Wieso können das nicht alle Kopfhörer?

Kopfhörer waren in diesem Blog lange Zeit ein Dauerbrenner. Das lag daran, dass die kabelgebundenen Modelle einem grossen Verschleiss unterliegen. Doch seit sich Bluetooth als brauchbare Alternative etabliert hat, ist dieses Ärgernis durch – zum Glück. Das war eine echte Geld- und Ressourcenverschwendung.

Ich verwende nach wie vor die Soundsport Wireless von Bose für unterwegs. Die musste ich seit 2017 einmal ersetzen. Das lag aber vor allem daran, dass Töchterchen die alten beim Zahnen ein-, zweimal in die Fingerchen bekommen und als Beisshilfe verwendet hatte. Ich kann daher nicht sagen, mit welcher Lebensdauer man rechnen dürfte. Ich vermute, dass der beschränkende Faktor der Akku ist.

Für zu Hause und das Büro habe ich mir den WH-1000XM2 von Sony angeschafft. Auch das eine gute Wahl – wobei ich wahrscheinlich heute noch etwas mehr drauflegen und mir den Momentum 3 von Sennheiser leisten würde (hier besprochen).

Jedenfalls hatte ich die Gelegenheit, die neuen Airpod 2 von Apple etwas ausführlicher zu testen. Nicht die Pro-Variante – die hatte ich nur einmal kurz in den Ohren und fand sie klanglich deutlich überlegen. Die Geräuschunterdrückung ist für so kleine Stöpsel wirklich gut und der Transparenzmodus hat etwas für sich. Der macht die Geräuschkulisse sogar angenehmer.

Wenn sich hier mal kein Zukunftstrend abzeichnet? In fünf Jahren werden wir womöglich unsere Kopfhörer auch dann im Ohr haben, wenn wir mit der Umwelt kommunizieren. Und die Kopfhörer werden dafür sorgen, dass die Welt ein in unseren Ohren noch besser klingt, als dass sie das in Wirklichkeit tut. Ich bin neulich der App Hear begegnet, die das tut – allerdings hat sie mich nicht überzeugt.

Also, zurück zu den Airpods, die ich eigentlich teste: Das ist die zweite Generation der normalen Variante; jene, die man am langen Stiel erkennt. Die gibt es für 149 Franken bei Digitec bzw. für um die 180 Euro bei Amazon. (Der deutlich günstigere Preis bei Digitec könnte an einer Aktion liegen, die womöglich durch ist, wenn dieser Beitrag hier online geht.)

Den Sitz finde ich nach wie vor nicht sonderlich toll. Das liegt daran, dass der Stiel an meinem Ohrring schrummelt, den ich seit Jahrzehnten trage. Abgesehen davon stecken sie ausreichend sicher im Ohr, damit man mit ihnen spazieren gehen kann. Zum Joggen würde ich sie nicht benutzen.

Der Schwachpunkt ist der Klang. Die neuen Airpods klingen gut, aber nicht überragend. Zum Musikhören würde ich die Bose-Stöpsel vorziehen. Und die Sony-Kopfhörer sind noch einmal eine Liga besser. Aber klar: Bei der Tonqualität sind die Schalen-Kopfhörer unübertrefflich.

Was mir an den Airpods wirklich gefällt, ist die einfache Handhabe. Man hält sie kurz ans iPhone und schon sind sie verbunden. Nicht nur das: Sie tauchen auch sofort im Bluetooth-Menü des Apple-TVs auf, sodass man sie ohne Pairing-Verrenkungen sofort auch zum Fernsehen nutzen kann. Übrigens mit perfekter Synchronisation von Bild und Ton. Auch im Audio-Menü des Macbooks sieht man sie sofort. Das ist genial.

Gleichzeitig ist es schade, dass das nur mit Apples eigenen Kopfhörern so einfach funktioniert. Technisch wäre es kein Problem, dass das mit Modellen von Drittherstellern genauso unkompliziert funktionieren könnte. Aber leider zieht es Apple vor, sich selbst einen Vorteil zu verschaffen.

Die Einstellungen zu den Airpods lassen sich direkt im Bluetooth-Menü treffen.

Apropos: In die gleiche Kategorie gehört, dass man zur Konfiguration der Airpods keine Dritt-App braucht. Man kann das direkt im Bluetooth-Menü erledigen. Man tippt auf das i-Symbol am rechten Rand des Eintrags und gelangt zu den Einstellungen, wo man einen Namen für die Airpods vergibt und festlegt, was beim Doppeltippen rechts und links passiert.

Standardmässig wird links die Wiedergabe gestartet und gestoppt, rechts zum nächsten Titel gewechselt. Man kann auch Siri und den Sprung zum vorherigen Stück auf einen der Stiele legen. Nicht möglich ist, die Lautstärke direkt an den Airpods zu ändern. Dafür muss man entweder Siri oder das wiedergebende Gerät bemühen.

Mit der Option Ohrerkennung startet und stoppt die Wiedergabe auch, wenn man den Stöpsel ins Ohr setzt bzw. herausnimmt. Das ist schon ganz praktisch. Ebenso, dass man sie nicht ein- und ausschalten, sondern nur ins Ladeböxchen stecken muss, um sie ausser Betrieb zu nehmen.

Fazit: Die Benutzerfreundlichkeit ist die grosse Stärke der Airpods. Man kann auch Apples digitale Assistentin zur Arbeit rufen, indem man «Hey Siri» sagt. Bei anderen drahtlosen Kopfhörern muss man dafür lange auf den Play-Pause-Knopf drücken. Und mit den Bose-Kopfhörern, dauert es ewig, bis Siri sich meldet. Darum tue ich es nur dann, wenn das Telefon so schlecht zugänglich ist, weil es zum Beispiel beim Sport in seiner Tasche steckt.

Übrigens, was den Nutzen von Siri in dieser Situation extrem schnälert, ist der Umstand, dass bei gesperrtem Telefon keine Apps geöffnet werden können. Möchte man z.B. zu Audible wechseln und sagt «Hey Siri, öffne die Audible-App», dann grenzt Siris Antwort an Arbeitsverweigerung: «Dazu muss erst dein Telefon entsperrt werden», sagt sie.

Aber gut: Ich kann mich aber nach wie vor noch nicht so wirklich dazu durchringen, in der Öffentlichkeit mit Siri zu sprechen. Ich fühle mich albern dabei – eine Gefühlsregung, die man sicherlich mit «Okay Boomer» abtun darf.

Beitragsbild: Ich, wenn ich eine Apple-Watch hätte (Apple Newsroom).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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