Es lohnt sich vor allem für die Swisscom

Werbung zählt nun nicht so den grossen Errungenschaften der Menschheit. Die Werbung drängt sich einem auf und ist selten geistreich. Im Gegenteil: Sie hat oft eine allzu simple und obendrein irrelevante Botschaft. Und sie ist formal meist einfach gestrickt: Voll auf die Zwölf! Damit auch ja das dümmste Exemplar aus der Zielgruppe nicht zum Streuverlust wird.

Wenn Werbung meistens doof ist, dann ist es nun nicht sonderlich originell, an dieser Stelle eine unoriginelle Werbung anzuprangern. Aber genau das tue ich: Und ich frage, ob die Leute bei der Swisscom, die diese Werbung in Auftrag gegeben haben, eigentlich noch alle Latten am Zaun haben.

Also, es geht um ein Plakat, das ich seit ein paar Tagen jedes Mal sehe, wenn ich die Unterführung beim Bahnhof Winterthur passiere. Und das mich jedes Mal triggert, wenn ich daran vorbeigehe. Meine allergische Reaktion dürfte damit zu tun haben, dass es das übliche bescheidene Niveau der Werbung – und speziell der Werbung in Plakatform – noch unterschreitet. Es handelt sich um eine Botschaft, die anscheinend vom jüngsten, gescheitesten, bescheidensten und ehrlichsten Mann auf diesem Planeten inspiriert wurde.

Dieser Mann (Donald Trump) kann bekanntlich gar nichts falsch machen. Er hat keine Fehler und liegt niemals daneben. Und darum braucht er sich auch nicht für spezifische Dinge zu loben. Es ist nicht nötig, dass er seine Meinung über sich jemals irgendwie relativiert. Und Selbstkritik wäre völlig verschwendete Liebesmühe.

Und genauso macht es die Swisscom. Sie stellt nüchtern fest, dass sich, Zitat, «alles bei Swisscom lohnt». Also nicht nur dieses eine Produkt oder jenes Angebot. Sondern einfach «alles». (Darum ist an sich auch egal, dass in der Unterzeile als Angebot ein Bundle aus Handy- und Internettarif angeboten wird.)

Ich könnte mit dieser Universal-Heilslehre leben, wenn ich den Eindruck hätte, dass sich die Swisscom tatsächlich nach Kräften anstrengen würde. Wenn der Telekom-Konzern sich sämtliche Beine ausreissen würde, um der Kundschaft Produkte mit maximalem Preis-Leistungsverhältnis anzubieten, dann müsste man sagen: «Eigenlob stinkt, vor allem derartig überzogenes. Aber da die Swisscom ja wirklich alles tut, die Kundschaft glücklich zu machen, kneifen wir hier mal die Nase zu.»

Nun ist aber das Gegenteil der Fall. Die Stiftung Konsumentenschutz hat vor Kurzem scharfe Kritik an der Swisscom geübt. Das war auch bei der NZZ zu lesen: Einerseits steigen die Gebühren:

Gut versteckt werden bisherige Gebühren erhöht und neue eingeführt.

Wer eine Rechnung auf Papier zugeschickt erhält, muss dafür ab Oktober 2.90 Franken statt wie bis jetzt  1.50 Franken zahlen. Das ist völlig absurd, da der Selbstkostenpreis niemals so hoch liegen kann – selbst wenn jede Rechnung von Hand ausgedruckt, in einen Briefumschlag gesteckt, mit einer bei der Post gekauften 85-Rappen-Briefmarke frankiert und bei der Post aufgegeben wird.

Mein Eindruck: Das lohnt sich nicht für die Nutzer, sondern für die Swisscom. Und das Telekom-Unternehmen tut noch mehr, damit die Kasse stimmt:

Zudem lässt sich die Swisscom eine weitere Blankovollmacht ausstellen, um Daten zu bearbeiten. Die Kundinnen und Kunden werden mit den Gebührenerhöhungen dazu gedrängt, die digitalen Dienstleistungen zu nutzen und gleichzeitig mehr und mehr Daten zu generieren. Der staatsnahe Telekomriese lässt sich gleichzeitig ermächtigen, diese fleissig zu sammeln, auszuwerten und zu Geld zu machen.

Und an dieser Stelle kann man durchaus an die Aktion der Swisscom vom September 2018 erinnern. Damals steigerte die Swisscom die Geschwindigkeit bei den ADSL-Abos – und gleichzeitig ging auch der Preis nach oben. Wer nicht mehr bezahlen wollte, musste Einspruch einlegen. Diejenigen, die den Brief nicht genau genug gelesen haben, zahlen nun Monat für Monat 5 Franken mehr für eine Geschwindigkeitserhöhung, die sich beim alltäglichen Surfen noch nicht einmal wirklich bemerkbar machen dürfte.

Auch das ist lohnenswert – aber für den Anbieter, nicht für die Kundschaft.

Fazit: Wäre ich noch Kunde bei der Swisscom, wäre das der Moment, wo ich das Kündigungsschreiben aufsetzen würde. Wer so auftritt, muss sich an seinen Taten messen lassen. Und er sollte dabei nicht ganz so schlecht abschneiden wie der in Trumps Spuren wandelnde Telekom-Konzern.

Autor: Matthias

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