Eine App für Orte, an denen man gerne ist

Aus unerfindlichen Gründen nutze ich noch immer die Swarm-App (für Android und iPhone/iPad). Die älteren unter euch erinnern sich vielleicht noch. Unter dem Namen Foursquare hat die seinerzeit für Furore gesorgt. 2010 war es, als diese Check-in-Apps aufkamen und damals für einigen Social-Media-Stress gesorgt hatten. Nebst Foursquare gab es auch Gowalla, das von Facebook 2011 übernommen und 2012 eingestellt wurde.

Die Idee war eigentlich einleuchtend: Man registriert seine Anwesenheit an einem Ort, sodass man von anderen dort gefunden werden kann. Wenn jemand dazustossen möchte, kann er das tun. Spontane Treffen, wie sie nur mit dem Internet möglich sind.

Ich weiss nicht, wie es euch geht – aber für mich hat diese Idee nicht funktioniert. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich dank einer dieser Apps jemals jemanden spontan getroffen hätte. Die Sache ist an mehreren Dingen gescheitert:

Die Leute, die diese Apps intensiv genutzt haben, die haben sich an allen möglichen und unmöglichen Orten eingecheckt. Bei einem Checkin alle fünf Minuten war (ist) es unmöglich zu sagen, wo die Person tatsächlich ist. Andere haben die App wahrheitsgemäss verwendet, aber den Checkin erst beim Verlassen eines Orts veranlasst. Denn diese Apps (und auch die Medien) haben die Angst vor Stalkern und Einbrechern geschürt.

Die beiden Hauptprobleme sind aber wohl zwei andere. Erstens ist der virtuelle Freundeskreis zu weit verteilt, als dass die Dichte der Community für gelegentliche spontane Treffen gross genug wäre. Zweitens sitzen die meisten Leute nur selten müssig herum und warten darauf, dass jemand dazustösst. Auch im Restaurant arbeitet man am Laptop. Man ist bereits verabredet oder möchte in Ruhe die Zeitung lesen. Oder, oder. Der Alltag ist für viele zu hektisch für diese Form des Zeitvertreibs.

Wenn man hingegen jemanden treffen will, dann sind die Check-ins zu wenig präzise. In dem Fall ist es praktischer, den Standort live freizugeben, wie das zum Beispiel in WhatsApp oder anderen Messengern möglich ist (Zähneknirschende Tipps zu Whatsapp). So gesehen taugen die Apps eigentlich nur für sich selbst – denn auch aus den Versprechungen, dass man als treuer Kunde an einem Ort Vergünstigungen erhalten würde, ist nicht allzu viel geworden.

Ein Ort für die Lieblingsorte.

Mapstr ist eine App, mit der man ebenfalls seine Umgebung und Lieblingsorte kartografiert – aber mit etwas weniger hochgehängten Ambitionen und womöglich deswegen aussichtsreicher. Die App existiert fürs iPhone und iPad und für Android. Man trägt seine Lieblingsorte ein, versieht sie mit Tags und kann sie auch als Empfehlungen für seine Freunde freigeben. Die Live-Komponente fehlt. Wo man sich aufhält, spielt für Mapstr keine Rolle. Und wie oben erklärt, ist das in den allermeisten Fällen auch irrelevant.

Ich habe die App erst seit kurzem im Einsatz und will mir daher kein abschliessendes Urteil erlauben. Es macht jedenfalls Spass, sie zu benutzen. Und die Funktionsweise ist einleuchtend. Wie nützlich Mapstr letzendlich sein wird, hängt von den Tags ab, vermute ich. Wenn man einen Ort entdeckt, den man gerne besuchen möchte, dann trägt man ihn mit dem Label Ausprobieren ein. Ist man dann mal in der Nähe, dann liefert einem die App eine Erinnerungshilfe, dass man dort schon längstens hin wollte.

Besonders nützlich ist das auch auf Reisen. Man kann die App nutzen, um vorab Orte einzutragen, die man sich ansehen möchte. Das ist praktischer als Trip Advisor (iPhone und iPad und Android), wo man dann vor lauter Orten und Möglichkeiten die vorher ausgesuchten Plätzchen dann doch nicht mehr findet. Ja, womöglich könnte man sich besser organisieren – aber ich nutze diese App dann doch am liebsten für spontane Entscheide und nicht für die Planung.

Und vor allem kann man auf Reisen auch Orte eintragen, an denen man war und die man weiterempfehlen würde oder die man noch einmal besuchen würde, wenn man in diese Gegend der Welt zurückkommen sollte. Das ermöglicht eine Art unkompliziertes Reisetagebuch. Und wenn man seine Tags vernünftig auswählt, dann weiss man fünf Jahre später im Idealfall sogar noch, was einem damals gefallen hat.

Wenn man (bei Mapstr) Freunde hat, erfährt man, wo die sich gerne aufhalten (sogar per Siri).

Ich habe ein paar meiner Lieblingsorte mit dem Tag Lieblingsort erfasst. Und wie gesagt: Es ist möglich, Leuten zu folgen und sich folgen zu lassen und von deren Erfahrung zu profitieren.Wer mir folgen möchte: Ich heisse auch bei Mapstr MrClicko und bin hier zu finden.

Was mir auch gefällt: Man kann seine Daten in der App über das eigene Profil und Konto-Einstellungen > Exportieren speichern. Man erhält dann eine CSV-Datei mit den Koordinaten, den Tags und der Bezeichnung zugeschickt. Damit kann man tun und lassen, was man möchte – sehr schön.

Und es gibt im Profil auch die Möglichkeit, Orte aus Foursquare, Swarm, Facebook, Instagram und den Kontakten zu importieren. Ich habe das nicht gemacht – denn hier geht es, anders als bei Swarm, eben nicht um Masse, sondern um Klasse.

Beitragsbild: Da sitzen und die Gedanken streifen lassen… (biancamentil/Pixabay, Pixabay-Lizenz)

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

2 Gedanken zu „Eine App für Orte, an denen man gerne ist“

  1. Aha, klingt interessant, dein Beitrag. Wenn ich das richtig verstanden habe, kommt das einer App-Idee verdammt nahe, die ich vor einigen Jahren hatte aber aus Mangel an eigenem Programmierwissen und Geld, einen Programmierer zu engagieren, wieder fallen liess. Muss ich mir unbedingt anschauen. Danke!

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