Für Leute, die gelegentlich ihren Krempel verschusseln

Im Beitrag Keine App für Elektrosmogparanoiker habe ich zwei Apps vorgestellt, mit denen man nach Bluetooth-Geräten in seiner Umgebung scannen kann. Das ist nett; aber auch ohne richtigen praktischen Nutzen. Denn was soll man mit dieser Information schon gross anfangen?

Die Geräte in der Umgebung – eigene und fremde.

Nun bin ich auf die App Wunderfind gestossen. Die macht an und für sich das gleiche – aber mit der konkreten Idee, dass man mit ihr verlegte Geräte aufstöbern können soll, die zufälligerweise ein Bluetooth-Signal ausstrahlen.

Wie gut das funktioniert, hängt von den Umständen ab. Wie im Beitrag Smarte Uhrdreingaben beschrieben, nutze ich eine ähnliche Funktion an meiner Garmin- Uhr ganz gern: Mit der findet man das Smartphone, wenn es wieder einmal in die Sofaritze gerutscht ist.

Bei anderen Geräten hängen die Erfolgsaussichten von dem Umständen ab: Leider dürfte es so sein, dass gerade die drahtlosen Kopfhörer, die man häufig verlegt, nicht auffindbar sind, weil sie sich nach kurzer Zeit selbst abschalten. Bei Dingen wie Fitness-Tracker, die standardmässig eingeschaltet sind, dürften die Chancen höher sein.

Für Gegenstände wie Schlüssel, Koffer oder Rucksäcke gibt es Anhänger wie diesen oder diesen hier, mit dem man seine Gegenstände in der näheren Umgebung aufspürt. Ob man für die auch die Wunderfind-App nutzen kann oder die App benutzen muss, die zum Anhänger gehört, weiss ich allerdings nicht.

Hier sieht man, wann (und über die Karten-Option auch wo) ein Gerät zuletzt gesehen wurde.

Kurzer Einschub: Über Apple geht das Gerücht, dass eine Art Tracker Tag in der Mache sei. Die könnten zum Beispiel AirTags heissen und sogar aufspürt werden, wenn sie sich nicht in Bluetooth-Reichweite befinden. Dies deswegen, weil sie die Apple-Geräte in der Umgebung als Relais-Station verwenden würden. Das wäre eine sehr spannende Erfindung, aber auch eine, die zu Diskussionen Anlass geben könnte – schliesslich wäre es denkbar, dass ausgerechnet das iPhone eines Diebes bei der Lokalisation seiner Beute behilflich sein könnte. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Jedenfalls würde ich mir einen solchen Tag für meinen Schlüsselbund anschaffen. Und für mein Portemonnaie, so lange ich noch eines habe.

Die Wunderfind-App listet die Geräte in der Umgebung auf, wobei ich es nach wie vor faszinierend finde, dass man nicht nur seine eigenen Kopfhörer, Fernseher, Lautsprecher und Wearables aufspürt, sondern auch die der Nachbarn. Das ist darum problematisch, da man bei manchen Geräten auch ungefragt Inhalte wiedergeben könnte. Und auch wenn die Versuchung gross ist: Ich würde es nicht tun, weil ich nicht für einen Notarzt-Einsatz in einer der Wohnungen nebendran verantwortlich sein möchte.

Bei Annäherung steigt die Signalstärke – und manche Geräte kann man auch zum Lärmen bringen.

Wählt man ein Gerät aus, zeigt die App die Signalstärke an. Nun läuft man ein bisschen herum und achtet darauf, ob die Stärke zu- oder abnimmt. Auf diese Weise nähert man sich dem vermissten Gadget an, bis man kurz davor steht. Bei manchen Geräten kann man einen Ton abspielen, was man, wie gesagt, nicht missbräulich tun sollte.

Wenn ein Gerät sichtbar ist, dann hilft die App beim Suchen. Es ist allerdings auffällig, dass manchmal die Signalstärke auch abnimmt, wenn man sich in die richtige Richtung bewegt. Denn Funkstrahlen bewegen sich nicht völlig ungehindert. Man muss daher allenfalls ein systematisches Suchmuster verwenden.

Es ist übrigens möglich, über das Menü rechts oben ein Gerät zu den eigenen Geräten hinzuzufügen. Die erscheinen am Anfang der Liste und laufen weniger Gefahr, verwechselt zu werden.

Wenn einem ein Gerät geklaut wurde, kann man sich benachrichtigen lassen, falls einem der Dieb über den Weg laufen sollte.

Es gibt auch die Möglichkeit, bei den eigenen Geräten die Option Bei Fund benachrichtigen, wenn es gerade nicht sichtbar ist. Wenn es sichtbar ist, steht die Option Bei Verlust benachrichtigen zur Verfügung, mit der man sofort gewarnt werden sollte, wenn das Gerät aus der Reichweite entschwindet. Ausserdem gibt es auch den Befehl Auf Karte anzeigen, mit der man die letzte Position zu sehen bekommt.

Dafür ist allerdings ein In-App-Kauf für die Pro-Version nötig, die in meinem Fall für günstige 0 Franken zu haben war. Entweder war das eine Rabattaktion. Oder aber jemand (ich oder der Entwickler der App) hat nicht vestanden, wozu In-App-Käufe da sind.

Wie auch immer: Eine nützliche App, die man für alle Fälle parat haben sollte.

Beitragsbild: Edi Libedinsky/Unsplash, Unsplash-Lizenz

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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