Charme mutiert er innert ein paar Filmminuten zum begnadeten Koch und Confiseur. Auch das ist natürlich überzeichnet. Doch es funktioniert, weil hier auch die Unernsthaftigkeit hingebungsvoll und aufrichtig betrieben wird – wenn schon in der ersten Folge der Rassismus der 1960er-Jahre an den Pranger gestellt wird, wie es sich Back to the Future niemals traute.

«Blapple», der von zwei Seiten angebissene Apfel
Apropos: Diese Serie wendet erfolgreich den alten Trick an, uns mit unzähligen Anspielungen ein Gefühl von Vertrautheit und seliger Nostalgie zu verschaffen. Das Videospiel als Tor zu einer anderen Welt kennen wir von «The Last Starfighter», «Ender’s Game» und «Armada». Wenn sich Josh nach seiner Reise in die Vergangenheit bei einer Party mit dem Moonwalk aus der Affäre zieht und einer seinen Cousin Michael anruft, ist das natürlich eine Ehrerbietung an Marty McFly, der mit seiner Interpretation von Johnny B. Goode einen Mann namens Chuck auf Ideen brachte.


Ich bin mir sicher, längst nicht alle popkulturellen Bezüge mitbekommen zu haben. Es steckt eine Prise Terminator im Mix. Minority Report wird wörtlich erwähnt und auf der Metaebene wäre zu erwähnen, dass Josh-Mime Josh Hutcherson als Peeta Mellark in den Hunger Games auftrat.
Fazit: Dem Klamauk zum Trotz funktioniert diese Serie, weil auch den Erfordernissen der Zeitreise ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt wird. Josh macht sich – ganz der Nerd, der er ist – Gedanken darüber, was seine Eingriffe in die Vergangenheit in der Gegenwart für Auswirkungen haben könnten. Da er an der Party des schwarzen Verbindungshauses am MIT sein Smartphone verlor, wandelt sich der Computerkonzern Apple zu Black Apple oder kurz «Blapple». Das ist schon sehr lustig.
Future Man ist kein Meilenstein in der Geschichte des Fernsehens und auch nicht die Rettung des Netflix-Katalogs. Aber als Unterhaltungsangebot gibt es (zumindest an der ersten Staffel, die ich bis jetzt gesehen habe) nichts auszusetzen. Ausser natürlich der Tatsache, dass die Gewalt zwar videospielhaft, aber doch gar brutal inszeniert wurde.

„Das Videospiel als Tor zu einer anderen Welt kennen wir“ auch von Star Gate Universe, wo Eli durch das Lösen des Games auf die Destiny kommt!