Maria will was von mir auf Instagram

Ist es geschäftlich, romantisch oder doch eine Betrugsmasche? Eine Frau schickt mir seit ein paar Tage mysteriöse Direktnachrichten. Ob sie demnächst zu Potte kommt?

Habe ich etwa eine Verehrerin? Diese ungeheuerliche Vermutung hat sich mir neulich aufgedrängt, als mir das iPhone den Eingang von zwei Direktnachrichten in meinem Instagram-Posteingang vermeldete. Die erste lautete: «Hello». Und die zweite: «How are you doing, dear?»

Dieses unerwartete Interesse an meiner Gefühlslage stammt von einer Instagrammerin namens Maria. Wir folgen uns auf dieser Plattform seit zwei, drei Wochen. Wir haben über einen gemeinsamen Freund zueinander gefunden: Simon, den ich im wirklichen Leben kenne. Ob er seinerseits Maria IRL getroffen hat, weiss ich nicht. Möglich wäre es, aber konkrete Anzeichen wie gemeinsame Fotos habe ich keine entdeckt.

Maria wohnt in Pittsburgh, Pennsylvania. Sie ist Unternehmerin und steht aufs Reisen. Sie hat ungefähr 600 Follower und folgt ihrerseits um die 1600 Leuten. Sie ist offensichtlich keine Influencerin, der man unterstellen könnte, mittels persönlicher Interaktion mit ihren Followern das Engagement steigern zu wollen.

Sind meine heissen Selfies daran schuld?

Aber was könnte dann der Grund für ihre Kontaktaufnahme sein? Es scheint mir nicht vermessen, romantische Motive zu vermuten, wo ich doch einige brandheisse Selfies auf Instagram habe.

Nein, Quatsch; natürlich denke ich sofort an eine Nepper-Aktion. Es ist zwar traurig, dass sich gleich das Misstrauen regt. Aber das kommt nicht von ungefähr. Wir erinnern uns schliesslich noch bestens an die Flut an Direktnachrichten bei Facebook, mit denen unsereins in irgendwelche Gruppen gelockt werden sollte, um dort mit willigen Damen anzubandeln. Natürlich war alles eine Scharade und eine durchsichtige obendrein. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass die Betrüger inzwischen dazugelernt und ihre Methoden verbessert haben.

Also, grundsätzlich würde ich empfehlen, nicht auf solche Direktnachrichten einzutreten. Wenn jemand mit lauteren Absichten eine Kontaktaufnahme startet, dann tut er das mit einer Erklärung, worum es geht – und kaum mit einer so vertraulichen Ansprache wie Maria, die mich gleich «dear» genannt hat.

Nun wollte ich aber wissen, worum es geht und habe geantwortet. Ich habe geschrieben, es gehe mir gut und Maria ebenfalls als «dear» adressiert.

Porträtmaler im Mittelalter

Im Anschluss haben wir uns einige Belanglosigkeiten ausgetauscht. Ich habe von meinen Ferien geschrieben, aber ohne in die Details zu gehen. Sie hat mitgeteilt, dass sie vor einiger Zeit in Basel war und sich bewundernd über die «schönen Künste und Kultur» geäussert, die sie in der Schweiz gesehen habe. Woraufhin ich geschrieben habe, mein Lieblingsberuf wäre Porträtmaler in Mittelalter gewesen – weil das sicherlich ein angenehmes Leben bedeutet hätte, ausser, wenn «ich das Bildnis der Königin vermasselt hätte». Würde Maria diese Fantasterei als Steilvorlage verstehen, selbst etwas Unkonventionelles ins Gespräch einzubringen?

Doch das tat sie nicht und somit blieb in der Schwebe, wohin diese Instagram-Begegnung denn eigentlich führen sollte. Aber nach einigem weiteren Smalltalk ist es klarer geworden. Maria schrieb also:

Ich fühle mit dir, meine Lieber, da du gerade in einem erholsamen Urlaub bist, was hältst du davon, wenn ich dich für eine Geschäftsmöglichkeit interessiere?

Hm, also daher weht der Wind. Und auch wenn es sich natürlich von selbst versteht, würde ich auf keine Geschäftsvorschläge eintreten, die mir auf Instagram unterbreitet werden, selbst wenn ich Geschäftsmann wäre. Aber da ich jetzt wissen will, was Marias grossartige Geschäftsidee ist, antworte ich wie folgt: «Normalerweise mache ich in den Ferien keine Geschäfte. Work-Life-Balance, du weisst schon. Ich bin also nur interessiert, wenn die Gewinnmarge wirklich hoch ist.»

Dass ich selbst nicht auf die Idee gekommen bin 🙄

Wusstest du, dass du bis zu 50’000 Pfund verdienen kannst, wenn du in Bitcoin-Mining investierst?

Bleibt eine Frage: Warum will die Frau in Pittsburgh, dass ich einen riesigen Gewinn im britischen Pfund mache?

Juhuu, Bitcoin-Mining! Wie originell ist das denn! Als ob ich nicht schon 2016 geschrieben hätte, welche Betrugsmaschen rund um die Kryptowährungen blühen. Klar, es kann auch sein, dass hier tatsächlich ein Mining-Geschäft aufgebaut werden soll – aber wenn man dafür die Investoren nach dem Zufallsprinzip auf Instagram suchen muss, dann scheint mir das keine sonderlich durchdachte Unternehmung.

Ich antwortete wie folgt: «Ich weiss. Kevin ist mein Kryptowährungs-Investor-Kumpel.»

Mit Kevin ist Kevin Rechsteiner gemeint. Er verwaltet unser Geld, das wir beim Nerdfunk zusammengekratzt haben, um Bitcoin-Millionäre zu werden – was wir bislang nicht geworden sind, wie unser Krypto-Kassensturz gezeigt hat.

Früher war das Internet romantischer

An dieser Stelle hat sich die Sache leider fast totgelaufen. Mein Misstrauen war nicht ungerechtfertigt, auch wenn Maria wohl einen (tendenziell harmlosen) Versuchsballon hat steigen lassen und dieses Bitcoin-Investment-Business nicht im grossen Stil betreibt – dafür kommt sie zu wenig schnell auf den Punkt. Ich werde jedenfalls meine Laufbahn als Crypto-Investor noch etwas ausschmücken und sehen, wohin das führt. Falls die «Wie ich auf Instagram zu einer lukrativen Geschäftsbeziehung mit Maria gekommen bin, wie Maria zum Kind»-Saga noch eine spannende Wendung hergibt, dann lest ihr das hier. Wenn nicht – dann nicht.

Und ja, früher war das Internet romantischer.

Beitragsbild: Ob noch etwas daraus werden wird? (Omkar Patyane, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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