Die iPhone-Passwörter mit Windows nutzen

Die iCloud wird unter Windows aufgewertet. Das neue Passwort-Programm stellt die bei iOS und Mac gespei­cherten Zugangs­daten bei Microsofts Betriebs­system bereit.

Man kann die iCloud auch mit Windows nutzen, aber wie im Beitrag Zwei Sturköpfe zur Zusammenarbeit zwingen schildere. Doch wie der Titel schon andeutet, ist das keine reine Freude.

Apple macht das nötigste, damit iPhone- und iCloud-Nutzer, die gezwungenermassen nicht auf Windows verzichten können, nicht ganz im Regen stehen. Doch es schleckt keine Geiss weg (🇩🇪🇦🇹: Da beisst die Maus keinen Faden ab): Das Nutzungserlebnis ist nicht mal halb so schön wie in einem reinen Apple-Universum.

Spartanischer geht es kaum: Das neue iCloud-Passwort-Programm für Windows.

Eine kleine, aber wichtige Verbesserung gibt es jedoch. Seit Kurzem gibt es für Windows das Programm iCloud-Passwörter.

Es stellt die am iPhone, Mac oder iPad gespei­cherten und via iCloud synchro­nisier­ten Zugangs­daten bei Micro­softs Betriebs­system zur Ver­fügung. Dank dieses Programms kann man seine Pass­wörter über die iCloud zur Ver­fügung halten und benötigt keinen separa­ten Passwort­manager wie Keepass, Lastpass oder 1Password mehr.

Zumindest theoretisch. Denn in der Praxis haben die separaten Passwortmanager diverse Extrafunktionen, die zumindest für versierte Nutzer sinnvoll sind. Ich werde Keepass weiterhin die Stange halten – die konkreten Gründe dafür erläutere ich am Schluss –, aber ich werde auch darauf hinweisen, dass für weniger anspruchsvolle Nutzer der Weg via iCloud-Passwörter-App am einfachsten ist.

Es funktioniert ganz simpel

Die Installation dieses Programms ist simpel: Wenn man Apples iCloud-Software installiert hat, taucht es automatisch via Update-Funktion auf. (Zumindest war es in meinem Fall so. Falls die App fehlt, empfehle ich, die neueste Version von iCloud für Windows herunterzuladen und zu installieren.)

Für die Nutzung muss man als Erstes die Windows-Hello-Funktion konfigurieren und zum Beispiel einen Pin-Code einrichten, falls man das nicht schon gemacht hat. Das geschieht in den Windows-Einstellungen bei Konten > Anmeldeoptionen.

In iCloud für Windows wird die Synchronisation der Zugangsdaten eingeschaltet.

Als Zweites gibt man in iCloud für Windows an, dass die Passwörter synchronisiert werden sollen. In der App verweist Apple auch auf Erweiterungen für Google Chrome, respektive iCloud-Passwörter – Microsoft Edge Addons, mit denen man direkt im Browser Zugriff auf die in der iCloud gespeicherten Passwörter hat.

Keine Erweiterung für Firefox

Für Firefox gibt es leider keine solche Erweiterung, zumindest bislang. Wenn man diesen Browser im Einsatz hat, muss man die Passwörter manuell suchen in der iCloud-Passwörter-App suchen, kopieren und via Zwischenablage im Browser einfügen. Da das etwas umständlich ist, ist es bei dieser Konstellation womöglich einfacher, die Passwörter weiterhin in Firefox zu speichern. Mozillas Browser synchronisiert die Passwörter bekanntlich auch, wenn Firefox Sync eingerichtet ist. Und für den direkten Zugriff gibt es die Lockwise-App; siehe dazu Firefox ist jetzt auch ein Passwort-Manager.

iCloud für Windows erlaubt nicht nur den Zugriff auf die Passwörter. Man kann Einträge editieren, löschen und neu hinzufügen.

Gute Gründe für einen Extra-Passwortmanager

Da ich oben erwähnt habe, dass es weiterhin gute Gründe gibt, einen «richtigen» Passwortmanager zu nutzen, will ich die an dieser Stelle noch kurz ausführen. Ich beziehe mich auf Keepass, aber die Ausführungen gelten analog auch für die meisten ausgewachsenen Programme fürs Managen von Kennwörtern.

  • Keepass und andere Passwortmanager enthalten auch einen Generator, mit dem sich starke und sichere Kennwörter und Passphrasen erstellen lassen.
  • Die Verwaltung über eine hierarchische Struktur, mit der Möglichkeit, separate Icons zu vergeben und Einträge in Kategorien einzusortieren, ist sehr viel komfortabler als in Apples rudimentärem Programm.
  • Man kann nicht nur Zugangsdaten, sondern auch Kommentare hinterlegen und Dateien anhängen, die sicher verschlüsselt gespeichert werden.
  • Es ist möglich, nach doppelten oder ähnlichen Passwörtern zu suchen. Es lohnt sich, die abzuändern, weil doppelte Passwörter ein sehr grosses Sicherheitsrisiko sind.
  • Die Autotype-Funktion, hier ausführlich besprochen, füllt Passwörter nicht auch bei nicht-unterstützten Browsern und bei Drittprogrammen ein.
  • Keepass versioniert die Einträge, sodass man auch auf ältere Passwörter zurückgreifen kann, sollte das einmal nötig sein. Es gibt auch die Möglichkeit, Passwörter mit einem Ablaufdatum zu versehen

Beitragsbild: Den Apple-Schlüsselbund (Keychain) nützt nun auch Windows-Nutzern weiter (Jozsef Hocza, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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