Das smarte Home macht Fortschritte – aber nicht schnell genug

Mit zwei neuen Wifi-Switches von Mystrom nimmt unser smartes Home Gestalt an. Auf der positiven Seite ist zu vermelden, dass die Inbetriebnahme einfacher geworden ist. Zu kritisieren bleibt, dass die Software Nachholbedarf hat.

Ich habe neulich zwei neue Wifi-Switches von Mystrom gekauft. Das sind Adapter, die man zwischen die Steckdose und ein beliebiges Elektrogerät klemmt, woraufhin man besagtes Gerät über die Mystrom-App, oder aber auch via Apple Homekit steuern kann. Ich habe den Switch im Detail im Beitrag Ein Quäntchen Smartheit fürs Eigenhome besprochen.

Zwei Dinge sind mir im Vergleich zum Vorgänger aufgefallen:

Erstens

Um den smarten Schalter zu installieren, bracht man hier nur Ja zu sagen.

Die Instal­lation ist viel einfacher geworden. Man steckt den Switch in die Dose und wechselt zu dessen WLAN. Für diesen Zweck kann man auch einfach den QR-Code auf dem Gerät scannen. Darauf­hin erscheint die Mit­teilung, dass es sich um ein «Home-Gerät» handle, gefolgt von der Frage: «Möchtest du es zum WLAN und Home hinzufügen?»

Der smarte Schalter wird als Steckdose in die Home-App integriert.

Man braucht das nur zu bestätigen, woraufhin die Sache fast schon erledigt ist. Man bestätigt, dass der Switch als Steckdose in der Home-App auftauchen soll und benennt ihn passend und ordnet ihn einem Raum zu. Und das wars schon – kein Vergleich mit dem Heckmeck früher. In der Mystrom-App muss man den Adapter allerdings noch einmal separat einrichten. Aber auch das ist innert Minuten erledigt.

Zweitens

Die App zum Mystrom-Adapter ist spartanisch, erfüllt aber den Zweck.

Der Mystrom-Wifi-Switch hat mitt­ler­wei­le auch einen Tem­pera­tur­sensor. Der Messwert wird sowohl in der Home-App von Apple als auch in der Mystrom-App ange­zeigt. Das ist informativ – und theo­retisch müsste man auch in der Lage sein, die Tempe­ratur­infor­mation für eine Automati­sation zu verwenden.

Solche automatischen Abläufe richtet man in der Home-App über die Rubrik Automatisation ein. Es gibt als Auslöser für die Automatisation die folgenden Optionen

  • Wenn Person ankommen,
  • Wenn Person den Ort verlassen,
  • Zu einer bestimmten Tageszeit,
  • Wenn ein Gerät gesteuert wird und
  • Wenn ein Sensor etwas entdeckt.

«Wenn es kühl wird, schalte mir bitte die Heizdecke ein»

Hier richtet man eine Automation fürs Smarthome ein. Aus unerfindlichen Gründen stehen die Temperatursensoren nicht zur Wahl.

Nahe­liegend wäre nun, bei Unter­schreiten oder Über­schreiten eines Werts eine Aktion auszulösen: So könnte man ein Heiz- oder Kühlgerät auto­matisch in Betrieb versetzen. Allerdings ist die Option in der App nicht aktiv. Die Home-App scheint ihn nicht berück­sichtigen zu wollen – warum auch immer. Schade, aber für uns kein Problem, da der Switch zur Licht­steuerung benutzt wird.

Da es den Sensor aber nun einmal gibt, habe ich mir überlegt, was damit anzufangen wäre. Natürlich ist es praktisch, dass man via App die aktuelle Temperatur in Erfahrung bringen kann. Noch viel nützlicher wäre es allerdings, wenn die Messwerte gespeichert und als Verlauf ersichtlich wären.

Man würde erfahren, wie die Temperatur während des Tages und der Nacht schwankt und sich über die Zeit verändert. Gerade für die Sommerzeit wäre das sehr aufschlussreich, weil ich dann endlich wüsste, ab welcher Temperatur es mir nicht mehr wohl ist und ich nicht mehr gut schlafe.

Temperatur ja, Temperaturverlauf nein

Die Home-App von Apple: Zweckdienlich, aber nicht revolutionär.

Leider ist der Temper­atur­verlauf weder in der Home-App von iOS noch in der Mystrom-App ersicht­lich. Ich habe mich darauf­hin auf die Suche nach der App eines Dritt­herstel­lers gemacht, die in die Lücke springt. Um es vorweg­zune­hmen: Ich bin nur halbwegs fündig geworden. Wenn jemand einen (im wortwörtlichen Sinn) heissen Tipp hat, ab damit in die Kommentare. Ich werde die fragliche App gerne mit verdankenden Worten hier im Blog vorstellen.

Es gibt einige Apps, die man anstelle der Home-App verwenden kann. Ich habe mir einige angesehen, aber keine gefunden, die einen echten Mehrwert bieten würde. Das wundert nicht, da sie an Apples Homekit-Schnittstelle andocken und dementsprechend von abhängig sind, die Apple anliefert. Sie sind aber teils etwas einfacher zu benutzen und in bestimmten Situationen praktischer als die Standard-App.

Eve

Die Eve-App zeigt die Homekit-Geräte übersichtlich an.

(Kostenlos im App Store) Auf der Haupt­seite werden die Geräte über­sicht­lich ange­zeigt, und man kann sich die Dar­stel­lung nach eigenen Wünschen zurecht­konfigu­rieren.

Diese App stellt ebenfalls Automationen zur Verfügung; und bei denen ist es möglich, auf die Temperatur zu reagieren. Dazu wählt man die Rubrik Automation aus, wechselt oben auf den Bereich Regeln, tippt auf Regel hinzufügen und dann auf Auslöser.

Bei den Auslösern steht nun nebst diversen Optionen ähnlich wie bei Apples Home-App auch die Temperatur zur Verfügung. Man gibt den Sensor an und legt fest, ob das Auslösen erfolgt, wenn die Temperatur über- oder unterschritten wird.

Ausgeklügelte Automationen

In der Eve-App ist auch eine Automation unter Einbezug der Temperatur möglich.

Man kann weitere Aus­löser ergänzen, Beding­ungen hinzufügen, wie zum Beispiel, dass die Auto­mation nur vor oder nach einer bestimm­ten Uhrzeit ausgelöst werden soll. Schliess­lich wählt man die Szene aus, die gestartet werden soll: Man müsste daher erst eine Szene anlegen, in der das Heiz- oder Kühlgerät entsprechend ein- oder ausgeschaltet wird.

Wallflower

Das Mauerblümchen unter den Smart-Home-Apps: Sie plottet sogar einen Temperaturverlauf

(Kostenlos im App-Store) Diese App ist dazu da, auf einem alten iPhone oder iPad, das speziell zur Steuerung des smarten Homes parat liegt oder an einer passenden Stelle montiert wurde, betrieben zu werden: Sie zeigt gross eine Uhr an, darunter die Steuer­eleme­nte für den fraglichen Raum, in dem man das Steuerpanel angebracht hat – man kann aber mittels horizontaler Wischbewegung zwischen den Räumen wechseln.

Diese App zeigt auch die Temperatur an und zeichnet auf einem Feld den Temperaturverlauf auf – also im Grund genau das, was ich möchte. Das Dumme ist allerdings, dass nur für die Zeit Werte erfasst werden, in der die App auch in Betrieb ist.

Wenn die App geschlossen ist, gibt es eine Lücke in der Temperaturaufzeichnung. (Was ich als starkes Indiz werte, dass Homekit nur die aktuellen Werte liefert, nicht aber «historische» Daten.)

Die App ist kostenlos, aber man kann ein Abo dazu lösen, das 51 Franken im Jahr oder 8 Franken im Monat kostet.

Da liegt noch mehr drin!

Fazit: Leider ein Manko der Home-App und Apple Homekit. Bemängelt wurde das schon früher, beispielsweise in diesem Reddit-Thread, in dem noch andere Kritikpunkte aufgebracht werden: Da gebe es dieses Homekit schon seit fünf Jahren, schreibt einer, und noch immer könne man nirgends nachsehen, wann eine smarte Tür zum letzten Mal geöffnet und geschlossen worden sei. Berechtigte Kritik, wie ich finde: Da darf Apple gern nachbessern!

Beitragsbild: Dieses Home ist nicht nur smart, sondern gewährt auch viele Einblicke (Stephan Bechert, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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