Für Architektur- und Blutmondfotografen

Neulich hat mich Rainer gefragt, ob ich seine App Sun Locator besprechen würde. Solche Anfragen gibt es ab und zu. Ich nehme sie sehr gerne entgegen, gebe aber keinerlei Garantie ab. Ob und wann eine Besprechung erfolgt. Und wo: Es kann somit passieren, dass die App den Auftritt hier im Blog hat und nicht in der Zeitung, beim Newsnetz oder im Patentrezept-Video. Andererseits kam es schon öfters vor, dass ich Besprechungen aus dem Blog für die grosse Bühne aufgegriffen habe. Man könnte sagen, dass das Blog zur Ochsentour gehört.

Woher kommen die Sonnenstrahlen? Und wo gehen sie hin?

Also, zu Sun Locator. Sie dient dazu, einem die Position von Sonne und Mond im Verlauf des Tages anzuzeigen. Das hilft Filmern und Fotografen, die Tageszeit für eine Aufnahmesession auszusuchen, in der das Licht aus der gewünschten Richtung kommt. Wenn man Architekturfotografie betreibt, möchte man wahrscheinlich, dass die Fassade des abzulichtenden Gebäudes nicht im Schatten liegt. Aber auch frontales Licht ist nicht unbedingt ideal. Ein bisschen Schattenwurf hilft, die räumlichen Dimensionen zu erfassen.

Aber auch die Architektur nicht Gegenstand, sondern bloss Kulisse ist, will man wahrscheinlich eine bestimmte Stimmung erzielen. Ob Landschaft oder Portrait, die Sonne ist ein Einflussfaktor, den man genau bestimmen kann – viel einfacher als ein anderer Komparse, der mitunter überhaupt nicht mitspielt. (Ich meine natürlich das Wetter. Für das gibt es zwar auch schöne Apps, aber die haben keine hundertprozentige Trefferquote, so wie die Astronomen.)

Damit man die goldene oder blaue Stunde nicht verpasst.

Sun Locator hat einen professionellen Anspruch. Sie hat auch für Amateure einen Wert, denn sie zeigt die goldene Stunde und die blaue Stunde an. Das sind die Momente, wenn die Sonne am Horizont steht: Ist sie noch etwas darüber, dann wirkt das Licht rötlich und warm, ist sie darunter, dreht es sich ins Bläuliche. Das erzeugt eine besondere Atmosphäre und verspricht stimmungsvolle Fotos. Doch eben: Man muss rechtzeitig vor Sonnenauf- oder -Untergang paratstehen. Wenn man als Fotograf gerne den Vormittag verschläft und dann mittags wach ist, dann muss man sich anhören, dass das die Zeit sich nicht fürs Fotografieren eignet. Oder wie es im Kwerfeldein-Blog mal schön stand:

Eigentlich gilt diese Tageszeit nur dann als interessant, wenn der Himmel wirklich strahlend blau ist und nur vereinzelt von ein paar flauschigen Wölkchen bedeckt wird. Mit einem Polfilter kann gepolt werden bis zum Umfallen.

Da fällt mir ein: Ich könnte meinen Polfilter mal wieder hervorkramen.

Für einen Fotografen, der einigermassen planvoll an seine Fototouren herangeht, ist Sun Locator ein hilfreiches Instrument. Es gibt die App für Android in einer Pro-Version für 5.50 Franken und in einer kostenlosen Lite-Version. Die Unterschiede sind auf der Website aufgeführt; einfach ein bisschen nach unten scrollen. Wenn man die App ernsthaft einsetzen will, dann braucht man die Pro-Variante, damit man planen kann. Aber 5.50 Franken ist angesichts der Kosten für die fotografische Hardware ein Klacks.

So bestimmt man in Sun Locator Ort und Zeit.

Die App nimmt Standort, Zeit und Zeitzone entgegen. Den Standort kann man per GPS ermitteln lassen, aber auch auf einer Karte oder Koordinaten eintragen oder aus einer Liste auswählen.

Aus den Angaben berechnet die App den Sonnenstand für den angegebenen Zeit und Ort, wobei ein virtueller Pfahl im Zentrum den Schattenwurf angibt und auf einen Blick Richtung und Länge zeigt. Auf einer Zeitachse lässt sich der Zeitpunkt vor- und zurück verschieben. Auf diese Weise gelangt man einfach zu dem Zeitpunkt, an dem die Sonne genau aus der gewünschten Richtung scheint.

Das gleiche gilt übrigens auch für den Mond. Wenn man schöne Mondbilder machen möchte oder sich gar für einen Blutmond vorbereitet, dann kann man gut abschätzen, wo man sich mit seiner Kamera positionieren müsste.

Mit einer grossen Einschränkung: Man sieht den Schattenwurf auf einer flachen Ebene. Die Topografie ist auf der Kartenansicht nicht abgebildet. Und die kann durchaus entscheidend sein, besonders, wenn die Sonne oder der Mond tief steht. Aber klar, da spielt nicht nur das Gelände, sondern auch die Vegetation und die Bebauung eine Rolle.

Wenn man eine spektakuläre Aufnahme haben will, wie der Blutmond genau vor einem Kirchturm steht, dann sollte man sich nicht auf die App verlassen. Dann kommt man nicht darum herum, vorab herauszufinden, wann der Mond an der passenden Stelle steht und von welcher Stelle aus man ihn gut fotografieren könnte. Oder man schafft sich eine Drohne an, mit der man flexibler ist, vor allem was die y-Achse der Kamera angeht.

Die Sonnenposition stimmt (am Nexus 6) nur näherungsweise.

Ein bisschen hilft die Kamera-Ansicht von Sun Locator. Sie setzt auf Augmented Reality und blendet die Bahn von Sonne und Mond ins Kamerabild ein. Mit dieser Ansicht kann man genau abschätzen, wo der gewünschte Himmelskörper zur fraglichen Zeit stehen wird. Bei meinem Test war diese Anzeige nicht so genau, dass ich mich wirklich darauf verlassen hätte. Aber das kann auch am Telefon liegen – für eine verbindliche Aussage müsste man die Apps mit mehreren Modellen testen.

Fazit: Eine empfehlenswerte App, die den Zweck gut erfüllt. Die Optik ist das, was man zweckmässig nennen würde, d.h. nicht sonderlich schön. Das stört aber nicht weiter.

PS: Wenn ihr einen App-Tipp für mich habt, dann könnt ihr den gleich hier hinterlassen. Am besten mit Link. Und wenn es eine Gratis- und eine Bezahlversion gibt, bin ich froh um den Gutscheincode.

Und heute wird belohnt, wer den Blogpost bis zum Ende liest. Ich habe von Rainer nämlich noch zwei Codes für die Vollversion bekommen. Also, wer sie gratis haben möchte – de Schnäller isch de Gschwinder: RC6M7NMMVNLVH8AHUTY2CCU, V0A4Q7DAVK1GUST5S3JWPPQ

Beitragsbild: Bess-Hamiti/Pixabay, CC0

Autor: Matthias

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