Wie man sich den SUV an den Oberarm schnallt

Dinge werden mit der Zeit grösser. Das sieht man sehr gut auf unseren Strassen. Der Kleinwagen ist fast ausgestorben. Stattdessen sieht immer mehr dieser Stadtpanzer. Diese Fahrzeuggattung wird von den Herstellern SUV genannt. Wenn man sich ansieht, wofür das Kürzel steht, müsste einem der Hirnwahn schwanen: Für Sport Utility Vehicle. Geländewagen, Sportfahrzeug und Limusine in einem.

Das ist ein bedenklicher Trend. Erstens sind diese Fahrzeuge hässlich wie die Nacht. Zweitens viel gefährlicher. Drittens haben sie einen grösseren Verbrauch und verursachen mehr Emissionen. Und das in Zeiten, wo wir uns über den Klimawandel echte Sorgen machen müssten. Viertens brauchen sie mehr Platz, weswegen jetzt sogar die Strasse breiter werden sollen. Als Velofahrer würde ich das begrüssen. Denn da fällt einem tatsächlich auf, dass am Strassenrand immer weniger Platz bleibt. Allerdings würde mit breiteren Strassen diese Ungetüme nur noch weiter wachsen und alle Bemühungen zunichte machen.

Fünftens: Die SUVs sind für 95 Prozent der Besitzer überdimensioniert. Man kauft ein Auto mit der Leistung eines Kleinlasters, weil man einmal alle fünf Jahre beim Umzug eines Kumpels ein paar Ikea-Regale von einem Stadtquartier ins nächste transportieren muss? Das ist nicht gerade die allerklügste Entscheidung. Etwas vom wichtigsten, was man als Konsument tun sollte, ist die vernünftige Einschätzung der eigenen Bedürfnisse.

Leistung auf Reserve zu kaufen, ist unsinnig. Das ist seit Jahren eines meiner Standardmantras, wenn ich danach gefragt werde, was für einen Computer, ein Smartphone oder ein Tablet ich empfehlen würde: So viel Leistung wie nötig, so wenig wie möglich – wegen Kosten, Abfall, Energiebedarf.

Ein guter Ratschlag. Wenn er beherzigt würde von Leuten, die heute noch in Blech gehüllte Verbrennungsmotoren kaufen, dann wäre das Strassenbild ein deutlich anderes. Darum wäre ich sehr dafür, die SUVs massiv zu besteuern. Wer meint, mit so einem Gefährt unterwegs sein zu müssen, sollte dafür richtig bluten. Meinetwegen mit einer Ausnahmebestimmung für Bergbauern aus dem Bündnerland, die ihre toten Kühe mit dem SUV in die Kadaversammelstelle zerren müssen. Also go for it, Bastien!

Äh, wo war ich? … Ich bin etwas vom Thema abgekommen, respektive noch gar nicht beim Thema angelangt. Eigentlich wollte ich nur erklären, wie Alltagsgegenstände über die Zeit hinweg grösser werden. Da sind die Autos ein gutes Beispiel. Aber auch die Smartphones, um die es mir eigentlich geht. Die werden über die Jahre auch immer klobiger. Und das, obwohl die Miniaturisierung immer weiter voranschreitet.

Wie in meinem Beitrag zum iPhone 8 Plus ausgeführt, hat das Vorteile: Nebst dem grösseren Bildschirm ist das vor allem die Batterie. Dank der erlebe ich es kaum mehr, dass das iPhone den Stromsparmodus aktiviert oder sogar ausgeht, noch bevor der Tag um ist. Und zwar ohne dass ich mich um eine sparsame Nutzung bemühen müsste. Das ist angenehm.

Es gibt aber auch einen Nachteil. Das iPhone passt schlecht in die Tasche. Das stört meistens nicht, ausser beim Sport. Da stört es massiv, zumindest bei Sportarten wie dem Rennen. In die Tasche der Turnhose passt es gar nicht. Wenn man eine Jacke trägt, dann kann man es dort versorgen, aber je nach Jacke schlackert es unangenehm herum. Man hat also die Wahl, ohne Telefon zum Laufen zu gehen – was absolut nicht in Frage kommt, weil viel zu langweilig. Oder man lacht sich eine smarte Uhr an, die per Bluetooth auch Audio abspielt. Die von Apple kann das glaubs. Oder die von Garmin.

Oder man schickt sich in sein Schicksal und schafft ein Täschli fürs Smartphone an, mit dem man sich das Telefon an den Oberarm schnallt. Ich habe mich für diese Lösung und für das Belkin Sport Fit entschieden. Das gibt es bei Digitec für 34.10 Franken, bei Amazon für 25 Euro.

Das Täschchen hat ein Klettband für die Befestigung. Und es erfüllt seinen Zweck: Ich bekomme das Telefon mitsamt seiner eigenen, relativ dünnen Hülle hinein. Es sich selbst an den Oberarm zu schnallen, ist etwas umständlich, weil man dafür einen dritten Arm bräuchte. Aber es geht.

Was den Tragekomfort angeht, behauptet der Hersteller folgendes: «Weiches Neopren-Material fühlt sich auf der Haut oder Kleidung angenehm an.» Dem würde ich widersprechen. Ich finde Neopren nicht sonderlich angenehm. Und auch wenn die Tasche selbst recht weich ist, so ist es die Kante nicht. Sie ist sogar relativ scharf und scheuert die Haut auf, wenn sie direkt aufliegt.


Ein Promotionsvideo der eher peinlichen Sorte.

Die Empfehlung ist daher, das Täschchen unbedingt über das T-Shirt drüberzuziehen und nicht direkt auf der Haut zu tragen. Immerhin sitzt es stabil, selbst mit einer textilen Lage zwischen Haut und Neopren. Man muss den Bändel allerdings relativ fest anziehen. Zu fest ist allerdings wiederum unangenehm, weswegen man vielleicht ein paar Mal nachjustieren muss. Das ist unpraktisch, aber unvermeidlich. Und immerhin hatte ich bis jetzt überhaupt nicht das Gefühl, dass sich das Band während des Laufens lockern würde.

Fazit: Keine sonderlich elegante oder praktische Lösung, aber eine, die funktioniert. Aber das hat man davon, wenn man sich für ein Telefon entscheidet, das mit Hülle 226 Gramm schwer ist. Für die Nutzung beim Sport sind die kleineren Modelle definitiv praktischer – ein Punkt, den man als Jogger bedenken sollte.

Gut gefällt, dass man das Telefon auch durch die Hülle hindurch bedienen kann. Man muss es nicht aus dem Täschchen rausfrickeln, nur um schnell die Playlist zu wechseln. Da der Home-Knopf ausgespart ist, kann man das Telefon mit Touch-ID entsperren. Zumindest theoretisch. Praktisch klappt das nicht, weil der Finger so schweissnass ist, dass der Sensor den Abdruck nicht erkennt.

Am Telefon herumzudrücken, während man es am Oberarm hat, funktioniert schlecht bis gar nicht. Man muss es abschnallen, wenn man es bedienen will. Da das umständlich ist, lohnt es sich, für wichtige Dinge einen Sprachbefehl einzrichten, sodass man z.B. seine Lieblings-Playlist fürs Rennen per Sprachbefehl starten kann.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Kommentar verfassen