Besser als Youtube Kids

In meiner kleinen Reihe zu Kinder- und Eltern-Apps ist heute Kika Player dran. Ihn habe ich schon einmal kurz im Beitrag Diese Apps dürfen unsere Kinder nutzen erwähnt, in dem es um Alternativen zu Youtube Kids geht. Youtube gibt es neuerdings in einer Variante für die Kleinen (für Android und iPhone). Denn das normale Youtube ist offensichtlich völlig untauglich zur Kinderbespassung: Da gibt es zu viel und unpassende Werbung. Der ständige Versuch, einem Youtube Premium anzudrehen. Und die Empfehlungen sind auch nicht über alle Zweifel erhaben.

Allerdings darf man sich fragen, ob eine spezielle App die Sache wirklich besser macht. Ich erinnere an Elsagate, auch thematisiert im Beitrag Youtube steckt in der Krise: Im Videoangebot für die Kleinen tauchten manipulierte Clips mit Gewalt- und Sexszenen auf. Da muss man sich mehrere Fragen stellen. Erstens: Wer tut das und warum? Und zweitens: Hat Google dieses Problem gelöst? Ich habe diese Frage zum Statt von Youtube Kids an die Schweizer PR-Agentur gestellt und folgende Antwort erhalten:

Back in Nov 2017, on the main YouTube, YouTube implemented policies to age-restrict (only available to people over 18 and logged in) content with family entertainment characters but containing mature themes or adult humor (this is the “elsagate” content you refer to – kids characters but the content is designed for older audiences).

To help surface this content, we are applying machine learning technology and automated tools to quickly find and escalate for human review. Content that has been age restricted does not make it through the filters onto YouTube Kids. Beyond that, we’ve taken a series of steps over the last year that reflect a tougher stance on these issues. For more on how we’ve addressed this content, see here.

Google versucht, das Problem auf Google-typische Weise zu lösen: Mit maschinellem Lernen und automatisierten Tools. Ob das  zielführend ist, darf angezweifelt werden. Darum halte ich das kuratierte Angebot von Netflix und die schon vorgestellte Maus-App für eine bessere Wahl.

Und eben: Eine gute Quelle für Kinder-Videos ist auch den Kika-Player, erhältlich für iPhone und Android. Es gibt ihn seit August 2018, und es ist im Grund einfach eine Mediathek-App für das Angebot des Kinderkanals von ARD und ZDF (der ein gutes Argument fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen ist, selbst wenn die Nobillag-Abstimmung zum Glück durch und gut ausgegangen ist).

Hier tauchen nur Videos auf, die man seinen Kindern auch zumuten will (doof findet man sie womöglich trotzdem).

Die App hat die Funktionen, die man von einer Mediathek erwartet: Eine Liste mit neuen und beliebten Videos. Eine Suchfunktion. Die Möglichkeit, Videos zu favorisieren (das nennt sich hier «herzen»). Und eine klare, simple und kindergerechte Oberfläche.

Darüber hinaus hat sie Funktionen, die einer App für Kinder gut anstehen: Man kann (über die Pin-Code-geschützten Einstellungen) für jedes Kind ein eigenes Profil einrichten. In dem gibt man das Alter an und grenzt das Angebot ein: Entweder das ganze Kika-Repertoire, oder aber nur Inhalte fürs Vorschulalter. Und man kann die Nutzungszeit auf 30 Minten, 1 Stunde, anderthalb Stunden oder zwei Stunden einschränken.

Die zeitlichen und inhaltlichen Einschränkungen.

Das alles macht die App empfehlenswert. Ankreiden würde ich ihr, dass manche Inhalte nur eine gewisse Zeit vorhanden sind und danach «depubliziert» werden. Klar, das hat mit der Rechtsprechung in Deutschland zu tun, die verlangt, dass sich die öffentlich-rechtlichen Angebote von den kommerziellen unterscheiden. Ich finde das okay, wenn es sich auf die Inhalte bezieht. Die zeitliche Einschränkung führt auch zu einer Unterscheidung, aber einer IMHO völlig nutzlosen.

Ausserdem ist bei der App auch mit Geoblockaden zu rechnen (siehe FAQ zum Streaming) – auch wenn ich bislang keiner begegnet bin. Auch das ist nicht nur beim Erwachsenenfernsehen, sondern auch bei Kinderprogrammen lästig. Aber bekanntlich gibt es ja Abhilfe.

Beitragsbild: Wickie und die Starken Männer siehen auch nicht mehr aus wie zu meiner Zeit (ZDF).

Autor: Matthias

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