So werden Ferienerinnerungen präsentabel

Es gibt Dinge, die ändern sich nicht. Früher hat man sich seine Fotos nicht angeschaut, weil sie in einer Schuhschachtel unzugänglich auf dem Estrich oder in einem Abstellraum lagen. Heute schaut man sich seine Fotos nicht an, weil es einfach zu viele davon gibt – und man sich einen Wolf scrollt, bis man nur bei den Bildern von vorletzter Woche angekommen ist.

Natürlich – ich übertreibe. Doch nur ein bisschen. Denn einfach von sich aus erfüllen Fotos ihren zugedachten Zweck – Erinnerungen lebendig zu halten und uns Feste, Ferien oder andere denkwürdige Ereignisse zu vergegenwärtigen – nicht. Man muss ein bisschen etwas tun. Die Erinnerungen sollten leicht und schnell zugänglich sein. Und sie müssen in eine präsentable Form gebracht werden.

Dazu gehört, eine erträgliche Auswahl zu treffen – weil niemand fünfhundert Fotos durchblättern will, nur um einen Wochenend-Trip Revue passieren zu lassen.

Und toll ist auch, wenn man ein bisschen Kontext schaffen kann. Allein Bilder für sich sprechen zu lassen, reicht vielleicht bei Leuten mit einem Elefantengedächtnis aus, damit auch die Gefühle und Stimmungen zurückkehren. Ich will jetzt nicht jenen abgegriffenen Begriff bemühen, der sich in diesem Blog hier schon einen leicht anrüchigen Ruf erworben hat. («Storytelling»). Aber natürlich geht es in die Richtung.

Man könnte nun ein paar Sätzchen zu seinen Bildern erfassen oder gar ein Reisetagebuch mit Text und Bild führen. Es wäre auch möglich, ein Video zu schneiden und einen Kommentar einzusprechen – quasi der Dokumentarfilm zum Sommerabenteuer. Aber leider hat niemand nach zwei Wochen Ferien noch einmal drei Wochen Zeit, um ein solches Projekt zu realisieren.

Aber ich denke, es gibt ein Mittelding: Ein Fotobuch mit einer gewissen Dramaturgie ist eine gute Sache – und das hat man in zwei, drei Stunden konzentrierter Arbeit zusammengebastelt. Ich mag Fotobücher.

Und neuerdings bin ich auch ein Fan von Ferienvideos. Da die Apps immer besser und unsere Gerätschaften immer leistungsfähiger geworden sind, muss man sich nicht mehr mit komplizierten Profi-Schneidprogrammen sowie am Rand ihrer Leistungsfähigkeit operierenden PCs herumschlagen.

Im Gegenteil: Ein Clip von drei, fünf oder (Hilfe!) zehn Minuten lässt sich auch bequem auf dem Sofa liegend mit dem iPhone zusammenpuzzeln. Und selbst wenn man keinen Kommentar einspricht: Mit der passenden Musikauswahl, etwas B-Roll und ein bisschen Fantasie und Kreativität angereichert, entstehen Werke, mit denen man gerne seinen Verwandten und Bekannten traktiert. (Ob die sich darüber freuen, ist und bleibt natürlich eine andere Frage. Aber sie können es einem ja dann mit gleicher Münze heimzahlen.)

Darum also im Patentrezept-Video zwei Apps und eine Handvoll Tricks zu dem Thema:


So schinden Sie Eindruck mit Ihren Ferienfotos

Die Apps werden Leserinnen dieses Blogs bereits bekannt sein. Ich habe sie nämlich hier und hier schon vorgestellt. Auch die Websites mit dem Gratis-Videomaterial mit Public-Doman-Lizenz kam hier schon vor. Aber es ist ja nichts Neues, dass ich in den Videos oft Erkenntnisse hier aus dem Blog verdichte.

Für meine eigenen Videos gehe ich gerne mit Final Cut Pro ans Werk. Das ist auf meine Déformation professionnelle zurückzuführen. Und die Tatsache, dass dich in der Software schon ein bisschen Routine habe und noch mehr Routine brauchen kann – gerade auch, wenn ich etwas anderes produziere als ein Patentrezept-Video.

Was mich interessieren würde – und wo ich leider keine wirklich aussagekräftigen Daten gefunden habe: Wie gross ist der Anteil der Leute, die ihre Fotos und Videoclips irgendwie weiterverwerten und etwas damit anfangen? Also zum Beispiel ein Fotobuch machen, Papierabzüge bestellen, Videos gestalten oder meinetwegen auch Poster drucken oder Powerpoint-Präsis daraus basteln? (Das Zeug bei Google Fotos hochzuladen, zählt IMHO nicht.) Falls ihr dazu Erkenntnise habt, bin ich froh über einen Hinweis in den Kommentaren. Merci!

Beitragsbild: Es wäre doch sünd und schad, wenn dieses Meisterwerk in einer Schuhschachtel verschwunden wäre (Adrian Dascal/Unsplash, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „So werden Ferienerinnerungen präsentabel“

  1. Fotobücher sind eine tolle Sache. Nur bin ich leider oft zu faul dafür. Ich mache mir aber die Mühe, alle Fotos abzulegen und zu verschlagworten.

    „Verwendet“ werden diese dann auf verschiedene Arten:
    – Versand per E-Mail oder Messenger an Bekannte
    – Online-Galerie (nach Familienfest etc.)
    – als Geschenk zu Geburtstagen (da hilft die Verschlagwortung enorm)

    Videos habe ich noch keine gemacht, aber ich freue mich jeweils, wenn Google eines für mich macht. Leider kann man das nicht manuell anfordern, aber so etwa jeden Monat wird automatisch eines erstellt, mit Themen wie „Wochenende in Lugano“ oder „fröhliche Gesichter 2018“. Diese Videos finde ich eigentlich ganz gut, die Auswahl der Fotos ist stimmig und die Musik passt zum Schnitt.

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