Gute Vorsätze, die sich Mozilla für Firefox Mobile nehmen sollte

Firefox ist der beste Desktop-Browser. Für die mobile Variante trifft das leider nicht zu: Am Tablet und Smartphone hat das Programm einige eklatante, unverzeihliche Mängel.

Seit Jahren gibt es den Firefox-Browser auch in einer mobilen Variante für Smartphones und Tablets. Die Variante für Android ist zehn Jahre, diejenige fürs iPhone und iPad fünf Jahre alt.

Ich habe die iOS-Variante seinerzeit im Beitrag Das Firefüxchen vorgestellt, und ich nutze sie seither als bevorzugter Browser. Das heisst aber nicht, dass ich voll und ganz zufrieden wäre. Ich schätze diverse Dinge, insbesondere die Synchronisation der Lesezeichen, der Chronik und der Passwörter.

Es gibt jedoch auch einige Dinge, die mich stören – denn offensichtlich ist Firefox auf dem Tablet und dem Smartphone deutlich weniger leistungsfähig als auf dem Desktop. Es gibt weniger Funktionen, was zu einem gewissen Grad verständlich und aufgrund Apples rigider Kontrolle des Betriebssystems sogar unvermeidlich ist. Doch einige Mankos finde ich absolut unverständlich.

Generell ist es mir noch etwas nicht klar: Warum investiert die Mozilla-Stiftung nicht mehr Energie, um Firefox auch mobil zum besten Browser überhaupt zu machen? Denn bei Windows, Mac und Linux ist er es.

Hier die Kritikpunkte – die der Mozilla-Stiftung gleichzeitig als gute Vorsätze dienen könnten, bei Firefox Mobile 2022 Gas zu geben.

1) Die hässliche Optik

Firefox Mobile sieht am iPhone akzeptabel aus. Doch die iPad-Variante wirkt ungeschliffen; die Reiter klobig, die Adressleiste zu dominant und die Icons stechen zu sehr ins Auge. Und klar, das ist zu einem Teil dem Umstand geschuldet, dass sich die Elemente per Finger bedienen lassen müssen. Doch Safari wirkt im Vergleich dezenter.

Die Firefox-Variante fürs iPad ist keine sonderliche Schönheit.

Ich könnte mir vorstellen, dass das Problem darin besteht, dass sich Firefox zu sehr an der Desktop-Variante orientiert, statt am iPad bezüglich Optik und Benutzerschnittstelle einen eigenen Weg zu gehen.

2) Die unausgereifte Startseite

Wieso lassen sich die angehefteten Lesezeichen nicht manuell sortieren?

Auf der Startseite finden sich Verknüpfungen zu häufig benutzten Websites. Man kann dort auch eingene Links anpinnen. Es gibt eine Möglichkeit, die zuletzt verwendeten Webseiten erneut aufzurufen und man findet beliebte Artikel von Mozillas Leselisten-App Pocket.

Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Bis auf die nicht stimmigen Details: Warum ist es nicht möglich, die angehefteten Verknüpfungen manuell zu sortieren? Sie erscheinen in der Reihenfolge des Anheftens, was keinen Sinn ergibt.

3) Die fehlenden Schlüsselwörter

Ein unterschätztes Feature: die Lesezeichen-Schlüsselwörter in Firefox.

Ich bin ein grosser Fan der Tags und Schlüsselwörter, mit denen man seine Lesezeichen verwaltet und die Suche im Web extrem vereinfacht.

Die Details habe ich ausführlich hier beschrieben, darum hier nur eine kurze Zusammenfassung: Man kann seinen Lesezeichen Tags zuweisen. Alle  meine Links, die ich beruflich verwende, haben das Etikett tagi, sodass ich nur das einzugeben brauche, um CMS, Slack, Bilddatenbanken, Intranet, Artikelplanung und viele weitere wichtige Arbeitsinstrumente in der Vorschlagsliste der Adressleiste erscheinen.

Auch am Smartphone und Tablet würde man gerne schnell suchen

Noch besser sind die Schlüsselwörter für Suchmaschinen. Sie werden dem Suchbegriff vorangestellt und geben an, wo man suchen will: y für Youtube (y John Oliver), w für Wikipedia (w firefox). Das konfiguriert man am Desktop in den Einstellungen bei Suche > Suchmaschinen-Schlüsselwörter.  Es gibt auch die Möglichkeit, die Suchfunktion einer Website zu nutzen. Wie das geht, beschreibe ich im Beitrag Fünf grossartige Tricks für Firefox im Abschnitt «Die unglaublich nützliche, schnelle Suche».

So toll das ist: Es funktioniert nur bei Windows, Mac und Linux, nicht aber beim iPhone, iPad und Android. Das will mir nicht in den Kopf – gerade bei den mobilen Geräten wäre eine solche Funktion, die einem Zeit und Interaktionen spart, unglaublich nützlich.

4) Keine Add-ons

Das letzte Manko bezieht sich nur auf die Version von Firefox für iPhone und iPad – bei Android ist das gewünschte Feature vorhanden, wenngleich nur in sehr rudimentärer Form, wie mein Test ergeben hat. Aber immerhin.

Es handelt sich um die Erweiterungen. Sie erhöhen die Leistungsfähigkeit und erlauben es dem Nutzer, Funktionen nach individuellen Bedürfnissen nachzurüsten. Und ja, es leuchtet mir ein, dass die Möglichkeiten mobil diesbezüglich eingeschränkt sind. Aber selbst eine Unterstützung für rudimentäre Funktionen wäre besser als gar nichts.

Apple setzt zu enge Grenzen

Zu dem Thema gibt es bei Reddit übrigens einen interessanten Austausch, bei dem ein namentlich nicht näher genannter Mozilla-Mitarbeiter die Frage nach den Erweiterungen wie folgt beantwortet:

Wir haben vor zwei Jahren einen Prototyp implementiert. Er funktionierte gut für grundlegende APIs, aber leider waren wir aufgrund der geschlossenen und limitierten Natur von WKWebView nicht in der Lage, eine vollständige Unterstützung zu implementieren, die es vorhandenen Erweiterungen ermöglichen würde, unter iOS zu laufen.

Die Regeln des App Stores sind flexibel und können gebeugt werden, aber wie Apple reagieren wird, wissen wir erst, wenn wir tatsächlich versuchen, einen Browser mit Add-On-Funktion auszuliefern. (Es gibt jetzt ein klares Verfahren, um gegen Regeln oder Ablehnungen Einspruch zu erheben und Änderungen zu bewirken.)

Klar – Apple ist schuld, das hätte ich an Mozillas Stelle auch behauptet. Und wahrscheinlich trifft es im Kern auch zu. Allerdings sieht die Sache inzwischen etwas anders aus, zumal es in Safari für iOS inzwischen Erweiterungen gibt (siehe Apple erfindet das Rad ein zweites Mal – nur weniger rund). Da hätte die Mozilla-Stiftung ein gutes Argument auf ihrer Seite, dass es die Fairness gebietet, dass auch Firefox solche Erweiterungen anbieten kann.

Die anderen Mankos kann Mozilla in Eigenregie angehen – und ich hoffe, dass das 2022 auch passiert!

Beitragsbild: Am Handy gibts Aufholbedarf für Firefox (Jenny Ueberberg, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „Gute Vorsätze, die sich Mozilla für Firefox Mobile nehmen sollte“

  1. Mit Firefox werde ich nicht glücklich. Ich kann auf der Startseite nicht alle meine Lesezeichen, wie bei Vivaldi, ablegen. Und ich möchte auch, wie der Blogschreiber, die Favoriten manuell sortieren. Das automatische Ausfüllen der Wohnadresse geht auch nicht; Vivaldi: vivaldi://settings/addresses. Meine Favoriten sind zur Zeit beim iMac und MacBookAir Vivaldi und auf dem Smartphone und Tablett Ecosia.

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