Wie es im Smarthome riecht, muss kein Geheimnis bleiben

Eve Room ist ein Sensor fürs Smart­home, der Tempe­ra­tur, Luft­feuch­tig­keit und flüchti­ge Stoffe misst. Das hilft Leuten, die nicht von alleine wissen, wann sie lüften sollten – und es be­frie­digt neu­gie­rige Gemüter wie mich.

Es ist mir tatsächlich gelungen, meinen guten Vorsatz für Black Friday umzusetzen und mir ein Gadget anzulachen. Es heisst Eve Room und ist ein Sensor fürs Smarthome, der die Luft analysiert und die Temperatur misst. Mit Rabatt war er bei DQ für um die 90 Franken zu haben. Bei Amazon kostet er zum regulären Preis stolze 150 Euro.

Dieses Gadget erfüllt weniger einen dringlichen Zweck. Es befriedigt vielmehr meine private Datensammel-Leidenschaft. Natürlich stellt sich die Frage, woher die rührt. Vielleicht ist es eine durch die Internetgiganten verursachte Trotzreaktion; nach dem Motto: «Was Facebook und Google können, kann ich auch» – wobei man natürlich sofort einwenden müsste, dass ich nur eigene Daten für mich sammle und nicht diejenigen fremder Leute. Doch es könnte auch Apple dahinterstecken: Seit ich gesehen habe, welche Informationsberge die Health-App anhäuft, bin ich auf den Geschmack gekommen.

Und ich wollte das im Beitrag Das smarte Home macht Fortschritte – aber nicht schnell genug beschriebene Manko beseitigen: Es besteht darin, dass meine smarten Stromadapter zwar auch die Temperatur anzeigen, diese aber nicht über die Zeit hinweg protokollieren.

Das Display hat verschiedene Darstellungsmodi – je nachdem, welche Werte am meisten interessieren.

Genau das macht nun dieser Sensor. Er misst kontinuierlich drei Werte und zeigt die konstant an; und zwar auf einem stromsparenden E-Ink-Display, wie es auch E-Book-Readern Verwendung findet. Die Daten werden auch an die App übermittelt, wo man sie über die Zeit nachverfolgen kann. Sie erscheinen in der (hier vorgestellten) Eve-App, und zwar in wählbaren Auflösungen in denen man Stunden, Tage, Wochen oder Monate aufschlüsseln kann.

Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftqualität

Irgendjemand hat um sechs Uhr Morgens für schlechte Luft gesorgt.

Die drei Werte, die gemessen werden, sind die  Temperatur, die Luftfeuchtigkeit und die Qualität. Letztere wird anhand der sogenannten flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) angegeben. Das sind allerhand Substanzen, die von Alltagsgegenständen austreten oder ausdünsten oder beim Putzen absichtlich in der Gegend herumgesprüht werden. Der Sensor ist kompatibel zu Homekit und steht für Automatisierungen zur Verfügung. Leute mit smarten Fenstern könnten bei einer zu schlechten Luftqualität automatisch für Durchlüftung sorgen.

Die Inbetriebnahme des Sensors ist keine Hexerei: Man hält den QR-Code, der auf der Seite des Geräts und in der Anleitung vorzufinden ist. Daraufhin braucht man nur zu bestätigen, dass das neue Gerät hinzugefügt werden soll. Man kann es benennen, und dann ist es bereits betriebsbereit. Falls keine Verbindung zustande kommt, sollte es aufgeladen werden. Der Akku ist eingebaut, das Laden geschieht über ein Mikro-USB-Kabel und der Hersteller sagt, dass der Sensor danach sechs Wochen lang Daten liefert.

Unser Haus konfiguriert sich selbst

Fazit: Für Leute, die besonders auf das Raumklima achten müssen, ist der Sensor mit Sicherheit eine echte Hilfe. Für mich ist er eine Spielerei – besonders auch deswegen, weil ich in einem Minergie-Haus wohne, das sich selbst konfiguriert und das es uns Benutzern nicht erlaubt, die Raumtemperatur selbst zu regulieren. Es gibt auch eine Lüftung, die automatisch anspringt, sodass unsere einzige Möglichkeit der Einflussnahme im Öffnen und Schliessen der Fenster besteht – was wir bislang noch von Hand tun müssen und nicht automatisieren können.

Doch es ist verblüffend, wie sich Putzen, Kochen oder Lüften sogleich in den Daten zeigt. Und es gibt bereits erste Erkenntnisse: nämlich die, dass es in den Räumen gar nicht so kalt ist, wie ich immer geglaubt habe. Aber es ist nicht zu leugnen, dass ich ein Gförli und in dem Alter bin, wo man winters eine Hausjacke anziehen sollte. Eine zweite Einsicht besteht darin, dass das Smarte Home mit ein paar Lampen, die man per Siri ein- und ausschalten kann, noch nicht ausgereizt ist. Ich jedenfalls freue mich auf weitere Sensoren, die mir alle möglichen und unmöglichen Daten aufzeichnen und vor die Nase halten.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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