Der letzte Neuzugang in unserem Gadget-Zoo ist die Garmin Index S2 Smart Scale (um die 150 Euro bei Amazon bzw. 120 Franken bei Digitec)¹. Es handelt sich, wie der Name verrät, um eine smarte Waage. Der Grund für diese Anschaffung liegt nicht in kulinarischen Exzessen über die Feiertage begründet – nein, nicht nur ich, sondern auch die meisten Mitglieder der erweiterten Familie haben sich diesbezüglich am Riemen gerissen. Wobei, zugegebenermassen, auch das ein Anlass für eine solche Anschaffung sein könnte: Weil das Gerät den Grad der Selbstkontrolle in Form von objektiven Zahlen und Messverläufen wiedergibt.
Die erste Frage, die wir uns vor einer solchen Anschaffung stellen sollten, lautet: Muss dieses Gadget wirklich smart sein? Würde eine unvernetzte Waage den Zweck nicht genauso gut erfüllen? Meinetwegen ein analoges Modell, das keine Messung mit Dezimalstelle liefert, sondern eine Grössenordnung – oder eine Art Gewichtskategorie?
Ich will auf diese Frage keine eindeutige Antwort geben. Die komplizierte Inbetriebnahme spricht klar den nichtsmarten Weg. Aber da ich dazu neige, Zahlen augenblicklich wieder zu vergessen, würde eine wesentliche Funktion wegfallen: nämlich die Beobachtung über die Zeit. Natürlich könnte ich mir das Resultat auf einen Zettel schreiben. Aber dieser anachronistische Weg kommt für mich als bekennendem Nerd nicht infrage. Und eben: Meinen Hang zur Selbstvermessung pflege ich seit einem Dutzend Jahren.
Ohne Smartphone und App läuft nichts
Darum also die smarte Waage. Dieses Produkt funktioniert erst dann, nachdem es mit der App verbunden wurde. Ich würde eine hybride Funktionsweise vorziehen. Das heisst: Wenn die Waage mit der App gekoppelt ist, liefert sie die Daten dort ab. Falls nicht, funktioniert sie auf herkömmliche Weise und zeigt die Werte bloss an, ohne sie zu speichern oder weiterzusenden.

Bei der Inbetriebnahme muss beachtet werden, dass die Waage über die App eingerichtet wird. Mein Versuch, sie via Bluetooth mit dem iPhone zu koppeln, funktionierte nicht. Naheliegenderweise, denn die Datenübertragung funktioniert per WLAN. Das heisst: Wir öffnen am Smartphone die Garmin-App, in der wir die Zugangsdaten fürs heimische Datennetz hinterlegen. Das ist einerseits sinnvoll, weil wir das Smartphone nicht in der Nähe haben müssen, um eine Messung vorzunehmen. Andererseits ist das Prozedere umständlich. Seit dem Anfang der Zehnerjahre sprechen wir über das Internet der Dinge. Genügend Zeit, damit das längst einfacher funktionieren müsste. Nebenbei: Index S2 benötigt ein 2,4-GHz-Netz. Warum ist 5 GHz nicht längst Standard?
Die Waage kann von bis zu 16 Leuten benutzt werden. Mein Gerät ist mit drei Personen verbunden, die automatisch auseinandergehalten werden. Die User werden in der Garmin-App des Hauptbenutzers hinzugefügt und müssen ein eigenes Garmin-Connect-Konto besitzen. Da die Waage wie erwähnt die Messwerte via WLAN direkt in die Cloud schickt, ist das unvermeidlich. Was für uns heisst, dass wir uns damit abfinden müssen, dass diese Daten im Internet landen. Wem das nicht zusagt, der ist mit der von mir verpönten analogen Herangehensweise mit Bleistift und Block besser bedient.
Zu den Feinheiten: Die Waage misst nicht nur das Gewicht, sondern gibt auch den BMI, den Körperfettanteil, die Skelettmuskelmasse, die Knochenmasse und das Körperwasser an. Muss man diese Werte kennen?
Muskeln statt Fett
Nein, natürlich muss man nicht. Sinnvoll sind sie bei ernsthafter sportlicher Betätigung: Dann kann es sein, dass das Gewicht hochgeht, weil wir zwar Fett abbauen, aber das durch die neu erworbene Muskelmasse überkompensiert wird. Wenn wir nur die Angabe in Kilogramm sehen, wären wir frustriert. Der Rückgang beim Körperfettanteil zeigt uns den Grund und führt uns vor Augen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Womit wir beim Fazit sind: Die Index S2 Smart Scale ist eine Waage für Leute, die unter Sport mehr verstehen, als beim Verdauungsspaziergang das Tempo zwischenzeitlich etwas anzuziehen. Und sie passt auch für Nerds, die zwar nichts von Bewegung halten, dafür aber umso mehr Freude an Datensätzen, Kurven und Diagrammen haben.
Fussnoten
1) Wie sich zeigt, sind die Preise massiv gestiegen, seit ich die Waage kaufte. Ich vermute einen saisonalen Effekt: Manche Leute hatten das Gefühl, über die Weihnachtstage an Gewicht zugelegt zu haben, und wollten sich Gewissheit verschaffen – und dann spielte das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Die Waage ist qualitativ gut genug, um nicht bloss zum Schnäppchenpreis gekauft zu werden. Aber meine Vermutung wäre, dass der Preis wieder sinkt, wenn wir den Januar und die guten Vorsätze hinter uns gelassen haben. ↩
Warum sollte 5 GHz Standard sein?
Die meisten IoT Geräte übertragen nur winzige Datenmengen.
2,4 GHz hat einerseits eine höhere Reichweite, andererseits auch eine bessere Durchdringungswirkung, damit ist es stabiler und kommt auch mit weniger Leistung aus. Übertragungsgeschwindigkeit ist eben bei den kleinen Datenpaketen nicht wichtig.
Bei der Waage, die ich auch habe, fällt es vermutlich wenig ins Gewicht, aber Wifi-Module mit 5 GHz sind eben auch teurer. Der nicht vorhandene Vorteil würde daher viele Geräte unnötig verteuern.
Interessant wäre, wie genau die Messwerte sind. Körperfettanteil, Skelettmuskelmasse, Knochenmasse und Körperwasser werden eh nur errechnet und nicht gemessen.
Daumen hoch