Apple, gut gemacht!

Das ist ein vorproduzierter Beitrag, der am Tag nach dem Nobillag-Showdown erscheint. Da steht ausser Frage, dass er gar niemanden interessiert und sang- und klanglos untergeht. Sei es im Katzenjammer oder aber in erleichterter Euphorie. Das ist ein idealer Moment, ein Thema zu behandeln, das ausser mir niemanden anspricht. Ein derartiges Randthema, das sich selbst Fans von Nischenblogs peinlich berührt abwenden werden. Aber ein Blog, das sich nach Relevanzkriterien orientiert, ist eigentlich kein Blog, sondern ein Möchtegern-Mainstreammedium.

Also, es geht um das letzte Update von Final Cut Pro, Apples Videschnittsoftware, mit der ich auch meine Patentrezept-Videos produziere. Die wird zwar von vielen gescholten, doch mir gefällt sie gut. Einmal eingearbeitet, leuchtet mir die Bedienung ein und der Funktionsumfang ist völlig okay. Was mich bis jetzt gestört hat, waren die miserabel schlechten Funktionen zur Bildkorrektur.

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Wie man sieht, funktioniert es. Dieser wunderbare Filmlook heisst «Apocalypse this very moment».

Man musste sich bis anhin mit einem Ding namens Farbtafel behelfen. Das wirft man auf seinen Clip. Dann kann man Farbe, Farbsättigung und Belichtung jeweils für Schatten, Mitteltöne und Highlights korrigieren. Dieses Werkzeug ist ungefähr so präzise, wie wenn ein Uhrmacher das Räderwerk mit einem Vorschlaghammer reparieren müsste. Sprich: Ich habe es bei schlimmen Belichtungsfehlern benutzt, um ansatzweise etwas zu retten. Doch die Farbtafel versagte schon beim Versuch, die Farbtemperatur etwas zu korrigieren oder einen leichten Farbstich zu entfernen. Egal, was man gemacht hat, es ist nur schlimmer geworden.

Mit der Version 10.4 hat Apple wirklich nachgebessert. (Nebenbei bemerkt, kann ich jetzt endlich Flac-Dateien importieren. Auch das hilft!) Es gibt nun diverse Korrekturmittel, wie man sie auch von Bildbearbeitungsprogrammen her kennt: Farbton, Sättigung, Farbton-/Sättigungskurven und Farbräder. Apple erklärt die Details dazu im Beitrag Farbkorrektur-Werkzeuge in Final Cut Pro X 10.4 verwenden.

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An den Farbkurven zu züpfeln, gehört natürlich dazu!

Zwei Werkzeuge finde ich besonders praktisch. Erstens die Farbkurven. Die entsprechen der Gradationskurve in Photoshop und sind vertraut – Profis nehmen ihre Korrekturen oftmals nur mit diesem Instrument vor. Man kann die Belichtung anpassen, Farben korrigieren und grundlegende Verbesserungen vornehmen. Ich mache so bei Bedarf die Mitteltöne die Aufnahmen meiner Sony-Kamera etwas heller, einfach, weil mir das besser gefällt. Man kann die Korrektur für Luma, also für die Helligkeit oder aber für den roten, grünen oder blauen Farbkanal vornehmen.

Zweitens das Effektmodul Eigene LUT. Das klingt nun schräg genug, ist aber eine grossartige Erfindung. Die Details habe ich vor Kurzem in den beiden Beiträgen «Wie Color Lookup funktioniert» und «Eigene Color-Lookup-Tabellen speichern» hier beim Publisher beschrieben:

Fotos eine bestimmte Farbanmutung überzustülpen, ist ein gängiges Stilmittel. In Lightroom gibt es dafür die Presets, die man zuhauf im Internet findet – wir haben immer mal wieder entsprechende Tipps gegeben. In Photoshop verwendet man gerne Aktionen für diesen Zweck – die besten sammeln wir im Publisher-Downloadbereich.

Es gibt in Photoshop ab CS6 eine weitere Möglichkeit. Die findet sich in der Korrekturen-Palette beim Symbol, das an eine Tabelle erinnert. Es steht für Color Lookup. Eine LUT ist in der Informatik eine Lookup table, zu Deutsch eine Umsetzungstabelle, die für einen Wert einen anderen zurückliefert. Das Nachsehen in der Tabelle beschleunigt Vorgänge, weil komplexe Berechnungen nur einmal, nämlich zur Erstellung der Tabelle, durch­geführt werden müssen.

Eine solche Umsetzungs­tabelle für Farben beschreibt eine Verschiebung im Farbraum. Sie funktioniert ähnlich wie Farbprofile zur Kalibrierung von Bildschirmen, Scannern, Druckern und Kameras.

Es gibt drei Varianten von LUT-Dateien, wobei die sich vor allem in Sachen Kompatibilität und Farbechtheit unterscheiden. Final Cut erwartet 3D lookup tables mit Endung .cube. Diese kann man in Photoshop herstellen und exportieren:

Mit Photoshop kann man Color-Lookup-Tabellen verwenden. Es ist auch möglich, solche Tabellen zu speichern. Farblooks können so per Knopfdruck über die Korrektur­tabelle wiederverwendet werden. Die Berechnung erfolgt (zum Beispiel im Vergleich zu einer Aktion) blitzschnell. Man kann sie auch an jedes andere Programm weitergeben, das Look­up-Tabellen unterstützt. Und anders als bei einer Aktion, bei der die einzelnen Schritte nachvollziehbar sind, bleibt «geheim», wie ein Effekt erzielt wird.

Um eine Tabelle zu speichern, laden Sie ein möglichst neutrales Bild, das sich für die Erstellung des gewünschten Farb­looks eignet. Die Hintergrundebene muss fixiert bleiben. Nehmen Sie Ihre Bearbeitung mittels Korrekturebenen vor. Masken dürfen Sie keine nutzen, denn verändert werden können nur Farben, aber keine Bildbereiche.

Wenn Sie fertig sind, betätigen Sie Datei > Exportieren > Color Lookup-Tabellen. Geben Sie Ihrem Look einen Namen und wählen Sie die passende Qualitätsstufe, von der die Grösse der Datei abhängt. Sie können die drei im vorherigen Beitrag erwähnten Formate exportieren. Es ist auch möglich, ein ICC-Profil zu exportieren.

Leider ist die Funktion erst ab Photoshop CS6 verfügbar. Da ich Photoshop privat nur sporadisch nutze, bin ich noch auf einer älteren Version stecken geblieben. Aber bei Bedarf habe ich die Möglichkeit, auf eine neuere Version zuzugreifen, um eine LUT-Datei zu basteln, mit der ich meinen Videos dann einen besonderen Look verpassen könnte.

Ich habe das Effektmodul Eigene LUT mit einer Sammlung von Photoshop-LUTs aus dem Web getestet, nämlich dem kostenlosen Movie Look Pack. Und hurra!, es funktioniert wie erwartet, und zwar ganz einfach: Man legt den Effekt Eigene LUT auf den Clip, geht in den Eigenschaften zum entsprechenden Abschnitt und klickt dort unter LUT auf Eigene LUT auswählen. Dann selektiert man die .cube-Datei. Hat man das einmal gemacht, erscheint sie im Vorauswahl-Menü.

Man kann nun bei Mix die Deckkraft bzw. Intensität des Effekts einstellen und bei Konvertieren zwei Werte verändern, deren Sinn und Zweck sich mir nicht so ganz erschliessen. Ich nehme an, da geht es darum, LUTs aus unterschiedlichen Quellen zu harmonisieren.

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Dieser hipsterige Farbstich wird «Moonrise» genannt.

Fazit: Es bleibt mir nichts anderes übrig, als Apple für diese Neuerung zu loben – auch wenn man sich natürlich fragen kann, warum eine so wesentliche Funktion nicht schon bei Version 1.0 verfügbar war. Ich werde mal ein bisschen experimentieren und sehen, ob ich meinen Videos farblich eine eigene Note geben werde – aber es wird sicherlich nicht in «CSI Miami»-Farborgien ausarten.

Weil mein Photoshop keine Color Lookup-Tabellen exportieren kann und die Funktion bei Pixelmator offenbar erst auf der Feature-Wunschliste steht, kann ich nicht beurteilen, wie naturgetreu die LUTs übertragen werden bzw. wie gross die Abweichungen zwischen Photoshop und Final Cut sind. Aber ich bin, was Farbtreue angeht, jetzt nicht der allzu penibelste Mensch – wenn es einigermassen stimmt, ist das gut genug für mich.

Autor: Matthias

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