Microsoft hat es komplett versemmelt

Microsoft hat es beim letzten Update für Windows 10 komplett versemmelt. (Manchen wären an dieser Stelle sicher auch noch drastischere Vokabeln eingefallen, aber ich wollte keine entsprechende Visualisierung als Beitragsbild haben.) Ein Update fürs Betriebssystem hat Datenverlust verursacht und bei manchen Benutzern die Ordner Dokumente und Bilder zum Verschwinden gebracht. Von wegen «Ihre Dateien befinden sich dort, wo Sie sie zuletzt abgelegt haben»! Microsoft war gezwungen, die Auslieferung zu stoppen, nachzubessern und das Update erneut zu veröffentlichen. Wie Heise schreibt, war es kein völliges Desaster, weil die Verteilung noch nicht ans breite Publikum erfolgte, sondern erst an Leute, die explizit danach gesucht haben.

Es gab noch andere Probleme mit der Build 1809, nämlich Bluescreens und Probleme mit den Audio-Treibern, die zum Beispiel hier aufgedröselt werden – plus weitere, siehe Kommentar. Da stellt sich natürlich die Frage, ob Microsoft den eigenen Ansprüchen mit zwei grossen Funktionsupdates im Jahr noch gewachsen ist.

Denn schon früher war Kritik laut geworden. Im Beitrag Apples Behauptungen zum Trotz: Der PC hat noch viele Fans wird Susan Bradley erwähnt, die zusammen mit anderen Windows-Experten den Microsoft-Chef Satya Nadella aufgefordert hatte, mehr für die Zuverlässigkeit der Updates zu tun. Eine Umfrage zur Kundenzufriedenheit hatte erschütternde Resultate ergeben.  Windows-Crack Günter Born hat sie in seinem Blog ausführlich analysiert; den offenen Brief gibt es hier.

Wie man nicht in den Windows-Update-Hammer rennt

Als Anwender kann man daraus eigentlich nur den Schluss ziehen, bei den Funktions-Updates möglichst zuzuwarten. Wer sich in Geduld üben kann, sollte das der Sicherheit und Zuverläsisgkeit des Systems zuliebe auch tun. Denn wenn die Updates regulär ans breite Publikum ausgeliefert werden, sind die gröbsten Unwuchten in aller Regel beseitigt – zumindest ist das meine Erfahrung.


Nach dem Update-Fiasko: Wie Sie Windows-Pannen abwenden

Im Video zeige ich daher, wie man sein Windows konfigurieren sollte, um auf der sicheren Seite zu sein – und wie man die Updates gegebenenfalls bis maximal ein Jahr verzögern kann. So weit würde ich allerdings auch wieder nicht gehen.

Und selbstverständlich braucht man ein Backup. Am besten eine Image-Sicherung, damit man im Fall eines Falles ohne viel Aufwand den letzten funktionierenden Zustand wiederherstellt. Dafür habe ich seinerzeit im Beitrag Wie man Datenpannen sehr schnell überbrückt Backup & Recovery von Paragon empfohlen. Diese Software gibt es noch immer kostenlos für Privatanwender. Es ist jetzt Teil des Festplattenmanagers.

Immerhin: Auf meinem Computer verhält sich der Build 1809 (alias Windows 10 October 2018 Update) unauffällig, sodass ich es vertreten kann, ihn zur Installation zu empfehlen. Es gibt ein paar nützliche Neuerungen. Gut gefallen mir die neuen Funktionen für die Zwischenablage. Windows synchronisiert sie nun zwischen den Geräten. Und bei Bedarf wird ein Verlauf mit den zehn letzten Einträgen vorgehalten.

Ansonsten schätze ich den dunklen Modus beim Windows-Explorer. Noch nicht gross ausprobiert habe ich die neuen Funktionen für die Zusammenarbeit mit dem Smartphone, da die leider nur mit Android wirklich der Rede wert ist. Und mit dem neuen Screenshot-Werkzeug Ausschneiden und Skizzieren (Snip & Sketch in Englisch) bin ich auch noch nicht warm geworden. Aber das gute alte Snipping Tool bleibt uns vorerst noch etwas erhalten.

Beitragsbild: Wenn der Bäcker den Teig versemmelt, ist es in Ordnung. Wenn Microsoft das gleiche mit Windows tut, muss mit Ärger gerechnet werden. (Capri23auto/Pixabay, CC0)

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

4 Gedanken zu „Microsoft hat es komplett versemmelt“

  1. Beim monatlichen Update des Oktobers gab es ein Problem mit einem Tastaturtreiber, mit dem gewisse Rechner von HP danach nicht mehr starteten, sondern einen Blue Screen hatten.

    Ich hatte auf einem Rechner die Updates nicht verzögert und auf den anderen eine Verzögerung von einer Woche konfiguriert. Als das Problem auftauchte, wurde das Update von Microsoft zurückgezogen. Betroffenen PC im abgesicherten Modus repariert und gedacht es sei erledigt. Eine Woche später haben die anderen Rechner dann das zurückgezogene fehlerhafte Update installiert…

    Danach habe ich gesehen, dass die Logik etwas merkwürdig ist: bei zurückgestellten Updates werden trotzdem alle verfügbaren Updates heruntergeladen, die Installation wird aber noch nicht ausgeführt. Vor der Installation wird nicht mehr geprüft, ob das Update in der Zwischenzeit zurückgezogen wurde!

    Erfährt man von solchen Fehlern, muss man den Inhalt von „C:\Windows\SoftwareDistribution\Download“ löschen und die Updates neu suchen. Sonst läuft man auch rein, einfach später als die anderen.

    1. Das deutet darauf hin, dass der «Hack» für Windows 10 Home, bei dem es die Verzögerungsoptionen nicht gibt, vielleicht auch bei der Pro-Version nicht verkehrt ist: Man schaltet die Option ein, dass Updates nicht über getaktete Verbindungen geladen werden dürfen. Dann deklariert man den Zugangspunkt als getaktet (bei «Netzwerk und Internet > WLAN» bzw. «Ethernet»). So sollten die Updates gar nicht auf dem Rechner landen. Man muss dann allerdings selbst drandenken, die Option abzuschalten, wenn man installieren will.

      1. Gute Idee! Man könnte den „Trick“ noch mit einem Tool wie http://abc-deploy.com/ABC-Update/ kombinieren. Dieses kann auf Knopfdruck (oder per geplantem Task) die verfügbaren Updates suchen, installieren und den Rechner neu starten. Den Task auf eine Woche nach Patch Day legen. Man wird auf Wunsch sogar per E-Mail über installierte Updates oder Fehler informiert.

  2. Nach 2 Update-crashs in einem Jahr, habe ich den Dienst auf allen Firmen-PCs abgeschaltet. Ab Januar läuft unsere VOIP-Software auch auf Linux. Dann endlich Tschüss Windoof!!!

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