Einen fotografischen Anfängerfehler korrigieren

Neulich habe ich die Nikon Z6 getestet. Dabei ist mir ein peinlicher Anfängerfehler unterlaufen. Ich habe bei der Inbetriebnahme nämlich die Datums- und Zeiteinstellung nicht überprüft. Allerdings hat mich die Kamera auch nicht dazu aufgefordert, wie wohlerzogene Kameras das tun sollten. Vielleicht war sie als Journi-Testgerät schon vorkonfiguriert (bzw. verkonfiguriert). Oder sie verzichtete darauf, weil sie per GPS oder über die App automatisch mit der richtigen Zeiteinstellung versorgt werden könnte.

Wie auch immer: Wegen meines Versäumnisses behaupteten nun einige meiner Testbilder in den Metadaten, sie seien schon im Februar dieses Jahres aufgenommen worden. Das bringt jegliche Sortierung in irgend einer App durcheinander und ist allein deswegen inakzeptabel. Aber natürlich fordert ein Metadaten-Pedant wie ich schon aus Prinzip, dass Fotos ein korrektes Aufnahmedatum aufweisen.

In Lightroom kann man das Aufnahmedatum bekanntlich einfach korrigieren. Man wählt einige Bilder aus und klickt auf Metadaten > Aufnahmezeit bearbeiten. Man kann nun die Zeit um eine bestimmte Stundenzahl verschieben oder das Erstellungsdatum als Aufnahmedatum setzen. In meinem Fall bietet sich jedoch die Option Auf angegebenes Datum und Uhrzeit einstellen an. Das funktioniert auch bestens dann, wenn mehrere Bilder ausgewählt sind: Man passt das Bild an, das man in der Vorschau sieht und die anderen Bilder werden um den gleichen Versatz korrigiert.

Bei Windows ist die Korrektur auch möglich. Man wählt ein Bild aus und klickt man im Menüband Datei auf Eigenschaften. Im gleichnamigen Dialog geht man zum Reiter Details und passt die Angabe bei Aufnahmedatum an. Das muss man allerdings für jedes Bild einzeln tun; den Trick mit dem relativen Zeitversatz beherrscht Windows nicht. Hat man mehrere Bilder ausgewählt, werden sie aufs die gleiche Einstellung gesetzt.

Bei ein paar wenigen Fotos geht das einfach. Bei vielen Bildern ist es eine mühsame Angelegenheit. Da nutzt man besser das ExifTool von Phil Harvey, das es für Windows und Mac gibt. Da korrigiert man die Fotos im angegebenen Ordner in einem Rutsch, indem man angibt, um wie viele Tage das Datum und die Uhrzeit verschoben werden soll. Das Beispiel zählt bei den Bildern im Ordner C:\Users\me\Pictures\ fünf Jahre, zehn Monate, zwei Tage, 10 Stunden und 48 Minuten dazu:

exiftool "-DateTimeOriginal+=5:10:2 10:48:0" C:\Users\me\Pictures\

Dieses Beispiel zählt einen Tag und vier Stunden bei den Bildern im Ordner e:\fotos ab:

exiftool "-DateTimeOriginal-=0:0:1 4:0:0" e:\fotos

Das spart viel Arbeit. Und wer das Exif Tool lieber nicht an der Befehlszeile, sondern mit einer hübschen Oberfläche nutzen will, verwendet dafür das ExifToolGUI, das es hier oder auch bei heise.de gibt. Unter Windows ist übrigens auch Geosetter eine gute Wahl, hier ausführlich vorgestellt.

Am Mac hilft die Fotos-App von Apple weiter:  Man wählt erst die Fotos aus und klickt dann auf Bild > Datum und Uhrzeit anpassen. Im Feld Angepasst trägt man die richtige Datums- und Zeitangabe ein und klickt dann auf Anpassen.

Mit ein paar Klicks werden die Fotos richtig datiert.

Ich wollte das Problem am iPhone korrigieren. Und da benötigt man eine Extra-App. Ich habe auf die im Beitrag Metadaten ergründen und bereinigen vorgestellten Apps zurückgegriffen und muss die Empfehlung für ViewExif leider zurückziehen. Die hat nicht richtig funktioniert und obendrein Bilder in der Fotomediathek vervielfacht. Das möchte man nicht haben.

Die Empfehlung für Metapho kann ich jedoch erneuern und untermauern: Die App hat auch mehrere Bilder mit Versatz korrekt behandelt und ohne viel Aufwand korrigiert: Man wählt die Bilder aus, tippt aufs Date Edit-Feld (das zweite von links) und gibt das neue Datum für das ausgewählte Bild an. In einer kleinen Visualisierung sieht man sogar, wo in der Chronologie der vorhandenen Bilder die Aufnahme mit den neuen Einstellungen platziert werden wird. Auch die Zeitzone kann man anpassen. Ich empfehle, die Option Rewrite Date Tags einzuschalten.

Metapho ist kostenlos, doch die Bearbeitungsfunktion kostet 4 Franken als In-App-Kauf. Das lohnt sich auch, weil man man Fotos ohne Aufnahmeort mit wenig Aufwand über das dritte Symbol von rechts mit den entsprechenden Koordinaten ausstatten kann. Macht wenig Aufwand, stellt Metadaten-Neurotiker wie mich aber augenblicklich zufrieden…

Beitragsbild: Wenn man vor lauter falschen Metadaten das Ziel aus den Augen verliert… okay, das ist jetzt eine etwas gesuchte Bildmetapher. Dafür ist das Foto umso schöner (The Lazy Artist Gallery/Pexels, CC0).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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