Tastenakrobatik fürs Web

Es ist mir etwas peinlich, aber diese Erkenntnis hier habe ich Facebook zu verdanken. Das soziale Netzwerk, das in vielen Leute unsoziale Neigungen fördert, hat mich auf eine nützliche Funktion aufmerksam gemacht. Ich wusste, dass die bei vielen Websites da ist – aber ich habe die Nutzung noch nicht so richtig verinnerlicht. Dabei spart man mit ihr Zeit und kommt als echter Power-User rüber. (Auch wenn echte Power-User ihre Zeit wahrscheinlich nicht auf Facebook verplempern.)

Es geht um die Tastaturkürzel. Sie sind bei «richtigen» Anwendungen nützlich, und es gibt sie immer öfters auch bei Webseiten. Facebook zeigt in einer (nicht immer sichtbaren) Fussleiste ein kleines Symbol an, über das man eine Übersicht der vorhandenen Kürzel abrufen kann. Es geht aber auch per Tastaturkürzel: Das ? bringt (meistens, aber jetzt, wo ich den Beitrag schreibe, gerade nicht) ein Overlay mit allen Kürzeln zum Vorschein. Die Kürzel funktionieren aber trotzdem: j springt zum nächsten Post, k zum vorherigen. Mit Enter öffnet man die Meldung. Mit p schreibt man einen neuen Erguss Beitrag. Mit l fügt man ein Like hinzu, mit c einen Kommentar. Und das s ist für Share.

Tastaturkürzel für Twitter. Damit die Menschheit noch schneller in den Genuss der qualitativ hochwertigen Botschaften kommt…

Es geht genauso auch bei vielen anderen Websites, zum Beispiel bei Twitter. Das Fragezeichen zeigt die Übersicht, mit l favorisiert man einen (vorher angeklickten) Tweet, Mit r antwortet man, mit m schreibt man eine Direktnachricht, mit o öffnet man ein Foto, mit j geht man zum nächsten Tweet mit k zum vorherigen. Und, besonders nützlich, mit u schaltet man einen Nutzer stumm.

Wie gesagt, das funktioniert bei vielen Websites. Bei Youtube zum Beispiel, wobei es dort keine mit ? aktivierbare Hilfeseite gibt und man unter Umständen den Player anklicken muss, um die Kürzel verwenden zu können – was den Nutzen natürlich gewaltig schmälert. Trotzdem: Mit Leertaste stoppt und startet man die Wiedergabe. Mit den horizontalen Pfeiltasten springt man fünf Sekunden zurück oder vor. Mit j und k springt man zehn Sekunden zurück und vor. Und mit den Ziffern kann man zu der korrespondierenden Stelle in Zehnteln springen. Mit 1 zu zehn Prozent, mit 9 zu 90 Prozent.

Für Wikipedia gibt es hier eine Liste. Bei meinem Test mit Firefox auf Mac OS haben die leider nicht einmal ansatzweise funktioniert.

Bei WordPress hat man immerhin Tastaturkürzel für den Editor. Einen finde ich so toll, dass ich ihn hier in Fett hinschreiben muss: Hat man einen Link in der Zwischenablage, braucht man nur Ctrl + v zu drücken, um das markierte Wort mit diesem Link auszustatten!

Es gibt auch prominente Websites, die sich wider Erwarten nicht mit Tasturkürzeln steuern lassen. Die prominenteste davon ist natürlich die Google-Suche. Was ein guter Grund ist, auf Duck Duck Go auszuweichen: Mit den vertikalen Pfeiltasten blättert man durch die Resultate, wobei das ausgewählte grau hinterlegt ist. Mit v öffnet man es, mit Ctrl bzw. Cmd und Enter lädt man es in einem neuen Tab im Hintergrund – das ist enorm praktisch, und ein riesiger Vorteil gegenüber von Google. Siehe dazu auch Ein alter Groll auf Google.

Merken sollte man sich bei Duck Duck Go auch die Taste d: Mit der beschränkt man die aktuelle Suche auf die Domain des gerade ausgewählten Suchresultats. Heisst: Man sieht sofort, was eine Domain zu einem Thema zu bieten hat.

Leider habe ich keine Übersicht von Websites mit Tastaturkürzeln gefunden. Darum noch Hinweise auf die Shortcuts, die in vielen Browsern funktionieren sollten (hier die Hilfe für Firefox und für Chrome): Mit Ctrl und Tabulator blättert man die Reiter durch. Mit Alt/Cmd und den horizontalen Pfeilen geht man zur letzten Seite zurück oder zur nächsten vor. Mit Home und End geht es an den Anfang der Seite oder ans Ende.

Beitragsbild: Es lohnt sich immer, ein paar Tasten übrig zu haben (Wokandapix/Pixabay, CC0).

Autor: Matthias

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