Das Banale grande der Windows-Tetralogie

Das neueste Update für Windows 10 hat schon für Gesprächs- und Blog-Stoff gesorgt: Hier ging es allgemein um das Update und um die Bluescreens, die es auslöst. Hier habe ich die neue Einstellung des Stores vorgestellt, mit der man Softwareinstallationen auf dessen Sortiment beschränkt. Und hier ging es allgemein darum, ob die kontinuierliche Entwicklung im Vergleich zu den früheren, grossen Versionssprüngen eigentlich sinnvoll ist oder nicht.

Heute mache ich die Tetralogie voll – allerdings mit einem vergleichsweise banalen Finale (Experten nennen das auch ein «Banale grande»). Ich stelle zwei Apps vor, die es in Windows neuerdings gibt. Und von denen noch niemand gross Notiz genommen hat, wie mir scheint. (Inklusive ich – es kann also sein, dass diese beiden Apps hier schon vor dem Update auf 1903 vorhanden waren.)

Da ist erstens die Tipps-App (Microsoft.Getstarted). Die hält, wie der Name schon verrät, Hinweise zur Benutzung des Betriebssystems bereit. Man erfährt, was das Mai-2019-Update an Neuerungen gebracht hat. Und ferner finden sich die Kategorien Neuigkeiten, Windows-10-Grundlagen, Personalisieren Sie Ihren PC, Interessante Tricks für Office, Organisiert arbeiten, Web personalisieren, Schützen des PCs und Schnelle Suche

Die Tipps-App: Besonders üppig ist das Informationsangebot nicht.

Insgesamt zähle ich 75 Tipps. Das ist für einen Moloch wie Windows nun nicht gerade überwältigend. Allein die Einstellungsmöglichkeiten würden Dutzende von Tipps abwerfen. Ebenso all die zum Betriebssystem gehörenden Programme und Utilities, die man vorstellen könnte. Würde man anfangen, die Registry-Hacks aufzuzählen, dann wären allein noch einmal ein paar Hundert Tipps fällig.

Aber gut, es ist wohl nicht das Ziel dieser App, Blogger wie mich überflüssig zu machen. Und das ist ja auch gut so.

Die Tipps enthalten ein Bild, ein paar Zeilen Text und in vielen Fällen einen Knopf, mit dem man zum angesprochenen Fenster springt. Im Tipp zum Startmenü öffnet man über den Knopf die entsprechende Rubrik bei Personalisierung > Start.

Die Tipps-App öffnet per Klick jenen Windows-Bereich, der näher erklärt wird.

Fazit: Für Neulinge ist das womöglich ganz brauchbar. Aber es ist auch recht minimalistisch. Und es ersetzt keine vernünftige Hilfefunktion – aber die sparen sich Microsoft, Adobe und andere bekanntlich ein, wie ich im Beitrag Die Arroganz der Softwarehersteller kritisiert habe.

Da ist zweitens die Fotos-App. Die soll die Fotos auf einfache und zugängliche Weise erschliessen, ohne dass man als Nutzer viel Arbeit in die Organisation der Fotos stecken müsste. Und kooperiert mit Onedrive: Die Fotos, die man mit der Smartphone-App (für Android und iPhone/iPad) automatisch hochlädt, tauchen dort automatisch auf.

Die erinnert sehr an die gleichnamige Fotos-App beim iPhone, iPad und Mac – allerdings ohne die Eleganz und Elaboriertheit, die Apple ihr hat angedeihen lassen.

Die Fotos-App hat fünf Bereiche:

  • Bei Sammlung erscheinen die Bilder chronologisch, so wie man sie bei Onedrive hochgeladen oder in den Windows-Fotos-Ordner importiert hat. Das ist praktisch: Selbst wenn man bei der Ablage eine Ordnerstruktur benutzt, hat man hier eine «flache» Ansicht.
  • Bei Alben erscheinen die Alben, die man selbst gemacht hat und jene, die mittels künstlicher Intelligenz automatisch generiert wurden. Auch das kommt einem vom iPhone bekannt vor (siehe Die Foto-App könnte noch besser sein). Aber es ist eine sinnvolle Funktion. Microsoft erzeugt, genau wie das iPhone, kleine Videoclips mit automatisch ausgewählten Fotos, Texteinblendungen, Effekten und Musik. Sollte das Resultat nicht gefallen, dann «remixt» man es per Mausklick. Oder man klickt auf Video bearbeiten. Es landet dann im Bereich Videoprojekte.
  • In diesem besagten Bereich Videoprojekte baut man seine kleinen Bilder-Clips von Grund auf neu oder verändert die automatisch generierten Momente. Die am iPhone erzeugten Resultate sind um Welten eleganter als die von Microsoft – aber Apple hat auch einen ordentlichen Vorsprung.
  • Bei Personen werden die Bilder nach den abgebildeten Leuten sortiert. Da ist natürlich Gesichtserkennung mit im Spiel. Es gibt auch eine Suchfunktion, mit der man nicht nur nach Leuten, sondern auch nach Orten und Dingen suchen. Bei den Dingen macht die App auch Vorschläge. In meinem Fall zum Beispiel Pizza, Türme, Papier und Feuerwerksartikel – letzteres, weil ich offensichtlich ständig pyrotechnische Gegenstände fotografiere.
  • Bei Ordner finden sich die Verzeichnisse, die für die Bildersammlung herangezogen werden. Das ist der Bilder-Ordner von Windows und der Foto-Order von Onedrive. Man darf an der Stelle auch weitere Ordner hinzufügen.
Bei den Videoprojekten lassen sich einfache Clips zusammenschustern.

Fazit: Raketentechnik ist es nicht. Aber eine sinnvolle Ergänzung für Windows und für Leute, die noch kein Programm zur Bildverwaltung einsetzen, durchaus hilfreich.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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