Mit dieser Foto-App zeigt man Instagram den Meister

Heute geht es um Darkroom. Ich dachte erst, es handle sich um eine Tablet-Variante eines bekannten Open-Source-RAW-Konverters. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich den Namen verwechsle und jenes Programm Darktable heisst. Siehe: Auf die dunkle Seite wechseln? Das ist nun aber kein Grund, sie nicht zu besprechen. Auch wenn mich bei den Foto-Apps angesichts der schieren Zahl immer das Gefühl beschleicht, es gäbe noch mindestens zehn andere Produkte, die noch viel empfehlenswerter und besprechenswürdiger gewesen wären.

Darkroom ist eine App fürs iPhone und iPad. Sie ist kostenlos und bietet dafür einen soliden Basis-Funktionsumfang. Es gibt in App-Käufe fürs Freischalten der weitergehenden Werkzeuge. Für alle Tools zahlt man 10 Franken. Der Hersteller singt in der Beschreibung im App Store in den höchsten Tönen eine Lobeshymne auf sich selbst:

Sparen Sie sich das Hantieren mit mehreren Apps und entdecken Sie die hervorragend gestaltete, integrierte und leistungsstärkste Fotobearbeitungs-App für iOS. iPad-Unterstützung, RAW-Unterstützung, Porträtbearbeitung, Hashtag-Manager, benutzerdefinierte Filter, inhaltsbasierte Ränder und vieles mehr.

Ein Hashtag-Manager ist nun nicht das erste, was ich bei einer Bildbearbeitungssoftware suche. Sollte damit allerdings ein Editor für Metadaten gemeint sein, bin ich damit einverstanden.

Und man muss der App zugute halten, dass sie einen sehr aufgeräumten Eindruck macht. Ein übersichtlicher Dialog eröffnet den Zugriff auf die Fotos. Man kann die Fotos wie in der normalen Foto-App nach Art (Favoriten, Live-Fotos, Portraits, Selfies, Panoramen, etc.) eingrenzen. Leider fehlt die Integration der Dateien-App. Das ist ein echtes Manko für eine App, die professionelle Ansprüche befriedigen möchte.

Ein Speichern im Dateisystem ist immerhin möglich. Der Exportieren-Dialog bringt via Andere Apps und Dienste das Sharesheet zum Vorschein, in dem man den Befehl In Dateien sichern zur Verfügung hat.

Die Ansicht zum Bearbeiten zeigt bei der Leiste links Befehle, mit denen man zur Fotoauswahl zurückkehrt, einen kleinen Bildstreifen einblendet, ein Foto favorisiert oder löscht und ein Menü fürs Ausblenden und Exportieren anzeigt. Ganz unten links macht man Aktionen rückgängig oder wiederholt sie.

Rechts gibt es den Exportbefehl noch einmal (man kann sich fragen, warum der doppelt vorhanden ist) und Knöpfe fürs Beschneiden und Transformieren und für Filter, Farb- und Belichtungsanpassungen und zum Hinzufügen eines Randes. Als Premiumfunktionen sind die Gradationskurven und der Bereich Farbe für die selektive Bearbeitung von Farbbereichen mit Farbton, Sättigung und Luminanz vorhanden.

Es gibt auch eine Bearbeitungs-Historie, die man kopieren und auf andere Bilder anwenden kann. Plus ein Info-Bereich, in dem Dateiname, Aufnahmedatum, Grösse, Dateiformat, Farbprofil, ISO, Brennweite, Blende, Verschlusszeit, Kameramodell und Aufnahmeort ersichtlich sind. Leider ohne dass man diese Informationen bearbeiten könnte.

Wenn man ein Werkzeug auswählt, werden am rechten Rand die Steuerungselemente angezeigt. Das erinnert an Lightroom und ist daher sehr vertraut. Die Rädchen, Schieber und Auswahlfelder sehen nicht nur ansprechend aus, sie lassen sich auch ausgezeichnet bedienen.

Die Regler aus dem Bereich «Anpassen». Damit kommt man recht weit, aber Lightroom stellt man nicht in den Schatten.

Die Grundfunktionen sind in Ordnung: Das Transformieren und Beschneiden erfüllt seinen Zweck und bei den Anpassungen hat man eine die wichtigen Parametern zur Verfügung (Helligkeit, Kontrast, Lichter, Schatten, Sättigung, Dynamik, Temperatur, Farbton, Fade-Effekt, Korn, Vignette, Schärfe, sowie Stärke und Farbe jeweils für Lichter und Schatten). Mir fehlt ein Regler für die lokalen Kontraste (Klarheit bei Lightroom).

Ein Highlight sind die Bearbeitungsmöglichkeiten für Fotos mit Tiefeninformationen. Die werden von iPhones mit Doppelkamera aufgenommen und ermöglichen es, die Anpassen-Werkzeuge separat auf Hinter- und Vordergrund anzuwenden. Das wünscht man sich auch bei anderen Bildbearbeitungs-Apps!

Gut gefallen auch die Filter, die an Vsco-App erinnern (Die Illusion von echtem Film). Allerdings sind nur zwölf Basisfilter kostenlos. Möchte man alle nutzen, muss man die Premium-Funktionen für 10 Franken oder nur die Filter für 8 Franken freischalten. Es ist auch möglich, die bereits ausgeführten Arbeitsschritte als Filter zu speichern – das ist eine sehr nette Funktion, die mir auch bei der Polarr-App (Photoshop kann einpacken) sehr gut gefällt.

Alles in allem ist der Funktionsumfang nicht spektakulär. Es gibt keine Ebenen, keine Retuschefunktionen, keine lokalen Korrekturen und keine umfangreichen Verwaltungs-Features. Das muss nicht per se negativ sein: Meine Lieblings-App in der Kategorie, Polarr, kann deutlich mehr – aber sie verlangt einem auch mehr ab. Auch Pixelmator (Pixelmator macht auch auf dem iPad eine gute Falle) oder Affinity (Ernsthafte Bildbearbeitung mit dem iPad) gehen viel weiter, sind aber auch um Dimensionen komplexer.

Ob Darkroom eine gute oder schlechte App ist, hängt von den Ansprüchen und den Absichten ab. In der Profiliga würde ich Darkroom nicht verorten. Aber die App eignet sich, wenn man Fotos vor der Veröffentlichung auf Instagram oder einer anderen sozialen Fotoplattform schnell aufzuhübschen. Dafür ist der Funktionsumfang angemessen, und für diesen Zweck passen die Befehle ganz gut: Zum Beispiel auch das Ränder-Modul, das Farben anbietet, die im Bild prominent vorkommen und sich darum auch für die Einfassung eignen.

Und der erwähnte Hashtag-Manager erlaubt es, so genannte Hashtag-Sets zu erstellen, die man einem Bild dann in einem Rutsch zuweist. Diese Funktion ist natürlich auf Instagram zugeschnitten. Sie erspart es einem, die Lieblings-Hashtags von Hand setzen zu müssen.

Fazit: Eine hübsche App für die grundlegenden Bedürfnisse. Der Preis für die Premium-Funktionen ist mir zu hoch. Ich fände die Hälfte, 5 Franken, angemessen.

Beitragsbild: Die Filter.

Autor: Matthias

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