Der Homepod Mini als Fernseh-Lautsprecher

Apples kleiner WLAN-Laut­spre­cher verbessert den Sound via Apple-TV markant. Trotz­dem ist er auf Dauer wohl kein Ersatz für eine Sound­bar.

Der vor vier Jahren hier vorgestellte Sony-Fernseher verrichtet nach wie vor brav seinen audiovisuellen Unterhaltungsdienst. Bezüglich seiner visuellen Eigenschaften ist nichts auszusetzen. Aber was das Audio angeht, ist er nicht das Gelbe vom Ei.

Das ist ein generelles Problem der dünnen Fernseher: Sie bieten kaum Raum für Lautsprecher. Die Technik hat in den letzten Jahren zwar gewaltige Fortschritte gemacht – für mich war dieser Lautsprecher vor zehn Jahren eine Offenbarung –, aber es bleibt dabei, dass Lautsprecher ein bestimmtes Volumen brauchen. Sie müssen ausreichend Luft bewegen können, damit sie gut klingen.

Bei meinem Sony-Fernseher mangelt es an Bass und vor allem an Dynamik. Das erschwert auch das Verständnis, gerade bei Produktionen mit viel Hintergrund- und Nebengeräuschen. Das hat unerfreuliche Konsequenzen: Ich komme nämlich mitunter nicht umhin, die Untertitel zuzuschalten und mich wie ein alter, tauber Mann zu fühlen.

Darum habe einen Versuch mit einem Homepod Mini (im Beitrag Apples kleiner Lautsprecher kann sich hören lassen ausführlich getestet) unternommen. Er lässt sich auf einfache Weise mit dem Apple-TV verwenden. Es gibt zwei Methoden:

1) Ad-hoc

Man kann die Audio-Ausgabe des Apple-TV via Airplay auf einen WLAN-Lautsprecher umlenken. Das sollte theoretisch nicht nur mit dem Homepod Mini funktionieren, sondern auch mit einem Lautsprecher wie dem Sonos One. In Ermangelung eines solchen Geräts konnte ich das aber leider nicht ausprobieren – beim Homepod Mini hat es jedenfalls hervorragend geklappt.

Es geht wie folgt: Als erstes betätigt man in seiner App das Airplay-Symbol. Wo es zu finden ist, hängt von der App ab. Hier in der Fernseh-App Teleboy ist es rechts unter der Uhr zu sehen.

Der Airplay-Knopf ist bei dieser App, bei der es sich um die Fernseh-App Teleboy handelt, im Band oben in der rechten unteren Ecke zu sehen.

Dieser Knopf bringt das Menü zum Vorschein, in dem sämtliche Lautsprecher und Ausgabegeräte aufgelistet sind; in meinem Fall auch das Macbook. Mit Airplay 2 lassen sich auch mehrere Geräte auswählen. Es ist somit möglich, den Fernsehton auch in einem anderen Raum wiederzugeben.

Im Airplay-Menü stehen die verfügbaren Lautsprecher zur Auswahl: Nebst dem Homepod könnte man auch das Macbook verwenden.

Diese Methode funktioniert gut, hat aber Nachteile. Erstens lässt sich die Lautstärke nicht über die Fernbedienung des Apple TVs regulieren. Sie muss über die Steuerung des Homepods vorgenommen werden. Am einfachsten geht das über das Kontrollzentrum des iPhones; weitere Details dazu finden sich hier.

Zweitens ist es mir bei dieser Konstellation gelegentlich passiert, dass Homepod-Siri durch die Wiedergabe aus ihrem eigenen Lautsprecher verwirrt war. Sie hat mitten während einer Netflix-Serie die Aufforderung gehört, Musik abzuspielen, was ein ziemliches Tohuwabohu verursacht hat. Bei der Methode zwei ist mir dieses Problem nicht begegnet – aber ggf. ist es sinnvoll, Siri für Fernsehlautsprecher zu deaktivieren.

2) Homepod als Standard-TV-Lautsprecher

Der Homepod kann auch dauerhaft mit dem Apple-TV verbunden werden: Dann ertönt der Ton auch nach dem Wiedereinschalten über den Lautsprecher, ohne dass man das erst so konfigurieren müsste.

Das lässt sich in den Einstellungen des Apple TV bei Video und Audio konfigurieren. In der Kategorie Audioausgabe im Abschnitt Standardmässige Audioausgabe gibt man den Homepod an (oder, falls verfügbar, einen anderen Airplay 2-Lautsprecher).

In den Einstellungen lässt sich die Audio-Ausgabe auch standardmässig auf den Apple-TV umleiten.

Das nutze ich nun seit einiger Zeit so, und es funktioniert passabel.

Diese Konstellation hat eine Nebenwirkung: Wenn der Apple-TV auf ein anderes Video umschaltet, gibt es eine kurze Verzögerung, weil die Übertragung via WLAN stattfindet und eine gewisse Latenz hat. Das macht sich vor allem beim Zappen über die TV-App Teleboy bemerkbar: Mit dem Homepod als Lautsprecher dauert der Senderwechsel deutlich länger als ohne – dann geht es blitzschnell.

Übrigens: Wenn man einen Homepod einrichtet und ihn über die Homekit-App (Home) dem Raum zuordnet, in dem der Apple TV zu finden ist, sollte die App automatisch vorschlagen, den Homepod als Lautsprecher für den Fernseher zu nutzen.

Fazit: Eine gute Behelfslösung

Im Vergleich zu den Fernsehlautsprechern klingt der Homepod deutlich besser. Allerdings muss man sich, wenn man bloss einen Lautsprecher verwendet, mit einer Mono-Ausgabe begnügen. Es steht auch zu vermuten, dass die Verzögerung zu gross ist, wenn man via Fernseher Videospiele spielen will. Darum würde ich diese Konstellation hier, trotz allem, nur als Behelfslösung bezeichnen. Auf Dauer werden die meisten (ich auch) eine Soundbar vorziehen.

Beitragsbild: So nahe, wie er an seinem Fernseher sitzt, wird der Ton wohl auch bei ihm nicht allzu gut zu verstehen sein (Andrea Piacquadio, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „Der Homepod Mini als Fernseh-Lautsprecher“

  1. Hmm, die relativ gute User-Experience kann ich aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. ATV findet manchmal die Lautsprecher nicht (in meinem Fall 2 Homepods, nicht mini), Homekit findet ATV nicht, Verbindungsherstellung dauert gut und gerne 15 Sekunden, die standardmässige Audioausgabe auf die Homepods hat bei mir nur wenige Wochen funktioniert (da ATV nicht im Homekit auftaucht) usw. usw. Ironischerweise die im Vergleich beste Erfahrung mache ich mit meiner Sonos 5, welche über Airplay als einzige Box problemlos und vorhersehbar funktioniert, nämlich immer.

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