Die digitalen Wimmelbücher

Zwei Apps für Kinder, die die Neugierde wecken und den Entdeckertrieb anstacheln.

In Zeiten der Pandemie hat man, nebst vielen anderen Baustellen, auch die Aufgabe, die Kinder bei Laune zu halten. Und für diesen Zweck ist ein Tablet – und das sage ich nur mit einem kleinen bisschen übertriebenem Pathos – Gold wert. Denn das Tablet liefert Filme und Unterhaltung. Und eben auch Spiele, mit denen sich die Kleinen selbst beschäftigen, während die Erwachsenen versuchen, das Chaos im Homeoffice zu überblicken und einzudämmen.

Das «Winterthurer Wimmelbuch»

Eine App-Kategorie hat es meiner Tochter (und auch mir) besonders angetan. Ich habe sie erst vor Kurzem entdeckt. Es handelt sich um die digitale Variante des Wimmelbuchs. Meine Tochter mag die auch in klassischer Form. Zum Beispiel die Jahreszeiten-Wimmelbücher von Rotraut Susanne Berner. Oder das grossartige Winterthur-Wimmelbuch, bei dem nur das etwas offensive Sponsoring zu bemängeln ist.

Und eben: Es gibt die Wimmelbücher auch in App-Form: Da gibt es in verschiedenen Szenen Details zu entdecken. Im Gegensatz zu den gedruckten Büchern sind die animiert: Man kann eine Figur antippen, worauf etwas passiert. Es sind aber keine Videogames im eigentlichen Sinn: Es geht nicht darum, Aufgaben zu lösen, Punkte zu sammeln oder sonstwelche «Achievements» zu erreichen – denn das wäre für die Zielgruppe nicht erwünscht. Es geht nicht darum, die Kleinen ans digitale Spielen heranzuführen. Es sind Bilderbücher mit einem digitalen Mehrwert.

Zwei Apps haben wir ausprobiert, die ich hier mit voller Rückendeckung meiner Tochter empfehlen kann.

Hier gilt es unter anderem, Ostereier schön bunt zu färben

Erstens Mein Bauernhof: Wimmel App, die es für Android und fürs iPhone und iPad gibt. Es gibt vier Szenen: Auf dem Bauernhof, Auf dem Land, In der Scheune und Der Bauernhof bei Nacht. Besonders witzig finde ich die Scheune, wo man die Eier, die das Huhn legt, in verschiedenen Farben bemalen kann – und zwar abhängig davon, welche Farbdüsen man eingeschaltet hat. So kann man dem Kind beibringen, dass rot und blau zusammen violett ergeben.

Die App ist liebevoll gemacht, mit vielen kleinen Details – allemal vier Franken wert.

Auch die zweite App stammt vom deutschen Hersteller Wonderkind. Sie heisst Tatütata, kostet 3 Franken und ist nur für iOS erhältlich. Es gibt zwei Szenen, wo man es mit Polizisten und der Feuerwehr zu tun bekommt.

Wer findet den Rockstar, der sich etwas ungebührlich aufführt?

Bei beiden Apps hat man auch als Erwachsener seinen Spass: Man merkt der App nämlich an, dass sie von einem deutschen und keinem englischsprachigen Entwickler stammt. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass man bei «Tatütata» im wortwörtlichen Sinn die Kuh vom Eis holen muss. Bei «Mein Bauernhof» hingegen fährt die Oma im Hühnerstall Motorrad – und zwar, ohne eine Umweltsau zu sein. (Wobei diese Debatte schon Jahre her zu sein scheint – obwohl sie gerade mal anfangs Jahr ausgefochten worden ist.)

Ich habe auch schon kritisiert, dass viele Kinder-Apps lieblos daherkommen und offensichtlich nur dazu da sind, den Kindern über In-App-Käufe das Geld aus den Taschen zu ziehen. Die Apps von Wonderkind sind eine Ausnahme – und auf der Website bekennt sich der Entwickler auch dazu, dass das Ziel sein soll, die «eigenen Kinder mit gutem Gewissen daransetzen zu können». Das glaube ich ihnen – und darum werde ich mir auch gerne die anderen Apps noch ansehen. Ob die Pandemie nun anhält oder nicht.

Beitragsbild: Dieser Tage muss auch die iPad-Nanny ab und zu ran (Kelly Sikkema, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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