So kriegt die iCloud die Kurve

Es passiert häufig, dass ich beim Bloggen hier auf Ideen für «richtige» Artikel für die Tamedia-Zeitungen und für Newsnetz-Videos komme. Das ist kein Zufall, weil ich mein Blog auch als Inkubator für Themen nutze. Durch das Bloggen lässt sich sehr gut herausfinden, wie weit ein Thema trägt und ob es genügend Aspekte hat, die von breiten Interesse sind.

Klar, man könnte das vermutlich auch ohne Bloggen herausfinden. Aber wieso sollte man nicht das Sinnvolle mit dem Nützlichen verbinden? Im Blog lassen sich auch Aspekte diskutieren, die in einem Video gezwungenermassen unter den Tisch fallen müssen und zu nerdig für den Artikel in einer Tageszeitung sind.

Und wenn ich etwas Wichtiges übersehen oder (selbst das soll schon vorgekommen sein) falsch verstanden habe, dann stehen die Chancen gut, dass mich die Leserschaft meines Blogs darauf aufmwerksam macht und korrigiert, bevor ich die breite Masse damit behellige. Ihr dürft euch also gerne als Teil der erweiterten Tamedia-Digital-Redaktion betrachten. (Ein Lohn wird auch dafür leider trotzdem nicht ausbezahlt, fürchte ich.)

Ein gutes Beispiel ist dieses Video hier:


Wie Sie die Mängel der iCloud beseitigen

Es geht auf den Blogpost Zwei Sturköpfe zur Zusammenarbeit zwingen zurück, lässt allerdings den Ballast und die Exkursionen weg und zeigt die Konfigurationsmöglichkeiten für die iCloud auf. Es geht um den reibungslosen Datenaustausch zwischen Windows  und iPhones und iPads. Und auch um ein paar Tricks, mit denen man Platz in der iCloud freischaufelt, wenn man kein Geld für mehr Kapazität ausgeben möchte.

An dieser Stelle könnte man natürlich darüber sinnieren, wie sinnvoll es generell ist, Cloud und Betriebssysteme derartig eng zu koppeln. Es hat ohne Zweifel Vorteile: Es macht die Sache praktisch und einfach – oder convenient, wie man neudeutsch sagen würde.

Aber es gibt auch Nachteile: Der gewichtigste ist, dass für Cloud-Verweigerer die Cloud-Verweigerung zunehmend schwierig wird. Das sieht man auch bei Windows: Da habe ich seinerzeit die Forderung aufgestellt, dass Microsoft gut daran täte, eine Windows-Variante ganz ohne Cloud-Verknüpfungen anzubieten. An dieser Forderung halte ich fest, und ich weite sie auch auf Apple aus. Wer keine Cloud will, sollte sie generell abdrehen können.

Die einfachste Methode dazu wäre ein lokales Benutzerkonto, das ganz ohne Verknüpfung zu einem Online-Nutzer-Account des Herstellers auskommt. Man sollte seine PCs, Macs, Smartphones und Tablets auch ohne Microsoft-Account und ohne Apple-ID nutzen können.

Klar, diese Konten tun sowohl bei Microsoft als auch bei Apple mehr als nur den Zugang zu den Clouddiensten bereitzustellen. Und ein Gerät kann auch Daten sammeln, spionieren und nach Hause telefonieren, wenn ein Nutzer nicht angemeldet ist. Aber es wäre ein wichtiger Schritt in die anonyme(re) Nutzung: Diese Nutzerkonten ein offensichtlicher Störfaktor sind, wenn man seine Geräte ohne Preisgabe persönlicher Informationen zu verwenden gedenkt.

Bei Windows ist die Nutzung ohne Windows-Account möglich, und es gibt nur wenige Nachteile. Bei Apple ist das anders: Man kann ein iPhone, iPad oder Mac ohne Apple-ID in Betrieb nehmen, indem man die Frage nach den Zugangsdaten überspringt. Aber das hat massive Nachteile, indem man zum Beispiel keine Apps installieren kann. Für den Apple App-Store ist eine Apple-ID notwendig. (Randbemerkung: Es gibt Mittel und Umwege, wie zum Beispiel hier oder hier beschrieben. Aber die sind umständlich und darum nicht ernsthaft zu empfehlen.)

Noch schöner wäre natürlich, wenn man die Wahlfreiheit hätte und für die Online-Speicherung seiner Daten einen Dienst seiner Wahl oder sogar sein eigenes NAS verwenden könnte. In einer idealen Welt würden Microsoft und Apple die notwendigen Serverkomponenten als Open-Source zur Verfügung stellen. Es gäbe Implementationen zum Beispiel für den Raspberry Pi oder meinetwegen sogar für OpenWrt. Wir könnten unsere Daten hosten, wie wir wollten und mit ihnen genau das tun, was wir mit ihnen tun wollen.

Natürlich, da friert eher die Hölle zu, als dass Microsoft und Apple sich so weit öffnen werden. Aber man wird ja noch träumen dürfen…

Beitragsbild: Apple und Microsoft sollten sich mal den Himmel ansehen: Dort gibt es viele Wölkchen, keine erratische Monsterwolke (Pixabay/Pexels, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

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