Eine nette Idee, aber nicht zwingend

«One App to rule them all», ist das Versprechen von Station. Das klingt nach «Herr der Ringe» und nach einem lodernden Auge, das einem aus dem Bildschirm entgegenschlägt. Aber bei näherer Betrachtung ist die ganze Sache harmlos – und nicht ganz so zwingend wie Frodos Mission auf dem Mount Doom.

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Gmail, in eine arbeitsfördernde Windows-Anwendung verpackt.

Station ist eine Anwendung für Windows und Mac, die eine Art «Heimat» für Web-Apps am Desktop-Computer bereitstellt. Denn es ist ja so: Klassische, lokal installierte Anwendungen finden sich im Startmenü und in der Taskleiste, und sie erscheinen bei Verwendung als eigenes Programmfenster. Webanwendungen hingegen sind quasi unsichtbar: Sie werden über den Browser aufgerufen und haben vielleicht noch nicht einmal ein eigenes Lesezeichen. Sollte man sich eines Morgens nicht mehr an die Adresse seiner Google-Docs-Ablage erinnern, wird man den Tag leider in der Kantine verbringen müssen.

Dieses Problem scheint Station lösen zu wollen. Es ist ein Programm, das man sogar automatisch mit dem Betriebssystem starten kann. Man loggt sich mit seinen Google-Benutzerdaten ein und hat über eine Leiste am linken Rand sein GMail-Konto, Google Docs und den Kalender zur Verfügung. Über das Plus-Symbol links unten kann man eine Unzahl weiterer Apps hinzufügen: 14 Kategorien, von Accounting & Finance bis User Support & Survey stehen mit ungefähr 300 Apps zur Verfügung – viele der Dienste sind mir gänzlich unbekannt, von anderen habe ich schon gehört. Paypal, Evernote, Skype, Workflowy, Feedly und Tweetdeck gehören zu der zweiten Gruppe.

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Eine beachtliche Anzahl Webapps steht zur Integration bereit.

Station bietet die nette Möglichkeit, mit der Suchefunktion über alle integrierten Webapps zu suchen. Die Anwendung bündelt die Benachrichtigungen in einer links ausklappbaren Leiste, und stellt mit dem Focus mode gleichzeitig eine Möglichkeit bereit, diese Quelle der Ablenkung ruhig zu stellen, wenn man konzentriert arbeiten möchte. Und eine Ansicht namens Conversations erlaubt es, sich mit Kollegen zu unterhalten. Dazu muss man via Help > Invite a colleague aber erst einmal ein Team aufbauen.

Die Idee ist somit, Leuten zu helfen, die eine Verzettelung befürchten, wenn sie ihren Arbeitsalltag mit diversen Anwendungen aus dem Web bestreiten müssen. Techcrunch.com beschrieb die Sache neulich so:

Meet Station, a startup that was created by startup studio eFounders. Station has been working on the only work app you need. It combines all the services you need into a single window and handles notifications and documents better than a normal browser.

Doch auch wenn Station besser als ein «normaler Browser» ist – das Programm ist eigentlich nichts anderes als ein Browser. Im Kern steckt nämlich eine Variante von Chrome mit einer angepassten Oberfläche. Statt einer Adressleiste und Lesezeichen verwendet er eine App-Leiste. Und gemäss FAQ ist das klare die Verhinderung einer «Reiter-Paralyse» (tabs paralysis):

All your work tools are neatly organized to avoid you ending up with 50+ tabs stacking up on top of each other. Station was designed to keep even the messiest users organized throughout their workday.
It does work faster. Since Station doesn’t accumulate unecessary tabs it also means that it runs faster than a classic browser.

Ich denke, dass dieses Konzept für manche Leute eine Berechtigung hat. Die Arbeitsinstrumente vom hundskommunen Web zu trennen, ist für viele sinnvoll. Besonders für Unternehmen, denn sie können ihre Station-Installationen mit vorgefertigten Profilen ausstatten. Ein neuer Angestellter im Unternehmen wird dann die passende Arbeitsumgebung an seinem Computer vorfinden. Das macht den Einstieg womöglich leichter als ein normaler Browser mit ein paar Links in der Lesezeichenleiste. Dennoch: Ich habe bei meinem Augenschein von Station nichts entdeckt, was mir die Arbeit wesentlich erleichtern würde.

Station ist für Private gratis. Die Enterprise-Variante ist in der Mache, aber offenbar noch nicht spruchreif.

Und übrigens: Man kann auch mit den klassischen Browsern Webadressen an die Taskleiste oder das Startmenü anheften oder auf den Desktop legen, sodass sie wie «normale» Anwendungen in Erscheinung treten.

  • Bei Edge übers Dreipunkte-Menü und den Befehl Diese Seite an «Start» anheften.
  • Bei Chrome über das Menü und Weitere Tools > Zu Desktop hinzufügen.
  • Bei Firefox und allen anderen Browsern zieht man per Maus die Adresse aus der Adressleiste auf den Desktop, worauf eine .url-Datei angelegt wird. Dann betätigt man die Windows-Taste und r und gibt beim Ausführen-Dialog shell:programs ein. Es öffnet sich ein Explorer-Fenster mit dem Ordner Start Menu\Programs, in den man seine .url-Datei verschiebt. Die abgelegte Adresse erscheint (eventuell nach einem Neustart des Explorers) im Startmenü bei Zuletzt hinzugefügt und kann mittels Rechtsklick und An «Start» anheften auch als Kachel abgelegt werden.

Autor: Matthias

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