Echter wirds nicht

Bereal ist eine Anti-Instagram-App: Sie soll einen ehr­lichen, unge­künstel­ten und un-ins­zenier­ten Einblick in unsere Leben liefern. Das tut sie – wobei man sich fragen kann, ob so viel ungefil­terte Realität nicht auf den Magen schlägt.

Wäre es nicht Zeit für ein neues soziales Medium? Facebook und Twitter haben während der Pandemie den letzten Glanz verloren. Tiktok ist auch nicht mehr taufrisch; und was wir in der letzten Zeit sonst so zu sehen bekommen haben, zum Heulen. Ihr erinnert euch an Gettr (Der Messias ist schon da – aber viele andere fehlen noch)? Dort sind all die Leute zu finden, die bei Twitter rausgeflogen sind. Clubhouse hat sich als Eintagsfliege entpuppt. Und Discord (Heute wird hier Zwietracht gesät) ist zwar nett, aber kein Strassenfeger.

Also, was gäbe es noch? Ich bin im iPhone Store bei einer App namens BeReal gelandet. Die behauptet zwar, «kein weiteres Social Media» (sic) zu sein, hat aber eine offensichtliche soziale Komponente, indem man die App zusammen mit Freunden verwenden soll. „Echter wirds nicht“ weiterlesen

Instagrams verkrachter Halbbruder ist zurück

Hipstamatic ist wieder da. Oder vielleicht war die Foto-App auch gar nie wirklich verschwunden. Jedenfalls gibt es sie in der klassischen und in einer neu aufgelegten Variante – und beide haben ihren Reiz.

Meine Liebe zu Instagram ist abgekühlt; letzte Woche habe ich darüber gebloggt. Darum habe ich mir die Foto-App Hipstamatic vorgenommen – um sie hier zu besprechen und wieder mehr zu benutzen.

Ich habe Hipstamatic hier im Blog einige Male erwähnt (hier oder hier), aber immer nur en passant. Ich habe die App als Halbbruder von Instagram wahrgenommen, der es nie aus dem Schatten dieses Überfliegers geschafft hat – und dessen Schicksal es ist, immer nur in Nebensätzen vorzukommen.

Nun habe ich im Beitrag Remember Hipstamatic? It’s Still Alive von vice.com– der ironischerweise auch schon wieder mehr als zwei Jahre alt ist – gelesen, dass die Sache sogar noch dramatischer ist. Hipstamatic ist in der Tat in gewisser Weise der Bruder von Instagram. „Instagrams verkrachter Halbbruder ist zurück“ weiterlesen

Instagram und ich, wir haben uns nichts mehr zu sagen

Aus einer ehemals tollen Fotoplattform, auf der die Schnapp­schuss­kul­tur eine Hoch­blüte erlebte, ist eine banale, ver­kommer­zia­li­siert­e Selbst­ab­feierungs­ver­an­stal­tung ge­wor­den. Das ist schade – und ein Grund, «Influ­encer» für ein Schimpf­wort zu hal­ten.

Instagram? Das ist dieses Ding, wo Influencer im Reagenzglas gezüchtet und wie im Zoo gehalten werden. Wieso schreitet nicht schon längst die UN-Menschenrechtskommission ein?

Und nein, das ist nicht zu harsch formuliert. Genau so klingt es, wenn Zuneigung verraten und Liebe enttäuscht wird. Und genau das ist das Thema in diesem Beitrag hier: Um eine Beziehung, die über die Jahre immer mehr gelitten hat. Und bei der es an der Zeit ist, einen Schlussstrich zu ziehen.

Okay, den letzten Satz habe ich des Effekts wegen geschrieben. Ich werde mein Instagram-Konto (@mrclicko) nicht löschen. Aber ich halte fest, dass mir Instagram je länger je weniger geheuer ist und ich jedes Mal zusammenzucke, wenn die insidrige Kurzformel #insta an mein Ohr dringt (zum Beispiel von Sara Satir in diesem Podcast hier). Oder wenn einer von #instagold schwadroniert (zum Beispiel Olli Schulz in diesem Podcast hier).

Ja, vermutlich meint es der Schulz sogar ironisch. Doch ich frage mich, wie lange es noch dauert, bis meine Schwiegermutter mich fragt, wie sie Influencerin für … äh, ihr bevorzugtes Themengebiet behalte ich aus Gründen jetzt für mich. „Instagram und ich, wir haben uns nichts mehr zu sagen“ weiterlesen

Mit dieser Foto-App zeigt man Instagram den Meister

Darkroom ist eine Foto-App, die ein bisschen so tut, als könnte sie am Handy oder Tablet Lightroom Konkurrenz machen. Das schafft sie nicht, aber brauchbar ist sie dennoch.

Heute geht es um Darkroom. Ich dachte erst, es handle sich um eine Tablet-Variante eines bekannten Open-Source-RAW-Konverters. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich den Namen verwechsle und jenes Programm Darktable heisst. Siehe: Auf die dunkle Seite wechseln? Das ist nun aber kein Grund, sie nicht zu besprechen. Auch wenn mich bei den Foto-Apps angesichts der schieren Zahl immer das Gefühl beschleicht, es gäbe noch mindestens zehn andere Produkte, die noch viel empfehlenswerter und besprechenswürdiger gewesen wären.

Darkroom ist eine App fürs iPhone und iPad. Sie ist kostenlos und bietet dafür einen soliden Basis-Funktionsumfang. Es gibt in App-Käufe fürs Freischalten der weitergehenden Werkzeuge. Für alle Tools zahlt man zehn Franken. Der Hersteller singt in der Beschreibung im App Store in den höchsten Tönen eine Lobeshymne auf sich selbst: „Mit dieser Foto-App zeigt man Instagram den Meister“ weiterlesen

Für die Kreativen unter den Foto-Hipstern

Wie Instagram, nur besser: Afterlight 2 ist eine App für die Foto-Nachbearbeitung, die einen nicht mit einem riesigen Funktionsumfang erschlägt, aber genügend Möglichkeiten bietet, um Aufnahmen effektvoll aufzuhübschen.

Afterlight 2 ist eine App zur Foto-Bearbeitung, die ich nebst dem Allzeit-Klassiker Snapseed (Mobile Bildbearbeitung für Fortgeschrittene) und Polarr (Photoshop kann einpacken) inzwischen zu meinen Lieblingen zähle.

Die Gradationskurve.

Die App bietet für 3 Franken erstens klassische Bildbearbeitungsbefehle. Es gibt Module fürs Zuschneiden, Drehen, Spiegeln, Begradigen und Verzerren. Zweitens kann sie Helligkeit, Kontrast und Dynamik korrigieren und stellt auch eine Gradationskurve zur Verfügung, die sich auch mit dem Finger recht gut bedient. Die Oberfläche ist schnörkellos und funktionell. Am oberen Rand findet sich eine einfach zu benutzende Bearbeitungshistorie, mit der man Schritte zurücknehmen und den ganzen Bearbeitungsverlauf ansehen kann. Der heiss, leicht fehlerhaft übersetzt, Geschichte.

Apropos Übersetzungen:  „Für die Kreativen unter den Foto-Hipstern“ weiterlesen

Skype, Facebook und Instagram auf Irrwegen

Storys gibt es inzwischen überall, sogar bei Skype. Hätte man nicht voraussehen können, dass das nicht im Interesse der Nutzer ist?

Skype scheint in einer Art Identitätskrise zu stecken. Letztes Jahr wollte Microsoft den altehrwürdigen Videotelefoniedienst in eine Art Social-Media-Netzwerk umbauen. Man konnte sogar eine Art Story über seinen Tag anfertigen. Ja, Microsoft hat bei Skype tatsächlich eines der Features von Facebook (oder ursprünglich von Snapchat) kopiert, die uns schon bei Snapchat kaltgelassen haben und bei Facebook auf den Wecker gegangen sind. Ob das eine vielversprechende Strategie ist?

Nein, natürlich nicht. Man hat auf diesem Weg keine neuen Nutzer dazugewonnen. Denn wieso sollte jemand, der auf Snapchat (oder meinetwegen bei Facebook oder Instagram) mit Leidenschaft jeden Tag seine Story veröffentlicht, das gleiche nochmals bei Skype tun? Und wer es bei Snapchat, Facebook und Instagram nicht tut, der tut es auch bei Skype nicht.

Skype als Snapchat-Klon

Das hätte Microsoft schon erkennen können, bevor sie mit viel Aufwand ein bewährtes Produkt in einen sinnlosen Snapchat-Klon umgebaut haben. „Skype, Facebook und Instagram auf Irrwegen“ weiterlesen

Der würdige Nachfolger des Polaroids

Der HP Sprocket (2. Edi­tion) im Test: Dieser kleine Drucker lebt von der Spon­tanität des Moments, nicht der Quali­tät der Bilder.

Für unsere Gadget-Tipps für Weihnachten dieses Jahres (Ihr Gadgetlein kommet, Abo plus) habe ich den HP Sprocket (zweite Edition) mit Lichterkette (Amazon Affiliate) vorgestellt. Ja, ich weiss. Ich und drucker, das passt nicht zusammen. Ich bin fürs papierlose Büro. Und wenn ich einsehen muss, dass sich das noch nicht ganz realisieren lässt, dann ärgert micht das. Aber dieser kleine Drucker ist charmant. Und weil er kein richtiger Drucker, sondern bloss ein Spass-Drucker ist, braucht man ihn auch nicht so ganz ernst zu nehmen.

Die Idee ist, dass man mit ihm Fotos ab Handy in richtige Fotos verwandelt. Das ist eine legitime Idee. Denn die Handy-Fotos sind zwar immer dabei. Man kann sie auch leicht weitergeben und «verschenken». Doch schön sind Fotos eben auch, wenn man sie in physischer Form zur Verfügung hat. Dann kann man sie an den Kühlschrank hängen, beim Schreibtisch platzieren oder im Portemonnaie mit herumtragen (solange man noch ein Portemonnaie hat): Dann sieht man seine Fotos eben nicht nur, wenn man sie im Smartphone abruft, sondern auch zufällig, wenn der Blick dorthin fällt, wo man sie platziert hat. Die Sprocket-Fotos sind folgerichtig denn auch selbstklebend. (Auch wenn ich grösste Mühe bekunde, die Abdeckschicht wegzubekommen.)

Der Drucker, der zum Handy passt

Der Drucker hat ungefähr Handygrösse.  „Der würdige Nachfolger des Polaroids“ weiterlesen

Kein Kamera-Ei des Kolumbus

Halide wird weitherum als beste Kamera-App aller Zeiten gelobt. Diese hohe Anerkennung teile ich nicht, aber eine Empfeh­lung ist mir die App allemal wert, weil sie eine raffi­nierte Metho­de für die Belich­tung und RAW-Qualität berei­thält.

Kamera-Apps fürs iPhone gibt es … naja, aus Angst vor einem anprangernden Tweet der Floskelwolke verwende ich nun nicht die nahe liegende Formulierung, in der die Worte «Sand» und «Meer» vorkommen. Es gibt jedenfalls sehr viele davon. Unter anderem die hier vorgestellte und noch immer gern verwendete Manual Camera. Oder Halide. Die App ist für sechs Franken fürs iPhone erhältlich.

Ich habe diese App besorgt, weil ich neulich die Siri-Kürzel vorgestellt habe: Das sind einzelne App-Befehle, die man über Googles digitale Assistentin aufrufen kann. Mit Halide ist es möglich, per Sprachbefehl ein Foto zu machen – und sogar per Hey, Siri! Das ist schon ganz charmant – und es ist per Kurzbefehle-App auch möglich, einen ganzen Workflow dranzuhängen, der ein Bild zum Beispiel gleich bei Instagram postet. Es war nie einfacher, Influencer zu sein!

Von prominenter Abstammung

Die Sprachsteuerung ist aber nur ein Nebenaspekt. „Kein Kamera-Ei des Kolumbus“ weiterlesen

Dieser Bilder-Autopilot kriegt nicht jede Kurve

Photolemur ist eine bei Facebook beworbene Software, die verspricht, Bilder vollautomatisch perfekt nachzubearbeiten. Einer kritischen Prüfung hält dieses Versprechen nicht stand.

Das ist der allererste Blogpost, der aufgrund einer Facebook-Werbung entstanden ist. (Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass es der letzte Blogpost ist, der diesen Ursprung hat.) Ich habe in der letzten Zeit nämlich häufig eine Werbung für ein Bildbearbeitungsprogramm namens Photolemur gesehen. Die hat den Mund recht voll genommen: «Mach deine Fotos per Autopilot toll!»

Will ich wirklich, dass mein Kopf so viel Magenta abbekommt? Doch eher nicht.

Autopilot bedeutet, dass man selbst nichts tun muss: Man lädt sein Foto, lässt die App machen und exportiert hinterher sein aufgehübschtes Bild:

Let the Automagic Technology powered by Artificial Intelligence do all the photo editing for you.

Wenn schlimme Wortschöpfungen wie «Automagic» auf Trendschlagwörter à la «Artificial Intelligence» treffen, dann wurde für meinen Geschmack zu dick aufgetragen. Und wenn ich dieser Tage «künstliche Intelligenz» höre, werde ich sowieso misstrauisch.

Algorithmen können viel. Aber!

Nicht dass ich solchen algorithmischen Tausendsassas nicht Wunder weiss ich was zutrauen würde – das tue ich (siehe Lass das mal die Software machen und Software lernt, Bilder zu verstehen). Aber ich glaube eben nicht, dass es eine künstliche Intelligenz gibt, die das vollautomatisch hinbekommt. Bildbearbeitung ist keine absolute Wissenschaft, sondern eine Sache des persönlichen Geschmacks:
„Dieser Bilder-Autopilot kriegt nicht jede Kurve“ weiterlesen

Effektvoll farbklecksen

Beim Color-Splash-Effekt bleibt in einer Schwarzweissaufnahme eine Bereiich in Farbe erhalten, wordurch er prominent hervorsticht. Depello ist eine spezialisierte Bildbearbeitungs-App, bei der man den Effekt ohne aufwändige Maskierungen erzielt.

Seinerzeit habe ich die App Color Splash vorgestellt, im Beitrag Farbe als Blickfang einsetzen. Die Idee ist nett: Man verwandelt das Bild in Schwarzweiss, lediglich ein Element bleibt farbig. Das springt ins Auge, und es lässt keinen Zweifel, wohin man den Blick des Betrachters lenken möchte. Dieser Effekt heisst in Englisch color splash oder auch color pop oder color burst. In Deutsch habe ich schon den Begriff des selektiven Schwarzweiss gelesen.

Ein schönes Beispiel für einen Color Splash, allerdings wohl eher nicht per App erzeugt. (Bild: Nevada del 2010, cesc casals/Flickr.com, CC0)

Die Color Splash-App hat nach wie vor ihre Daseinsberechtigung. In der Benutzung ist sie jedoch umständlich. Man muss nämlich den Teil, der farbig bleiben soll, von Hand maskieren. Darum heute eine schöne Alternative: „Effektvoll farbklecksen“ weiterlesen