Mein Fotokamera und mein Smartphone haben sich auseinandergelebt

Ein Smartphone-Wechsel kann unerwartete Nebenwirkungen haben. Meiner hatte zur Folge, dass eine jahrelang erprobte Methode zur drahtlosen Übertragung von Bildern ab Spiegelreflex nicht mehr funktioniert. Drei Lösungsansätze für dieses Problem.

Meiner schon etwas in die Jahre gekommenen Spiegelreflexkamera, der D7000 von Nikon, fehlt ein Hardwaremerkmal, das man heute als absolute Selbstverständlichkeit betrachten darf: WLAN. Der normale Weg, um die Aufnahmen von der Kamera zu bekommen, ist eine Übertragung per Kabel oder Kartenleser.

Das ergibt zwei Probleme: Erstens hat man diese Ausrüstungsgegenstände nicht immer dabei. Und zweitens bekommt man die Fotos auf diesem Weg nicht direkt aufs Smartphone. Dafür bräuchte man wiederum einen passenden Kartenleser; die naheliegendste Wahl ist der Lightning-SD-Kartenleser von Apple – und natürlich hat man so einen Kartenleser nie im Gepäck, wenn man ihn dringend benötigt. Oder man findet ihn in der grossen Adapter-Schublade nicht

Deswegen nutze ich seit fünf Jahren eine Mobi-Speicherkarte von Eye-fi:  Ich habe sie seinerzeit ausführlich im Beitrag Von der Spiegelreflex aufs Smartphone vorgestellt.

Doch mit dem Umstieg aufs neue Smartphone ist die Keenai-App auf der Strecke geblieben. Sie wurde nicht aufs iPhone installiert, weil sie aus dem Store verschwunden ist. Wie Wikipedia erklärt, hat das Unternehmen just damals, als ich die Karte 2016 gekauft habe, den Schirm zugemacht. Es sah so aus, als würde Toshiba das Geschäft übernehmen. Aber daraus ist offensichtlich nichts geworden.

Deswegen eine neue Kamera kaufen?

Damit fällt meine schöne, drahtlose Übertragungsmöglichkeit flach. Es stellt sich die Frage, ob es eine andere Lösung gibt oder ob ich das als Wink des Schicksals verstehen müsste, mir eine neue Kamera mit eingebautem WALN-Modul zu kaufen.

Ich habe gesucht und einige Ausweichmöglichkeiten gefunden.

1) App aufs neue Telefon übertragen

Das ist mit iMazing möglich; jener Software, mit der man über den Umweg eines Backups Daten vom iPhone bekommt, auf die man keinen direkten Zugriff hat. Ich habe iMazing ausführlich in den beiden Beiträgen In den iPhone-Innereien herumschnüffeln und iOS-Apps auf dem Mac: Ist das eine Sensation – oder nicht? beschrieben. Details zur manuellen Übertragung beschreibt Tech-Journalisten-Kollege Volker Weber in seinem (Nicht-)Blog¹.

Das funktioniert – allerdings nur dann, wenn man die App auf dem alten Telefon noch greifbar hat. Es ist unverständlich, dass die App nicht im Store verbleibt; zumal sie auf dem alten Telefon auch mit iOS 15 noch bestens funktioniert. Apple sollte Nutzern in solchen Fällen die Möglichkeit geben, solche Apps weiterhin zu beziehen, damit funktionsfähige Hardware nicht mangels Software obsolet wird.

2) Transfer zu Windows oder mac

Eine zweite Möglichkeit müsste sich über das Eye-Fi X2 Utility ergeben. Das existiert für Windows und Mac und ist nach wie vor erhältlich; beispielsweise hier. Ich habe meinen Windows-PC allerdings nicht dazu bringen können, eine WLAN-Verbindung mit der Karte aufzubauen. Und eigentlich will ich die Fotos auch nicht auf den Windows-PC bringen, sondern aufs iPhone.

3) Eine neue WLAN-Karte

Die Eye-Fi-Karte hat damit leider ausgedient. Ich habe nach anderen Karten mit WLAN-Modul gesucht und kein üppiges Angebot gefunden. Das wundert auch nicht: Da WLAN heute zur Standardausrüstung einer digitalen Kamera gehört, sind solche Behelfslösungen je länger je weniger nötig. Trotzdem besteht ein Bedarf, zumal die semiprofessionellen Modelle locker zehn oder zwanzig Jahre verwendet werden können.

Eine Karte habe ich gefunden, nämlich die ezShare Wi-Fi SD, die man hier direkt beim chinesischen Hersteller bestellen könnte. Die App ist im Store vorhanden (für iPhone und Android), aber ich habe mir die Anschaffung dieser Karte verkniffen. Ich mag ein vorurteilsbelasteter Mensch sein, aber bei Websites, die sich nicht einmal eine englische Übersetzung leisten wollen, kaufe ich lieber nicht.

Fazit: Ich werde bei Gelegenheit die Lösung 1) in Angriff nehmen und dann vielleicht doch einmal die Anschaffung einer neuen Kamera ins Auge fassen. Es sei denn, jemand aus dem Kreis der Leserinnen kennt den vierten und alles entscheidenden Königsweg, der altertümliche Kameras und moderne Smartphones wieder versöhnt.

1) Nicht-Blog deshalb, weil es in der Unterzeile «Ceci n’est pas un blog» heisst.

Beitragsbild: Wie kriege ich die jetzt ins Handy rein? (Lutz Peter, Pixabay-Lizenz)

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

2 Gedanken zu „Mein Fotokamera und mein Smartphone haben sich auseinandergelebt“

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