Komaglotzen auf gut Schweizerisch

Eine ausführliche Kritik von Playsuisse: Der neue Schweizer Streamingdienst der SRG hatte keinen Glanzstart und noch Potenzial für Verbesserungen. Doch alles in allem ist er der richtige Dienst zu einem guten Zeitpunkt.

Die Startseite von Playsuisse erinnert irgendwie an Netflix.

Mein Anlauf neulich, den neuen Streamingdienst Playsuisse zu besprechen, hat eine unerwartete Wendung genommen. Er beschäftigte sich mit der Strategie 2024 des Schweizer Fernsehens und Radio. Und er gipfelte in der Erkenntnis, dass SRF in einer Identitätskrise steckt.

Nun wage ich einen zweiten Anlauf zu der Frage: Was taugt der neue Streamingdienst?

Zuerst ein paar Fakten: Man kann ihn unter playsuisse.ch via Browser am Computer verwenden – das ist schon einmal praktisch fürs Homeoffice (räusper, räusper). Wichtiger sind indes die Apps: Es gibt sie für Android, fürs iPhone und inzwischen auch mit einer angepassten iPad-Version.

Empfangsmöglichkeiten

Am wichtigsten sind indes die Apps für die Smart-TVs: Die App für den Apple TV ist hier zu finden, und um das schon einmal vorwegzunehmen: Die erfüllt ihren Hauptzweck. Wir haben mit ihr mehrere Folgen der neuen Serie «Frieden» angeschaut, ohne dass ein Unterbruch oder ein Hänger zu beklagen gewesen wäre. Damit ist das erste Urteil klar: Feuertaufe bestanden.

Die Bedienung empfand ich als wackelig. „Komaglotzen auf gut Schweizerisch“ weiterlesen

Die grosse Identitätskrise beim SRF

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle Playsuisse, die neue Streamingplattform der SRG, besprechen. Doch ich bin vom rechten Pfad abgekommen und habe mich stattdessen darüber ausgelassen, dass SRF bei seiner Digitalstrategie offenbar nicht weiss, was digital bedeutet.

Das Schweizer Radio und Fernsehen SRF orientiert sich unter der 2018 gewählten Chefin Nathalie Wappler um: Das Projekt heisst «SRF 2024» und sei ein «Aufbruch in die digitale Zukunft», liest man in Medienportal.

Das klingt auf den ersten Blick ausgezeichnet: SRF stärke den Investigativjournalismus und die Informationen über die digitalen Kanäle. Wappler verspricht mehr Livestreams im Sport, Podcasts, Storytelling.

Auf den zweiten Blick beginnt man sich vielleicht über die vielen Schlagworte zu wundern: Da wird das «digital first»-Prizip hochgehalten und von «smarteren» Produktionsmethoden geschrieben. Und auf den dritten Blick – wenn man bis zum Ende liest –, erfährt man, dass der «Ausbau im Digitalen Verzichte im Linearen» erforderlich mache.

An dieser Stelle muss ich mich erst einmal über ein Detail aufregen: Es handelt sich um den unsinnigen Gebrauch des Wortes Begriffs digital. Dieser Begriff ergibt im Kontext von «SRF 2024» absolut gar keinen Sinn. Denn es ist doch so: „Die grosse Identitätskrise beim SRF“ weiterlesen

Wer im Streamingkrieg obsiegen wird

Nebst Netflix bekommen wir es mit AppleTV+, mit Disney+, Amazon Prime, Sky Show und den Angeboten von Swisscom und UPC zu tun: Was man wirklich braucht – und wie man den Durchblick behält.

Bislang war die Sache mit dem Streaming einfach. Man hatte ein Netflix-Abo – fertig. Letzten Herbst ist die Angelegenheit ein bisschen komplizierter geworden. Da kam Apple TV+ dazu. Doch dort ist man bislang mit For all mankind ausreichend bedient, sodass dieses neue Angebot die Entscheidungsfindung nur marginal erschwert.

Doch in gut einem Monat, ab dem 24. März, gesellt sich Disney+ dazu. Ich habe die Ausgangslage im  Beitrag Netflix bangt um die Zukunft für die Tamedia-Zeitungen analysiert (Abo+).

Disney+ ist ein ernstzunehmender Mitspieler im Streamingzirkus: Der Konzern ist milliardenschwer. Er sitzt auf gigantischen Archivbeständen. (Ich habe versucht, ein paar Zahlen dazu zu finden – leider auf die Schnelle ohne Erfolg. Falls jemand eine Statistik dazu kennt, bin ich froh um einen Hinweis per Kommentar.) Und er ist gewillt, Netflix das Leben schwer zu machen. „Wer im Streamingkrieg obsiegen wird“ weiterlesen

Der kleinste gemeinsame Multimedia-Nenner

DLNA gehört zu den Dingen, auf die man nicht unbedingt ein Loblied singen würde. Der Standard, 2003 von Sony und Intel erfunden, hat heute ordentlich Staub angesetzt. Er funktioniert umständlich und auch nicht extrem zuverlässig.

Wer nicht weiss, wovon die Rede ist: Die Digital Living Network Alliance hat es sich seinerzeit zum Ziel gesetzt, digitale Inhalte von einem Gerät aufs andere zu bringen. Ein ergänzendes Stichwort dazu ist UPnP, Universal Plug and Play: Geräte können miteinander kommunizieren und Dateien austauschen. Das ist kein Streaming nach heutigen Massstäben, sondern vielmehr ein Dateitransfer. Und wenn wir schon bei der Kritik sind: Die Unterstützung moderner Dateiformate ist ziemlich lückenhaft.

Doch auch wenn DLNA einem kein Techno-Hochgefühl verschafft, habe ich mich trotdzem entschieden, den Standard in einem Patentrezept-Video vorzustellen. Denn was nützt einem die schönste technische Errungenschaft, wenn sie von den Geräten, die man zu Hause herumstehen hat, nicht unterstützt wird? Viele der Alternativen zu DLNA sind weniger verbreitet und stehen längst nicht in allen Konstellationen zur Verfügung.

Das liegt (wie häufig) daran, dass manche Hersteller ein proprietäres Süppchen kochen. „Der kleinste gemeinsame Multimedia-Nenner“ weiterlesen

Etwas Gemotze und 15 Tipps für den AppleTV

Ich bin eigentlich ein Fan von Apples Fernsehbox. Doch mit der Siri Remote, der touchgesteuerten Fernbedienung, kann ich mich ums Verr*cken nicht anfreunden.

Eigentlich wollte ich hier ein paar Tipps für den AppleTV zum Besten geben. Die kommen dann auch, und zwar am Ende des Beitrags.

Aber am Anfang muss ich erst einmal eine Runde Dampf ablassen. Denn ich habe den deutlichen Eindruck – und ich bin gespannt, ob ihr diese Einschätzung teilt –, dass die Fernbedienung über die Jahre schlechter geworden ist.

Dabei hat die Siri Remote ihren Reiz: Sie ist übersichtlich und besitzt nur ein paar wenige Knöpfe. Und als grosses Distinktionsmerkmal gibt es ein berührungsempfindliches Bedienfeld.

Doch so anders diese Fernbedienung im Vergleich zu den üblichen Tasten-Monstern auch ist, so gross sind auch ihre Mängel. Man fragt sich, ob der dem Rentnerstand entgegenfiebernde Design-Guru Jony Ive dieses Projekt damals an einen Praktikanten delegiert hat. Denn er selbst hätte den grössten Mangel dieser Fernbedienung doch sicherlich festgestellt: „Etwas Gemotze und 15 Tipps für den AppleTV“ weiterlesen

Das Tracking bei smarten Fernsehern stoppen

Smart-TVs sind Datensammelmaschinen und verbreiten mitunter auch Werbung. Lässt sich das verhindern, indem man sie mit einem DNS-Dienst betreibt, der Tracking- und Werbe-Domains sperrt?

Ich habe mich neulich mit den Sicherheits-Problemen des Internet of Things (IoT) im Allgemeinen und den Lücken und fragwürdigen Hersteller-Machenschaften bei den smarten Fernsehern im Speziellen beschäftigt: Smart-TVs sind anfällig für Viren und Spionage heisst der (nur via Abo-Plus) zugängliche Beitrag.

Dabei habe ich mich an einen Tipp erinnert, der vor einiger Zeit hier im Blog erschienen ist. Im Beitrag Netzsperren für Werbung stelle ich die Möglichkeit vor, über einen speziellen DNS-Server jene Domänen zu blockieren, die für Werbe- und Tracking-Zwecke benutzt werden. Das ist geradezu ideal für IoT-Geräte, bei denen man keinen Werbeblocker installieren kann oder will.

Das Tracking via Netzwerkeinstellungen unterbinden

Darum also die Frage: Kann man beim typischen smarten Fernseher die DNS-Adresse ändern, zum Beispiel auf 194.150.168.169? „Das Tracking bei smarten Fernsehern stoppen“ weiterlesen

Besser als Youtube Kids

Youtube Kids hat gewisse Mängel. Darum hier eine hervorragende Alternative: Der Kika-Player für Android und iPhone und iPad.

In meiner kleinen Reihe zu Kinder- und Eltern-Apps ist heute Kika Player dran. Ihn habe ich schon einmal kurz im Beitrag Diese Apps dürfen unsere Kinder nutzen erwähnt, in dem es um Alternativen zu Youtube Kids geht. Youtube gibt es neuerdings in einer Variante für die Kleinen (für Android und iPhone). Denn das normale Youtube ist offensichtlich völlig untauglich zur Kinderbespassung: Da gibt es zu viel und unpassende Werbung. Der ständige Versuch, einem Youtube Premium anzudrehen. Und die Empfehlungen sind auch nicht über alle Zweifel erhaben.

Allerdings darf man sich fragen, ob eine spezielle App die Sache wirklich besser macht. Ich erinnere an Elsagate, auch thematisiert im Beitrag Youtube steckt in der Krise: Im Videoangebot für die Kleinen tauchten manipulierte Clips mit Gewalt- und Sexszenen auf. Da muss man sich mehrere Fragen stellen. Erstens: Wer tut das und warum? Und zweitens: Hat Google dieses Problem gelöst? Ich habe diese Frage zum Statt von Youtube Kids an die Schweizer PR-Agentur gestellt und folgende Antwort erhalten: „Besser als Youtube Kids“ weiterlesen

Die Play SRF-App ist nicht die reine Freude

Ich nehme die Mediathek des Schweizer Fernsehens unter die Lupe und entdecke viel Verbesserungspotenzial. Play SRF hat eine annähernd unbrauchbare Suchfunktion und die Funktionen zur Verwaltung der Lieblingssendungen sind höchst bescheiden.

Das lineare Fernsehen ist weiterhin wichtig – hat eine Studie ergeben, die im Auftrag des Betreibers von linearen Fernsehprogrammen durchgeführt worden ist. Naja.

Für Leute wie mich – und wenn ihr nichts dagegen habt, zähle ich mich an dieser Stelle zu den progressiven Fernsehnutzern – sind die On-Demand-Inhalte inzwischen entscheidend. Mein Medienkonsum speist sich aus Netflix, den Mediatheken und Replay. Auch wenn ich vor Kurzem den Strassenfegern ein bisschen nachgetrauert habe.

Was den Komfort angeht, könnten die allesamt noch etwas zulegen. Netflix nervt durch Trailer, die neuerdings automatisch angehen. Und es ist wirklich mühsam, dass die continue watching-Liste (Mit dem Profil von … weiterschauen) ständig in der Position verrutscht. Wieso kann die nicht einfach zuoberst stehen bleiben?

Die Mediatheken-App gehört auf die smarten Fernseher

Die Mediatheken sind auch nicht das Gelbe vom Ei. Und darum soll es in diesem Beitrag heute gehen. Erstens stellt sich die Frage: Hat man diese Mediatheken am smarten Fernseher zur Verfügung?  „Die Play SRF-App ist nicht die reine Freude“ weiterlesen

Smarte Fernseher sind ganz schön blöd

Der Sony KD-43XF7005 Fernseher mit Linux im Test: Die Hardware gefällt, doch die Fernbedienung stellt mich vor Rätsel. Die Firmware ist knapp genügend, der App Store aber einfach nur lachhaft.

Es ist passiert. Unser Haushalt ist tatsächlich in der Ära des smarten Fernsehens angekommen. Wir fernsehen zwar seit gut einem Jahr nur noch via Internet. Doch das Endgerät war bis anhin unsmart, d.h. nicht ans Internet angebunden. 2008 gab es das noch nicht (oder noch nicht auf breiter Basis). Als Brückentechnologie kam ein Apple-TV der vierten Generation zum Einsatz.

Beim Fernsehen bin ich eigentlich der Ansicht, dass man die so lange verwenden sollte, bis sie auseinanderfallen. Denn auch wenn die Geräte jedes Jahr zulegen, sind beim Fernsehen die Inhalte entscheidend, nicht die paar Quäntchen mehr Qualität. Aber bei der treuen alten Philips-Glotze (37PFL7403D) gab es doch ein paar Dinge, die so langsam gestört haben.

Das Bild ruckelt mir etwas zusehr. Die schwarzen Bildbereiche sind zu wenig schwarz – was wegen Netflix mehr ins Gewicht fällt, weil dort Serien wie Dark laufen, bei denen Nomen omen ist. Und schliesslich sind wir vor vier Jahren in eine grössere Wohnung gezogen – was zur Folge hatte, dass der 37-Zoll-Bildschirm (94 Zentimeter) aus der Sofaperspektive ziemlich geschrumpft war.

Keine 50 Zoll, kein OLED. Sind wir nicht etwas gar spartanisch?

Also, ich konnte eine Neuanschaffung (nach etwas Selbstüberredung) mit meinem ökologischen Gewissen vereinbaren. Wir sind bei der Diagonalengrösse nicht ins andere Extrem verfallen. Sechs Zoll mehr (15 Zentimeter) war okay. Und notwendig, weil es unter dieser Grösse keine 4k-Fernseher und überhaupt fast keine vernünftige Auswahl gibt. Klar, kann man der Ansicht sein, dass 4k bei der Grösse verschenkt ist, gerade, wenn man so «gute» Augen hat wie ich. Aber wenn man wirklich was in voller Auflösung geniessen will, rückt man den Sessel halt etwas näher ans Bild. „Smarte Fernseher sind ganz schön blöd“ weiterlesen

Weil Fernsehen noch nicht ganz passé ist

Die grossartige Doku «Kulenkampffs Schuhe» zwingt uns über den Bedeutungsverlust des linearen Fernsehens nachzudenken. Doch so beträchtlich der auch ist: Das Fernsehen ist noch nicht ganz tot, weswegen ich nebenbei noch ein paar TV-Apps vorstelle.

Ist fernsehen noch ein Ding? Ich habe neulich mit Digichris eine Nerdfunk-Sendung zu dieser Frage gemacht: Der Strassenfeger wurde weggefegt. Während der Vorbereitungen für die Sendung habe ich zum Nein tendiert. Netflix hat unser Sehverhalten nachhaltig verändert. Live schalten wir noch zum Tatort ein und einmal im Jahr zum Concours eurovision de la chanson. (Ja, ich bin so alt, dass ich den nicht Eurovision Song Contest nenne.)

Doch während der Sendung habe ich gemerkt, dass meine Meinung nicht in Stein gemeisselt ist: Der Ereignischarakter der «Strassenfeger», die es heute kaum mehr gibt – die haben etwas für sich. Sie haben etwas Verbindendes für die Fernsehnation. Und diese Klammerfunktion ist etwas, das die Kreise mit dem No-Billag-Vernichtungswunsch nicht erkannt haben oder geringschätzen. Aber es geht ja nicht nur ihnen so: In meiner Jugend herrschte in meiner Familie die (nicht ganz einhellige) Meinung, das Fernsehen sei ein Verdummungsmedium.

Ausdruck dieses Zeitgeistes war Neil Postmans Buch Wir amüsieren uns zu Tode, das ich seinerzeit in der Schule gelesen habe. Ich erinnere mich, dass mich mein Lehrer explizit aufgefordert hat, es kritisch zu lesen und die Aussagen zu hinterfragen. „Weil Fernsehen noch nicht ganz passé ist“ weiterlesen