Mit dieser Foto-App zeigt man Instagram den Meister

Heute geht es um Darkroom. Ich dachte erst, es handle sich um eine Tablet-Variante eines bekannten Open-Source-RAW-Konverters. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich den Namen verwechsle und jenes Programm Darktable heisst. Siehe: Auf die dunkle Seite wechseln? Das ist nun aber kein Grund, sie nicht zu besprechen. Auch wenn mich bei den Foto-Apps angesichts der schieren Zahl immer das Gefühl beschleicht, es gäbe noch mindestens zehn andere Produkte, die noch viel empfehlenswerter und besprechenswürdiger gewesen wären.

Darkroom ist eine App fürs iPhone und iPad. Sie ist kostenlos und bietet dafür einen soliden Basis-Funktionsumfang. Es gibt in App-Käufe fürs Freischalten der weitergehenden Werkzeuge. Für alle Tools zahlt man 10 Franken. Der Hersteller singt in der Beschreibung im App Store in den höchsten Tönen eine Lobeshymne auf sich selbst: „Mit dieser Foto-App zeigt man Instagram den Meister“ weiterlesen

Für die Kreativen unter den Foto-Hipstern

Afterlight 2 ist eine App zur Foto-Bearbeitung, die ich nebst dem Allzeit-Klassiker Snapseed (Mobile Bildbearbeitung für Fortgeschrittene) und Polarr (Photoshop kann einpacken) inzwischen zu meinen Lieblingen zähle.

Die Gradationskurve.

Die App bietet für 3 Franken erstens klassische Bildbearbeitungsbefehle. Es gibt Module fürs Zuschneiden, Drehen, Spiegeln, Begradigen und Verzerren. Zweitens kann sie Helligkeit, Kontrast und Dynamik korrigieren und stellt auch eine Gradationskurve zur Verfügung, die sich auch mit dem Finger recht gut bedient. Die Oberfläche ist schnörkellos und funktionell. Am oberen Rand findet sich eine einfach zu benutzende Bearbeitungshistorie, mit der man Schritte zurücknehmen und den ganzen Bearbeitungsverlauf ansehen kann. Der heiss, leicht fehlerhaft übersetzt, Geschichte.

Apropos Übersetzungen:  „Für die Kreativen unter den Foto-Hipstern“ weiterlesen

Skype, Facebook und Instagram auf Irrwegen

Skype scheint in einer Art Identitätskrise zu stecken. Letztes Jahr wollte Microsoft den altehrwürdigen Videotelefoniedienst in eine Art Social-Media-Netzwerk umbauen. Man konnte sogar eine Art Story über seinen Tag anfertigen. Ja, Microsoft hat bei Skype tatsächlich eines der Features von Facebook (oder ursprünglich von Snapchat) kopiert, die uns schon bei Snapchat kaltgelassen haben und bei Facebook auf den Wecker gegangen sind. Ob das eine vielversprechende Strategie ist?

Nein, natürlich nicht. Man hat auf diesem Weg keine neuen Nutzer dazugewonnen. Denn wieso sollte jemand, der auf Snapchat (oder meinetwegen bei Facebook oder Instagram) mit Leidenschaft jeden Tag seine Story veröffentlicht, das gleiche nochmals bei Skype tun? Und wer es bei Snapchat, Facebook und Instagram nicht tut, der tut es auch bei Skype nicht.

Das hätte Microsoft schon erkennen können, bevor sie mit viel Aufwand ein bewährtes Produkt in einen sinnlosen Snapchat-Klon umgebaut haben. „Skype, Facebook und Instagram auf Irrwegen“ weiterlesen

Der würdige Nachfolger des Polaroids

Für unsere Gadget-Tipps für Weihnachten dieses Jahres (Ihr Gadgetlein kommet, Abo plus) habe ich den HP Sprocket (2. Edition) mit Lichterkette (Amazon Affiliate) vorgestellt. Ja, ich weiss. Ich und drucker, das passt nicht zusammen. Ich bin fürs papierlose Büro. Und wenn ich einsehen muss, dass sich das noch nicht ganz realisieren lässt, dann ärgert micht das. Aber dieser kleine Drucker ist charmant. Und weil er kein richtiger Drucker, sondern bloss ein Spass-Drucker ist, braucht man ihn auch nicht so ganz ernst zu nehmen.

Die Idee ist, dass man mit ihm Fotos ab Handy in richtige Fotos verwandelt. Das ist eine legitime Idee. Denn die Handy-Fotos sind zwar immer dabei. Man kann sie auch leicht weitergeben und «verschenken». Doch schön sind Fotos eben auch, wenn man sie in physischer Form zur Verfügung hat. Dann kann man sie an den Kühlschrank hängen, beim Schreibtisch platzieren oder im Portemonnaie mit herumtragen (solange man noch ein Portemonnaie hat): Dann sieht man seine Fotos eben nicht nur, wenn man sie im Smartphone abruft, sondern auch zufällig, wenn der Blick dorthin fällt, wo man sie platziert hat. Die Sprocket-Fotos sind folgerichtig denn auch selbstklebend. (Auch wenn ich grösste Mühe bekunde, die Abdeckschicht wegzubekommen.)

Der Drucker hat ungefähr Handygrösse.  „Der würdige Nachfolger des Polaroids“ weiterlesen

Kein Kamera-Ei des Kolumbus

Kamera-Apps fürs iPhone gibt es … naja, aus Angst vor einem anprangernden Tweet der Floskelwolke verwende ich nun nicht die nahe liegende Formulierung, in der die Worte «Sand» und «Meer» vorkommen. Es gibt jedenfalls sehr viele davon. Zum Beispiel die hier vorgestellte und noch immer gern verwendete Manual Camera. Oder Halide. Die App ist für 6 Franken fürs iPhone erhältlich.

Ich habe diese App besorgt, weil ich neulich die Siri-Kürzel vorgestellt habe: Das sind einzelne App-Befehle, die man über Googles digitale Assistentin aufrufen kann. Mit Halide ist es möglich, per Sprachbefehl ein Foto zu machen – und sogar per Hey, Siri! Das ist schon ganz charmant – und es ist per Kurzbefehle-App auch möglich, einen ganzen Workflow dranzuhängen, der ein Bild zum Beispiel gleich bei Instagram postet. Es war nie einfacher, Influencer zu sein!

Die Sprachsteuerung ist aber nur ein Nebenaspekt. „Kein Kamera-Ei des Kolumbus“ weiterlesen

Dieser Bilder-Autopilot kriegt nicht jede Kurve

Das ist der allererste Blogpost, der aufgrund einer Facebook-Werbung entstanden ist. (Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass es der letzte Blogpost ist, der diesen Ursprung hat.) Ich habe in der letzten Zeit nämlich recht häufig eine Werbung für ein Bildbearbeitungsprogramm namens Photolemur gesehen. Die hat den Mund recht vollgenommen: «Mach deine Fotos per Autopilot toll!»

180706-photolemur-04.jpg
Will ich wirklich, dass mein Kopf so viel Magenta abbekommt? Doch eher nicht.

Autopilot bedeutet, dass man selbst nichts tun muss: Man lädt sein Foto, lässt die App machen und exportiert hinterher sein aufgehübschtes Bild:

Let the Automagic Technology powered by Artificial Intelligence do all the photo editing for you.

Wenn schlimme Wortschöpfungen wie «Automagic» auf Trendschlagwörter à la «Artificial Intelligence» treffen, dann wurde für meinen Geschmack zu dick aufgetragen. Und wenn ich dieser Tage «künstliche Intelligenz» höre, werde ich sowieso misstrauisch. Nicht dass ich solchen algorithmischen Tausendsassas nicht Wunder weiss ich was zutrauen würde – das tue ich (siehe Lass das mal die Software machen und Software lernt, Bilder zu verstehen). Aber ich glaube eben nicht, dass es eine künstliche Intelligenz gibt, die das vollautomatisch hinbekommt. Bildbearbeitung ist keine absolute Wissenschaft, sondern eine Sache des persönlichen Geschmacks:
„Dieser Bilder-Autopilot kriegt nicht jede Kurve“ weiterlesen

Effektvoll farbklecksen

Seinerzeit habe ich die App Color Splash vorgestellt, im Beitrag Farbe als Blickfang einsetzen. Die Idee ist nett: Man verwandelt das Bild in Schwarzweiss, lediglich ein Element bleibt farbig. Das springt ins Auge, und es lässt keinen Zweifel, wohin man den Blick des Betrachters lenken möchte. Dieser Effekt heisst in Englisch color splash oder auch color pop oder color burst. In Deutsch habe ich schon den Begriff des selektiven Schwarzweiss gelesen.

171117-color-splash.jpg
Ein schönes Beispiel für einen Color Splash, allerdings wohl eher nicht per App erzeugt. (Bild: Nevada del 2010, cesc casals/Flickr.com, CC0)

Die Color Splash-App hat nach wie vor ihre Daseinsberechtigung. In der Benutzung ist sie jedoch umständlich. Man muss nämlich den Teil, der farbig bleiben soll, von Hand maskieren. Darum heute eine schöne Alternative: „Effektvoll farbklecksen“ weiterlesen

Die grossartigen Video-Apps von Go Pro

Im Moment bin ich mit einem Video-Ärbeitlein beschäftigt, das andere sicherlich grossspurig mit dem Hashtag #Geheimprojekt versehen würden. Es ist dieser Tage in Mode, sich in den sozialen Medien beredt über unausgegorene Pläne auszuschweigen. Jedenfalls gibt es in meinem Video einen Teil, bei dem eine Sammlung von Fotos relativ zügig durchgehechelt werden soll. Gefragt ist einerseits eine hübsche Darstellung. Und da es andererseits auch Musik gibt, sollten die Fotos auf den Takt durchgewechselt bzw. durchgeblättert werden.

Wenn man so etwas von Hand z.B. in Final Cut Pro schneiden würde, dann bekäme man es mit echter Arbeit zu tun. Die Alternative ist eine App, die sich auf solcherlei spezialisiert hat. Ich habe sofort an Adobe Clips (Kurzvideos zusammenadobeclippen) gedacht. Doch diese App musste vor der Aufgabe schmählich kapitulieren: Sie hat es nicht geschafft, den gewünschten Song aus der Musik-App zu importieren. Fehlermeldung: Nicht gefunden. Obwohl ich ihn auf althergebrachte Weise per iTunes aufs iPad synchronisiert hatte.

171027-gopro-splice.jpg
Splice mit Farbeffekten und der Möglichkeit, seine Videos mit Kommentaren zu besprechen.

Die (nicht ganz so neue) Erkenntnis: Auf Adobe ist kein Verlass. Meine nächste Wahl fiel auf Go Pro. Der Action-Cam-Hersteller hat auch zwei Videoschnitt-Apps im Angebot, nämlich Quik (fürs iPhone/iPad und Android), sowie Splice (offenbar nur fürs iPhone und iPad). Die beiden Apps haben einen guten Ruf und ich habe Splice seinerzeit kurz bei der Vorstellung von Apple Clips als Alternative vorgeschlagen.

Stellt sich als erstes die Frage: Will man Splice oder Quik verwenden – und was ist der Unterschied? „Die grossartigen Video-Apps von Go Pro“ weiterlesen

Apple auf Instagrams Spuren

Falls das Video nicht erscheint, bitte hier klicken.

Apple hat letzten Monat nicht nur neue iPads angekündigt, sondern auch die Video-App Clips. Nun kann man sich fragen, was die Motivation ist. Apple hat bereits eine schöne Video-App im Portfolio: iMovie heisst sie, und ich nutze sie gern. Wenn man die neue App ausprobiert, dann stellt man allerdings sofort fest, dass Clips (kostenlos) eine andere Klientel anspricht als iMovie. iMovie orientiert sich an den klassischen Videoschnittprogrammen, mit denen man mehrere Aufnahmen zu einem kleinen Filmchen zusammenbaut.

Clips dagegen ist eher eine Kamera-App, mit der man ein paar bewegte Schnappschüsse macht, die mit Effekten versieht und dann bei Facebook, Instagram, Snapchat oder WhatsApp postet. Apple will, so mein Eindruck, bei dem neusten Hype dabei sein. Das sind die «Meine Story»-Funktionen, die es zuerst bei Snapchat gab, und die man nun überall sieht: Bei Facebook und dem Facebook Messenger und sogar bei Excel.

Also ein leicht durchschaubarer Versuch, bei der Jugend zu punkten. „Apple auf Instagrams Spuren“ weiterlesen

Kunst ist eine Frage der richtigen App

161010-pikazo-01.jpg
Ein Homescreen-induzierter Drogentrip mit Kuh.

Die Zeit der simplen Instagram-Effekte ist durch. Wenn man heute für Furore sorgen möchte, muss man bei seinen Algorithmen gehörig aufrüsten und zum Beispiel maschinelles Lernen ins Feld führen. Dann kriegt man aber auch einen schönen Hype hin, wie die Prisma-App (iPhone und Android) es in diesem Sommer bewiesen hat.

Prisma und die anverwandten Apps mit ihren Künstler-Kopisten-Algorithmen sind aber auch wirklich ein hervorragender Zeitvertreib für Foto-Spielkinder. Besonders schräg treibt es die App Pikazo (kostenlos fürs iPhone). „Kunst ist eine Frage der richtigen App“ weiterlesen