Klassisches tragbares Radio mit Kassettenrekorder und Lautsprechern. Bedienknöpfe und FM/AM-Tuner sind sichtbar.

Einfacher als zu Radio-24-Zeiten

Mit der Macro­wave-App braucht es nur einen Mac, eine In­ter­net­ver­bin­dung und ein paar Klicks, um mit der eige­nen Ra­dio­show welt­weit on­line zu gehen.

Tolle App – aber nerviges Preismodell. Das ist mein leider durchwachsenes Fazit nach dem Test der Macrowave-App.

Ihre Dienstleistung ist simpel und einleuchtend: Sie fungiert als digitale «Sendeantenne» und strahlt das Audiosignal unseres Mac ins Internet, wo unser Radioprogramm weltweit empfangen werden kann. Unser Publikum verwendet wiederum die Microwave-App im Receiver-Modus, die es für diesen Zweck auch fürs iPhone gibt. Die Wiedergabe ist genauso gut via Browser möglich¹, sodass auch Zuhörerinnen und Zuhörer mit anderen Betriebssystemen in den Genuss unserer Darbietung kommen. Im Test klappte es mit Windows und dem Android-Telefon. Nicht möglich war der Empfang über die Tune-in-App.

Mit ein paar Klicks live gehen

Schwarzes Radio-Interface mit Displaytext: «Nerdfunk around the Cl... System Audio. 1 Listener. The best Nerdshow, nonstop!» Knöpfe für «On Air» und Lautstärke. Markenname: «Macrowave Radio Broadcaster».
Der Sender strahlt alles aus, was am Mac zu hören ist.

Der grosse Pluspunkt der Macrowave-App ist die einfache Benutzung: Über einen Schalter in der rechten oberen Ecke wechseln wir zwischen dem Modus als Empfänger (Receiver) und Sender (Broadcaster). Um On-Air zu gehen, betätigen wir den gleichnamigen Knopf.

Ist die Taste mit dem Kabel gedrückt (System Audio), wird das Signal ausgestrahlt, das am Mac selbst zu hören ist². Es ist gleichgültig, ob das von Spotify, iTunes der Musik-App, einem Browser oder einer ausgewachsenen DJ-App stammt. Nettes Detail am Rand: Je nach Quelle schickt die App auch den Namen von Song und Interpret mit.

Wenn wir statt Musik lieber ein Talk-Radio betreiben, drücken wir den Mikrofon-Knopf. Die Quelle während der Live-Sendung zu wechseln, hat bei meinem Test nicht funktioniert. Für ein moderiertes Programm empfehle ich daher eine App, die Audio-Routing beherrscht und mehrere Audioquellen mischen kann, z.B. Audio Hijack, Caster oder OBS Studio.

Die Radio-Ambitionen ausleben

Ein Retro-Bildschirm zeigt «Nerdfunk around the Clock» mit 0 Zuhörern und dem Song «Wild World» von Yusuf/Cat Stevens. Darunter Bedientasten.Fazit: So einfach war es noch nie, seine Radio-Ambitionen auszuleben. Kein Vergleich zu 1979, als Roger Schawinski für sein Radio 24 eine riesige UKW-Antenne auf dem Pizzo Groppera bauen musste. Nebst Leuten, die sich als Nachwuchs-Radiopiraten versuchen wollen, ist die App auch geeignet, ein Audiosignal von A nach B zu transportieren – zum Beispiel aus dem Büro vom grossen Mac zur Boombox, die das Fest im Garten beschallt. Toll wäre, wenn es die Broadcaster-Komponente auch für andere Betriebssysteme gäbe: Dann könnte mit einem iPhone als Relaisstation ein beliebiges Signal von Android oder Windows auf die Airpods übertragen werden.

Wie erwähnt gibt es in dieser schönen Suppe auch ein Haar: Um ein Programm auszustrahlen, benötigen wir ein Abo. Das kostet drei Franken in der Woche, sieben Franken im Monat oder fünfzig Franken im Jahr. Für die erwähnte Gartenparty können wir locker einmalig die Abogebühr für eine Woche aufwerfen – leider immer mit dem Risiko, dass wir vergessen, das Abo hinterher abzubestellen.

Braucht es dafür wirklich ein Abo?

Einverstanden: Diese App verursacht Kosten, weil für die Ausstrahlung ein Webserver notwendig ist. Allerdings dürften die sich in einem überschaubaren Rahmen bewegen.

Das hat mit der Funktionsweise zu tun. Der Entwickler, Lucas Fischer, spricht von einem «P2P-Radio». Peer-to-Peer verstehe ich in diesem Kontext so, dass eine Direktverbindung hergestellt wird und der Server den Kontakt lediglich vermittelt. Er sorgt dafür, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer sich auf der richtigen «Frequenz» zuschalten, aber er muss keinen konstanten Stream vermitteln. Fünfzig Franken im Jahr sind für diese Tätigkeit meines Erachtens zu hoch.

Kommt hinzu, dass die meisten von uns diese App nicht ständig nutzen werden. Auch daher wäre eine Abrechnung nach effektiver Benutzung fairer. Warum nicht einen Rappen pro vermitteltem Stream?

Eine Frage ist offen: Könnten wir mit Macrowave auch einen ernsthaften Internetradiosender betreiben, d. h., auf ein Massenpublikum zielen?

Vermutlich nicht, denn das Peer-to-Peer-Prinzip dürfte die Grösse des Publikums effektiv begrenzen – wobei es von der Leistungsfähigkeit des Mac und der Internetverbindung abhängen dürfte, wie tief die Latte liegt. Für den publikumsträchtigen Sender führt weiterhin kein Weg an Apps wie Shoutcast oder Audio Hijack (als Nachfolger von Nicecast von Rogueamoeba) vorbei.

Fussnoten

1) Unsere Zuhörer schalten sich über macrowave.co ein. Mein traurigerweise schon wieder verstummtes Programm war hier zu empfangen.

2) Damit das funktioniert, müssen wir Macrowave einmalig in den Systemeinstellungen bei Datenschutz & Sicherheit unter Aufnahme von Bildschirm & Systemaudio die Zugriffsberechtigung erteilen.

Beitragsbild: Zugegeben, dieses Gerät ist nicht ideal, um unser per Macrowave gesendetes Programm zu empfangen (Cương Vũ, Pexels-Lizenz).

2 Kommentare zu «Einfacher als zu Radio-24-Zeiten»

  1. Für den Preis des Abos mietet man einen kleinen vServer, installiert Icecast und streamt mit OBS Studio. Den Stream empfangen kann man über einen in die Website eingebetteten jPlayer oder einen beliebigen Streaming-Player. Es muss nicht immer eine App sein. 😉

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