Hand an seine Schriften legen

FontForge ist ein Open-Source-Editor für Schriften. Mit seiner Hilfe kann man eigene Schriftdateien kreieren oder vorhandene Fonts editieren.

Zugegeben – die Herstellung von Schriften ist nicht jedermanns Sache. Es braucht viel Talent und Erfahrung, um eine Schrift zu gestalten, die nicht nur ästhetisch, sondern auch funktional überzeugt. Ein Fonteditor ist aber dennoch mitunter äusserst nützlich – nämlich dann, wenn es darum geht, eine Schrift anzupassen oder in ein anderes Format zu überführen.

FontForge ist ein Schriftbearbeitungsprogramm aus der Open-Source-Welt. Mit seiner Hilfe wurden die «Linux Libertine» und die «DejaVu» entworfen.

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Die Benutzeroberfläche wirkt verzettelt und die Benutzung ist nicht das, was man selbsterklärend nennen würde. Doch was den Funktionsumfang angeht, gibt es an Font Forge nichts zu mäkeln.

Man kann mit ihm auch bestehende Fonts in diversen Formaten (u.a. Bitmap-, Postscript-, Truetype-, Opentype-Fonts) laden, verändern und nachbearbeiten. Das könnte sinnvoll sein, wenn in einer wichtigen Schrift ein häufig benötigtes Zeichen fehlt, beispielsweise das Malzeichen (×) oder das Euro-Symbol (€). Ein häufiger Fall sind auch fehlende Umlaute in den Freeware-Schriften aus transatlantischem Ursprung, die für ein besonderes Projekt für einen deutschsprachigen Text Verwendung finden sollen.

Umlaute nachbessern
In solchen oder ähnlichen Situationen öffnet man die fragliche Schrift in FontForge und fügt fehlende Zeichen aus einem anderen, ähnlichen Font ein. Fehlende Umlaute lassen sich relativ leicht einfügen, indem man A, U und O kopiert und dann die Trema (die beiden Pünktchen) aufsetzen. Damit der Abstand, die Grösse und Form der Pünktchen stimmen, muss man ein gewisses Augenmass beweisen – aber solche Modifikationen sind mit etwas Übung auch für den Laien realisierbar. Auch optische Unschönheiten, die es bei manchen Schriften gibt, beispielsweise ein zu dominanter Schrägstrich (/), lässt sich via FontForge korrigieren. Und nicht zuletzt kann man über die Software auch eigene Zeichen in eine Schrift einbringen – beispielsweise ein Firmenlogo oder ein Symbol, dass man für den Satz von Handbüchern oder internen Dokumentationen dringend benötigt.

Die Software ist in der Lage, eine Schrift in einem anderen Format zu speichern, sodass man beispielsweise eine in die Jahre geratene Type1-Schrift, die in manchen Programmen Probleme verursacht, ins moderne OpenType-Format überführen könnte. (Die Lizenzbestimmungen des Schriftenherstellers sollten dabei natürlich stets beachtet werden.)

Kein pflegeleichtes Stück Software
In der Benutzung ist FontForge (unter Windows) nicht eben pflegeleicht. Die Software arbeitet mit mehreren Fenstern, bei denen man leicht die Übersicht verliert. Ausserdem ist sie komplex und auf die professionelle Arbeitsweise zugeschnitten. Immerhin: Die ausführliche Dokumentation, sowie das einleitende Tutorial zur Schriftgestaltung, das auch in Deutsch zur Verfügung steht, geben einen guten Einblick in die Arbeitsweise und in die Möglichkeiten von FontForge.

Kostenloser Download für Windows, Mac und Linux:
sourceforge.net/projects/fontforge

Autor: Matthias

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