Die Radikalkur gegen unerwünschte Windows-Apps

Mit Windows werden diverse Standard-An­wen­dungen in­stal­liert, die wir nicht alle be­nö­ti­gen. Tipps und Tricks zur De­instal­lation und eine Antwort auf die Frage: Werden wir auch Micro­soft Edge los?

Lassen sich bei Windows die Standard-Apps deinstallieren? Das wurde ich neulich gefragt, weil jemand sich massiv über Edge aufgeregt hat: Das ist bekanntlich Microsofts Browser, der uns mit einer gewissen Penetranz schmackhaft gemacht werden soll.

Eine interessante Frage: Wenn wir in den Einstellungen unter Apps > Installierte Apps nachsehen, dann wird Edge hier zwar aufgeführt, aber im Kontextmenü ist der Befehl Deinstallieren ausgegraut. Das gilt noch für einige weitere Standard-Apps, namentlich den Microsoft Store, Smartphone Link, die Kamera, Kontakte, Microsoft Fotos, Hilfe anfordern, Cortana, Xbox Gamebar und Windows Sicherheit.

Als Erstes würde ich festhalten, dass es gute Gründe für den deaktivierten Deinstallieren-Befehl gibt: Manche Anwendungen werden fürs Funktionieren des Betriebssystems vorausgesetzt. Ob das bei der Smartphone-Link-App, Cortana und der Gamebar der Fall ist, darf angezweifelt werden, aber bei den anderen Apps würde ich das nicht infrage stellen.

Besser nicht!

Das habe ich dem Edge-Verweigerer auch so gesagt: Selbst wenn es möglich sein sollte, Edge zu deinstallieren, würde ich es nicht tun: Wenn aus irgendeinem Grund der angestammte Browser nicht mehr funktioniert, dann viel Glück bei der Neuinstallation, wenn kein Ausweichbrowser vorhanden ist! Abgesehen davon können wir Microsoft zugutehalten, dass viele der mitgelieferten Apps über via Einstellungen entfernt werden können¹.

Trotzdem ist die Frage legitim: Kann Edge deinstalliert werden, wenn man den Browser unbedingt nicht auf dem System haben will?

Bei der Recherche zu dieser Frage bin ich auf eine Anleitung gestossen, die auf den Befehl Get-AppxPackage verweist. Er wird an der Powershell-Befehlszeile benutzt, um die installierten Pakete aufzulisten und über den Befehl Remove-AppxPackage auch zu entfernen. Das funktioniert auch für Pakete – also UWP-Apps –, die sich auf herkömmlichem Weg nicht tilgen lassen.

Und bevor ich in die Details gehe, noch ein Hinweis: Dank Manuels Kommentar habe ich mich erinnert, vor zwei Jahren die Dritthersteller-App AppBuster vorgestellt zu haben. Mit der geht das, was ich hier beschreibe, auch – aber komfortabler

Die Powershell fördert die versteckten Apps ans Licht

Also, damit wir die Apps von allen Benutzern anzeigen lassen können, führen wir die Powershell mit Administrator-Rechten aus. Wir können auch die hier vorgestellte Terminal-App benutzen. Um alle Apps aufzulisten, verwenden wir folgenden Befehl:

Get-AppxPackage -AllUsers | Select Name, PackageFullName

Den senkrechten Strich erzielen wir übrigens mit der Tastenkombination Alt Gr 7.

Allemal aufschlussreich: In dieser Liste erscheinen diverse versteckte Pakete.

Es erscheint eine Liste mit all den installierten Paketen – und in der sind in der Tat einige Dinge enthalten, die in der Liste der installierten Apps bei den Einstellungen fehlen. Mir sticht 5A894077.McAfeeSecurity ins Auge – das ist eine Crapware, die ich schon längst deinstalliert zu haben glaubte. Oder Microsoft.Advertising.Xaml – klingt auch nach einem potenziell unerwünschten Gast auf der Festplatte. Trotzdem würde ich auch hier raten, ihn nicht auf Verdacht hin zu entfernen, sondern erst abzuklären, ob Probleme zu erwarten sind.

Weg damit!

Wenn wir via Powershell eine App entfernen möchten, dann verwenden wir folgende Syntax:

get-appxpackage -AllUsers [PackageFullName] | remove-appxpackage

Anstelle des Platzhalters in eckigen Klammern geben wir die Information an, die wir in der Spalte PackageFullName angezeigt bekommen haben. Damit wir nicht den ganzen, ellenlangen Paketnamen tippen müssen, verwenden wir wie zu alten DOS-Zeiten den Stern als Wildcard. Für einen gefahrlosen Test entferne ich Minecraft Education mit folgendem Befehl²:

get-appxpackage -AllUsers *MinecraftEducationEdition* | remove-appxpackage

Und in der Tat: Nach diesem einen Befehl taucht die App nicht mehr im Startmenü auf. Etwas irritierend ist indes, dass sie nach einer erneuten Abfrage mit get-appxpackage nach wie vor aufgelistet wird. Warum dem so ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Vielleicht liegt das an einem Überbleibsel, wie sie typisch für Windows sind.

Gegen Edge hilft nur der Holzhammer

Kommen wir auf die Ausgangsfrage zurück: Werden wir auf diese Weise auch Microsoft Edge los? Um meine Windows-Installation nicht zu gefährden, probiere ich die Edge-Beseitigung in der (hier ausführlich erklärten) Windows Sandbox udn tippe dort in der Powershell folgenden Befehl:

get-appxpackage -AllUsers *MicrosoftEdge* | remove-appxpackage

Der Befehl wird ausgeführt, aber Edge ist hinterher noch immer vorhanden. Ich probiere es daher mit der Alternative, nämlich

Remove-AppxPackage -Package Microsoft.MicrosoftEdge_44.22621.1928.0_neutral__8wekyb3d8bbwe

Der Edge-Browser will nicht weichen.

Hier erscheint eine Fehlermeldung: «Diese Anwendung ist Teil von Windows und kann nicht auf Benutzerbasis deinstalliert werden.» (This app is part of Windows and cannot be uninstalled on a per-user basis.) Ich probiere es noch mit dem Parameter -AllUsers, aber ebenfalls ohne Erfolg.

Darum bleibt an dieser Stelle das Fazit, dass die Befehlszeile eine praktische Alternative darstellt, die bei defekten Windows-Apps gelegen kommt (siehe dazu auch: Wie wir kaputte Windows-Apps reparieren). Aber um Edge unserer Abneigung gegen Edge tatkräftig Ausdruck zu verleihen, wären wir mit der Brachial-Methode (Löschen des Edge-Ordners³) besser bedient …

Fussnoten

1) Unter anderem Audiorekorder, Bing Wetter, Clipchamp, Editor, Feedback-Hub, Filme & TV, Karten, Kurznotizen, Mail und Kalender, Medienwiedergabe, Microsoft Defender, Microsoft Nachrichten, Microsoft Teams, Mixed Reality Portal, Onedrive, Rechner, Remotehilfe, Scanner, Snipping Tool, Solitaire, Terminal, Tipps, Uhr, Whiteboard, Windows-Subsystem für Android (immerhin 3,77 GB), Xbox und Xbox Live.

2) Minecraft Education ist bei Windows 11 standardmässig mit dabei, aber wenn wir sie ausführen und uns mit unserem normalen Windows-Account anmelden wollen, blitzen wir ab: Wir brauchen nämlich ein «Schul- oder Organisationskonto». Da kann man sich schon fragen: Was erlaubt sich Microsoft, Festplattenplatz durch eine App zu belegen, die ich nicht ausführen darf?

3) C:\Program Files (x86)\Microsoft\Edge\Application\

Beitragsbild: Die Holzhammer-Methode gegen unerwünschte Apps (Alexei_other, Pixabay-Lizenz).

2 Kommentare zu «Die Radikalkur gegen unerwünschte Windows-Apps»

  1. Ich bin ja sonst kein Freund von „Optimierungs-Tools“, aber in diesem Fall könnte der O&O AppBuster (https://www.oo-software.com/de/ooappbuster) nützlich sein. Wahrscheinlich ist es nur eine GUI für die von Dir genannten PowerShell-Befehle, aber es ist komfortabler. Bei Edge erscheint „Deinstallieren“ als Option, aber ich traute mich nicht. 😀

Kommentar verfassen